Frage & Antwort Meldung

Für sicheren Halt im Bus auch beim ­Anfahren sind die Fahrgäste selbst ver­antwortlich.

Christian L., Wittmund:

Ich bin 65 Jahre alt und neulich im Bus gestürzt, als dieser mit einem Ruck von der Haltestelle abgefahren ist. Dabei habe ich mir den rechten Oberschenkel gebrochen. Der Busfahrer hat mich zwar beim Einsteigen gesehen. Er hat aber nicht gewartet, bis ich sitze. Habe ich Aussicht auf Schadenersatz?

Finanztest: Sehr wahrscheinlich nicht. Sie sind als Fahrgast in einem Bus in der Regel sich selbst überlassen. Das heißt, Sie müssen sich möglichst rasch setzen oder Halt suchen, wenn der Bus anfährt.

Der Busfahrer muss seine Aufmerksamkeit auf das Anfahren und die übrigen Verkehrsteilnehmer auf der Straße richten. Er muss sich also grundsätzlich nicht um einsteigende Fahrgäste kümmern. So hat es der Bundesgerichtshof bereits im Jahr 1992 entschieden (Az. VI ZR 27/92). Das Oberlandesgericht Frankfurt hat das jüngst noch einmal bestätigt (Az. 1 U 75/01).

Von dieser Regel gibt es nur bei körperbehinderten Fahrgästen eine Ausnahme. Steigt etwa ein Blinder oder ein Beinamputierter mit Krücken in den Bus ein, muss der Busfahrer warten, bis die Person Platz oder Halt gefunden hat. Menschen höheren Alters gehören aber nicht von vorneherein zu dieser Personengruppe. Selbst dann nicht, wenn sie schwere Einkaufstüten tragen.

Wer nach dem Einsteigen im Bus nicht rechtzeitig Halt sucht, verhält sich sogar sorgfaltswidrig. Auch insofern steht Ihnen dann kein Schadenersatz zu.

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