Frag Finanztest Special

Cornelia Dahmen (rechts im Bild) im Gespräch mit Beate Bexterm­öller

Die Doktorandin und angehende Ärztin Cornelia Dahmen (27) aus Rostock möchte beim Einstieg in das Berufs­leben die richtige Wahl für Alters­vorsorge und Schutz bei Berufs­unfähigkeit treffen. Ihre Fragen stellt sie der Finanztest-Projektleiterin Beate Bexterm­öller.

Gesetzliche Renten­versicherung oder Versorgungs­werk?

Cornelia Dahmen: Ich starte demnächst als Assistenz­ärztin und bin dann über die Ärztekammer Pflicht­mitglied in der Ärzte­versorgung, die eine eigen­ständige Renten­versicherung anbietet. Bin ich damit raus aus der gesetzlichen Renten­versicherung?

Finanztest: Das hängt von Ihnen ab. Die berufs­stän­dischen Versorgungs­werke bieten den Angehörigen der kammer­fähigen freien Berufe wie Ärzten, Anwälten oder Apothekern eine eigene Alters­vorsorge an. Sie als Ärztin können sich also von der Pflicht­versicherung in der gesetzlichen Renten­versicherung befreien lassen – auch wenn Sie angestellt sind.

Wie viel muss ich in das Versorgungs­werk einzahlen?

Der Beitrag, den Sie als angestellte Ärztin in das Versorgungs­werk zahlen müssen, entspricht dem Beitrag, den Sie sonst an die gesetzliche Renten­versicherung zahlen müssten.

Absicherung gegen Berufs­unfähigkeit

Welche Leistungen bietet das Versorgungs­werk im Fall einer Berufs­unfähigkeit?

Die berufs­stän­dische Versorgung umfasst auch einen Berufs­unfähigkeits­schutz. Leistungen gibt es in der Regel erst, wenn Sie gar nicht mehr als Ärztin arbeiten können. Es besteht in der Regel kein Schutz für die zuletzt ausgeübte, etwa fach­ärzt­liche Tätig­keit. Wer als Chirurg nicht mehr operieren kann, ist aber möglicher­weise in der Lage, noch eine andere ärzt­liche Tätig­keit auszuüben. Eine private bedarfs­gerechte Berufs­unfähigkeits­versicherung wäre als Ergän­zung ideal.

Wie finde ich guten Berufs­unfähigkeits­schutz?

Sehr gute Angebote finden Sie in unserem Test Berufsunfähigkeitsversicherung (Finanztest 8/2015). Wenden Sie sich an mehrere Versicherer gleich­zeitig und bitten Sie um ein Angebot. So ist die Chance am größten, einen vernünftigen Vertrag zu bekommen. Denken Sie daran, Angeboten, die Sie letzt­lich nicht haben möchten, recht­zeitig inner­halb von 30 Tagen zu wider­sprechen.

Fall­stricke

Worauf muss ich achten?

Achten Sie darauf, dass der Versicherer bereits zahlt, wenn Sie Ihre letzte berufliche Tätig­keit zu mindestens 50 Prozent nicht mehr ausüben können – also ohne zu prüfen, ob für Sie nicht noch eine andere adäquate Tätig­keit möglich ist. Außerdem sollte er bereits zahlen, wenn Sie voraus­sicht­lich sechs Monate außer­stande sind, in Ihrem letzten Job weiterzuarbeiten.

Warum ist eine „Nach­versicherungs­garantie“ wichtig?

Der Absicherungs­bedarf erhöht sich im Laufe des Lebens oft deutlich. Mit der Nach­versicherungs­garantie haben Sie die Möglich­keit, bei wichtigen Änderungen Ihrer Lebens­umstände eine Renten­erhöhung ohne erneute Gesund­heits­prüfung vorzunehmen – etwa nach Heirat, Geburt eines Kindes oder einer Gehalts­steigerung. Einige Tarife lassen eine Anhebung auch ohne Anlass zu. Oft bieten Versicherer die Nach­versicherungs­garantie allerdings nur bis zu einem bestimmten Alter an, häufig 45 Jahre. Außerdem ist der finanzielle Spielraum für Erhöhungen eher gering. Achten Sie deshalb schon bei Vertrags­abschluss darauf, dass die Leistung des Versicherers Ihren finanziellen Bedarf deckt, der durch Einkommens­verluste nach Berufs­unfähigkeit entsteht.

Kombi-Policen

Ich habe Angebote bekommen, die einen Berufs­unfähigkeits­schutz mit einer Renten­versicherung kombinieren. Was halten Sie davon?

Wenig. Wir empfehlen, die Absicherung gegen das Risiko Berufs­unfähigkeit von der Alters­vorsorge zu trennen. Ein Versicherer mit gutem Berufs­unfähigkeits­schutz bietet nicht auto­matisch eine gute Alters­vorsorge an. Außerdem ist eine sehr gute Berufs­unfähigkeits­versicherung allein schon teuer. Gerade für junge Leute ist das häufig eine hohe finanzielle Belastung. Wer wenig verdient oder arbeitslos wird, ist mit einem teuren Kombiver­trag finanziell schnell über­fordert. Kündigt er den Vertrag, steht er ohne Berufs­unfähigkeits­schutz da.

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