Werner B. aus Ingol­stadt: Ein Bauträger hat ein Haus mit acht Eigentums­wohnungen gebaut und verkauft. Eine dieser Wohnungen gehört mir. Bei der Endabnahme des Gemein­schafts­eigentums war ein Eigentümer nicht dabei. Was bedeutet das?

Finanztest: Dann hat der Abwesende die Bauleistung nicht abge­nommen und die Gewähr­leistungs­frist für Baumängel beginnt für ihn später.

Bei der Abnahme treffen sich die Eigentümer mit dem Bauträger und prüfen zum Beispiel Treppen­haus oder Außenwände auf Baumängel. Die Eigentümer können damit auch den Haus­verwalter beauftragen.

Mit der Abnahme beginnt die fünf­jährige Verjährungs­frist für Mängel. Erledigen die Eigentümer die Endabnahme selbst und nimmt einer nicht teil, beginnt die Frist für ihn später zu laufen. Beispiel: Sieben Eigentümer nehmen die Bauleistung am 1. September 2015 ab, der achte Eigentümer erst am 15. September 2015. Er kann Mängel am Dach länger als die anderen – bis zum 15. September 2020 – noch reklamieren.

Dem abwesenden Eigentümer kann der Bauträger androhen, dass nach Ablauf einer Frist ohne Reaktion die Abnahme als erteilt gilt. „Die Frist muss mindestens zwölf Tage betragen“, sagt Christopher Nier­haus, Fach­anwalt für Bau- und Architektenrecht aus Hamburg.

Mitunter steht im Kauf­vertrag, dass die Abnahme auch für Käufer als erfolgt gilt, die fehlen. Solche Klauseln dürften unwirk­sam sein, wenn sie keine Frist nennen. Bei Eigentümern, die schon in der Wohnung leben, gilt die Abnahme nach einigen Wochen als erteilt, wenn sie in dieser Zeit keine Mängel gerügt haben.

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