Joseph S., München:

Wie mir meine Bank mitteilte, hat sie meine eigentlich bis 2013 laufenden Pfandbriefe vorzeitig gekündigt. Die hundertprozentige Rückzahlung des Anlagebetrags sei sogar besonders günstig – angesichts der 6-prozentigen Verzinsung in meinen Augen ­blanker Hohn. Ist diese Kündigung rechtlich möglich?

Finanztest: Tatsächlich kann der Emittent eines Pfandbriefs vorzeitig kündigen. Auf sein Kündigungsrecht verzichten darf er nach dem Hypothekenbankgesetz längstens zehn Jahre. Danach muss er sich dieses Recht einräumen. Das liegt daran, dass die Hypothekendarlehen, die durch die Ausgabe von Pfandbriefen finanziert werden, ebenfalls mit einem Kündigungsrecht ausgestattet sind, das nach zehn Jahren ausgeübt werden darf.

Interessant für die Bank ist eine Kündigung, wenn seit Darlehensaufnahme und Ausgabe des Pfandbriefs die Zinsen am Kapitalmarkt gesunken sind – so wie es jetzt der Fall ist. Aus diesem Grund müssen Anleger, die noch laufende Pfandbriefe aus Hochzinsphasen im Depot haben, mit einer Kündigung ihrer Papiere rechnen.

Tipp: Anleger sollten die Kursentwicklung ihrer laufenden Pfandbriefe im Auge behalten. Wenn die Papiere im Plus stehen, sollten sie sich überlegen, sie vorzeitig zu verkaufen. Dann können sie den Kursgewinn einstreichen. Das ist besser, als von der Kündigung durch den Emittenten kalt erwischt zu werden. Denn kündigt der Emittent das Papier, bekommt der Anleger nur den Nennwert des Pfandbriefs zurück.

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