Ernst S. aus Gifhorn:

Ich möchte ein Produkt über das Internet kaufen. Nach dem neuen Fernabsatzrecht darf ich die Ware zurückschicken. Aber ist das auch möglich, wenn ich die Ware bereits ausgepackt und sie dann anprobiert habe?

Finanztest: Meistens ja. Ausnahmen vom Rücksenderecht gibt es etwa bei Sonderanfertigungen, verderblichen Waren, Zeitschriften und vor allem bei versiegelten CDs, Videos oder Software, deren Siegel beim Öffnen zerstört wurde.

Wenn man in den übrigen Fällen die benutzte Ware zurückschicken kann, stellt sich aber immer noch die Frage, ob der Händler Geld für die Benutzung verlangen kann. Hierzu gilt: Wurde nichts anderes vereinbart, ist die Benutzung kostenlos.

Seit Januar 2002 darf der Versender zwar über eine vertragliche Sondervereinbarung Wertersatz wegen Abnutzung fordern. Auf so eine Klausel muss er jedoch vor Abschluss der Bestellung hinweisen. Außerdem muss er an derselben Stelle Tipps geben, wie man diese Entschädigungspflicht vermeiden kann.

Denn Vertragsklausel hin oder her –­ die bloße Besichtigung oder Anprobe der Ware ist immer kostenlos. Das Bürgerliche Gesetzbuch legt in Paragraph 357 klar fest, dass es keinen Wertersatz für Versandhändler gibt, „wenn die Verschlechterung ausschließlich auf die Prüfung der Sache zurückzuführen ist.“

Teuer kann es also erst werden, wenn die Ware tatsächlich in Gebrauch genommen worden ist, etwa wenn ein Rock nicht nur anprobiert wurde, sondern durch längeres Tragen Sitzfalten bekommen hat.

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