Karin M., Kassel:

Meine Mutter ist seit 2002 im Pflegeheim. Die Unterbringung zahlt das Sozialamt. Jetzt – nach zwei Jahren – fordert das Amt von mir das Geld für die gesamte Zeit auf einen Schlag zurück. Kommt das nicht zu spät?

Finanztest: Das Amt darf wahrscheinlich nichts mehr verlangen, weil seine Forderung „verwirkt“ ist. Sozialämter müssen ihre Ansprüche „zeitnah“ durchsetzen, damit der Unterhalt nicht zu einer „erdrückenden Schuldenlast“ anwächst (Bundesgerichtshof, Az. XII ZR 266/99). Über ein Jahr sei nicht mehr zeitnah.

Bezahlt das Sozialamt Heimkosten, schreibt es meist sehr schnell in einem Brief, dass es bald Unterhalt verlangt. In dem Brief fragt die Behörde auch nach den finanziellen Verhältnissen des unterhaltspflichtigen Kindes. Gibt das Kind diese Auskunft und vergeht dann mehr als ein Jahr bis zur endgültigen Rechnung, spricht viel für eine Verwirkung der Ansprüche.

Tipp: Da es auch auf die Umstände des Einzelfalls ankommt, sollten Sie einen Fachanwalt für Familienrecht oder Sozialrecht aufsuchen. Die Rechtsanwaltskammer vor Ort nennt Experten.

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