Ulrich Haupt, Freiburg

Sie haben über die Rechtssache C-269/00 des Europäischen Gerichtshofs berichtet. Danach können Selbstständige die Umsatzsteuer für die Kosten eines Eigenheims, das sie auch geschäftlich nutzen, voll abziehen. Sie müssen es nur dem Geschäftsbereich zuordnen. Das Finanzamt will nicht über meinen Antrag entscheiden. Ist das möglich?

Finanztest: Ja. Viele Finanzämter warten noch die Reaktion des Bundesfinanzministeriums auf die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) ab. Die Stellungnahme soll noch in diesem Frühjahr kommen.

Im Kern kommt die Regierung nicht an der Rechtsprechung des EuGH vorbei. Sie könnte allerdings wichtige Details neu regeln. Selbstständige können ihr Haus zum Beispiel nach zehn Jahren wieder verkaufen, vermieten oder ins Privatvermögen übernehmen, ohne dass sie dem Finanzamt die für die Anschaffungs- oder Herstellungskosten abgezogenen Vorsteuern zurückzahlen müssen. Diese Frist könnte Berlin verlängern.

Geht es lediglich um ein Arbeitszimmer im Eigenheim, sind außerdem noch verschiedene Rechtsfragen beim Europäischen Gerichtshof offen. Unklar ist zum Beispiel, wie Ehepartner Bauleistungen abrechnen müssen, wenn beide gemeinsam ein Eigenheim mit Arbeitszimmer besitzen (Rechtssache C -25/03).

Tipp: Am besten unterschreibt der zu Hause im Arbeitszimmer selbstständig arbeitende Partner alle Verträge allein, vergibt die Aufträge allein und lässt alle Rechnungen auf sich ausstellen. Will das Finanzamt die Vorsteuer nicht verrechnen, weil die Auftragslage nicht so eindeutig ist, können Ehepaare Einspruch gegen ihren Steuerbescheid einlegen und sich zusätzlich auf das Aktenzeichen C  - 25/03 beim EuGH berufen.

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