Horst J. aus Köln: Mein Bruder ist vor zwei Jahren gestorben. Er hatte eine Wohnung vermietet. Da kein Testament vorlag, erbten seine Frau und seine beiden Kinder je 50 Prozent. Die Kinder verzichten auf die Miet­einnahmen. Dennoch verlangt das Finanz­amt, dass sie ihre fiktiven Miet­einnahmen versteuern. Ist das rechtens?

Finanztest: Ja, die Vorgehens­weise des Finanz­amtes ist korrekt. Denn Mutter und Kinder bilden eine Erben­gemeinschaft mit folgenden Anteilen: die Mutter mit 50 und die beiden Kinder jeweils mit 25 Prozent. Jähr­lich muss eine „Einheitliche und gesonderte Fest­stellung“ für die Vermietungs­einkünfte, also für Miet- und Umla­geein­nahmen abzüglich der Ausgaben, gemacht werden. Der Betrag, egal ob positiv oder negativ, wird zu 50 Prozent der Mutter und zu je 25 Prozent jedem Kind zuge­rechnet. In der Steuererklärung werden diese Beträge bei den Beteiligten als Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung angesetzt. Wenn die Kinder auf die Miet­einnahmen verzichten, ist das steuerlich nicht relevant. Anders liegt der Fall jedoch, wenn die Kinder ihre Eigentums­anteile an die Mutter über­tragen. Dann sind die gesamten Einkünfte nur der Mutter zuzu­rechnen.

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