Joachim G., Halle: Ich will mich privat krankenversichern und habe gelesen, dass nicht alle Versicherungen Psychotherapie bezahlen. Wie kann ich dafür sorgen, in der Privatversicherung in diesem Punkt mindestens so gut gestellt zu sein wie ein Kassenpatient?

Finanztest: Das wird schwierig. Denn die gesetzlichen Kassen übernehmen die Kosten für bis zu 240 Therapiesitzungen je Behandlung, ohne dass der Patient etwas zuzahlen muss. In den meisten Tarifen der privaten Krankenversicherer sind dagegen psychotherapeutische Behandlungen auf eine viel geringere Zahl von Sitzungen pro Jahr beschränkt.

Es gibt sogar Tarife, in denen die Kostenerstattung für ambulante Psychotherapie ganz ausgeschlossen ist. Von diesen Verträgen raten wir ab.

Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens einmal an einer behandlungsbedürftigen psychischen Störung zu leiden, ist sehr viel größer, als viele annehmen. Wenn Sie als Patient die Kosten für eine psychotherapeutische Behandlung selbst tragen müssten, wäre das eine erhebliche finanzielle Belastung für Sie.

Die meisten psychotherapeutischen Verfahren sind auf mehr als 50 Sitzungen angelegt, für eine Kurzzeittherapie sind etwa 25 Sitzungen zu veranschlagen. Die Honorare für die Behandlung von Privatpatienten liegen laut der amtlichen Gebührenordnung für Ärzte je nach Therapierichtung zwischen 92,51 und 100,56 Euro je Sitzung (2,3facher Gebührensatz).

Begrenzt ein Versicherer die Zahl der Psychotherapiesitzungen also auf 20 im Jahr, dann ist das sehr knapp bemessen.

Einen Vertrag, in dem der Versicherer die Kostenübernahme auf eine jährliche Höchstsumme beschränkt, sollten Sie ebenfalls kritisch darauf prüfen, ob die Höchstsumme ausreichend ist. Das Landgericht München I (Az. 12 O 6228/00) erklärte beispielsweise die Klausel in einem Krankenversicherungsvertrag für unwirksam, wonach Psychotherapiekosten nur bis zu 2 500 Mark je Geschäftsjahr erstattet werden.

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