Frag Finanztest Special

Markus Kraus (links) im Gespräch mit Finanztest-Redak­teur Max Schmutzer.

2016 ist Finanztest 25 Jahre alt geworden. Zum Geburts­tag haben wir junge Menschen einge­laden, uns Fragen zu stellen. Diesmal: Markus Kraus. Der 24-Jährige hat 2016 sein duales Studium der Energie und Gebäude­technik an der Tech­nischen Hoch­schule Nürn­berg beendet. Er hat Erspartes auf dem Tages­geld­konto und mehrere Vorsorgever­träge. Mit Finanztest-Redak­teur Max Schmutzer spricht er über kurz­fristige Geld­anlage und seine Strategie für die Alters­vorsorge.

Tages­geld­konto für kurz­fristige Engpässe

Markus Kraus: Ich habe ein biss­chen Geld gespart und jetzt von meinen Groß­eltern rund 5 000 Euro aus einem Sparplan bekommen. Wohin damit? Muss das auf dem Tages­geld­konto ohne Zinsen liegen bleiben?

Finanztest: Wo das Geld am besten liegt, hängt in erster Linie von Ihren Zukunfts­plänen ab. Sie sollten dazu eine kurze Planung machen: Müssen Sie zum Beispiel noch Bafög-Schulden zurück­zahlen? Stehen bei Ihnen größere Anschaffungen an?

Das Studium konnte ich ohne Kredite finanzieren. Bevor ich im Herbst anfange, fest als Ingenieur zu arbeiten, will ich sechs Monate durch Kanada reisen, jobben und meine Eng­lisch­kennt­nisse aufbessern.

Natürlich haben Investitionen in die eigene Bildung gerade in den ersten Karriere­jahren Priorität. Die Basis für Vermögens­aufbau und die Alters­vorsorge ist ein gut bezahlter Job, der Sparen über­haupt ermöglicht.

Von dem Geld ist aber nach dem Auslands­auf­enthalt sicher noch etwas übrig. Soll das liegen bleiben?

Ja. Wir empfehlen, grund­sätzlich zwei bis drei Monats­gehälter als Reserve auf dem Tages­geld­konto zu lassen. Es ist zwar ärgerlich, dass es da kaum verzinst wird, aber dafür kommen Sie jeder­zeit an das Geld ran. Falls Ihr Computer kaputt­geht oder Sie umziehen wollen und neue Möbel brauchen, benötigen Sie kurz­fristig Geld. Und nichts ist finanziell ungüns­tiger, als in solchen Situationen auf den Dispokredit Ihres Giro­kontos zurück­greifen zu müssen. Bisher müssen Sie auch keine Null­zinsen akzeptieren. Schauen Sie mal in unseren Produktfinder Tagesgeld. Dort finden Sie Angebote, die immerhin noch bis 0,85 Prozent Zinsen bringen.

Bausparen ohne Bauabsicht

Lang­fristig spare ich schon mit einem Riester-Bauspar­vertrag, den ich während der Ausbildung abge­schlossen habe. Sollte ich den weiter besparen?

Ja. Da Sie den Bauspar­vertrag schon vor einigen Jahren abge­schlossen haben, bekommen Sie noch akzeptable Sparzinsen von 1 Prozent. Wenn Sie später auf ein Darlehen verzichten, bekommen Sie mit Bonus sogar 2 Prozent. Das ist mehr, als Banken derzeit für ihre Riester-Sparpläne zahlen. Für eine sichere Geld­anlage sind das aktuell gute Konditionen. Solange die Nied­rigzins­phase anhält, spricht nichts dagegen, den Vertrag weiter zu besparen – auch wenn Sie keine Eigenheimpläne haben.

Hundert Prozent sicher bin ich mir noch nicht. Ich wollte mir damals die Möglich­keit offenhalten. Die Bausparsumme beträgt auch nur 10 000 Euro.

Sparen Sie trotzdem erst­mal mit Ihrem Riester-Vertrag weiter. Wenn Sie tatsäch­lich bauen oder kaufen wollen, können Sie je nach Zins­entwick­lung immer noch entscheiden, ob Sie nur das Guthaben dafür verwenden oder auch das Darlehen Ihres Bauspar­vertrags in Anspruch nehmen.

Gegen Berufs­unfähigkeit absichern

Ich habe auch noch eine fonds­gebundene Rürup-Rente, kombiniert mit einer Berufs­unfähigkeits­versicherung, die mir ein MLP-Berater empfohlen hat. Passt das?

Nein. Das ist leider ein Produkt, das wir kritisch sehen. Fonds­gebundene Renten­versicherungen sind meistens teuer und kompliziert. Jungen Sparern empfehlen wir für erste Aktien­erfahrungen die güns­tigen und flexiblen Sparpläne mit Indexfonds (ETF), zum Test von ETF-Sparplänen, Finanztest 6/2016. Eine Rürup-Rente lohnt sich in erster Linie für gut verdienende Selbst­ständige, die ordentlich Steuern sparen können. Sie zahlen aktuell jedoch kaum Steuern und werden vermutlich auch in den ersten Berufs­jahren kein Spitzen­verdiener. Eine Kombination mit einer Berufs­unfähigkeits­rente bindet jeden Monat viel Geld. Sie sollten prüfen, ob Sie nicht eine gleich­wertige Absicherung ohne Rürup bekommen (Special Wie kann ich für Alter und Berufsunfähigkeit vorsorgen?). Dann könnten Sie Ihren jetzigen Vertrag beitrags­frei stellen und zahlen keine Beiträge mehr.

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