Frag Finanztest Special

Johanna Meier (28) hat Jura und Ver­wal­tungs­wissenschaften studiert.

2016 ist Finanztest 25 Jahre alt geworden. Zum ­Geburts­tag haben wir ­junge Menschen einge­laden, uns Fragen zu stellen. In dieser Ausgabe kommt Johanna Meier zu Wort. Die 28-Jährige fand nach Ende ­ihres Studiums keine feste Anstellung. Seitdem jobbt sie als freiberufliche Auto­rin. Mit Finanztest-Redak­teurin ­Simone Weidner spricht sie über Steuern und über ihre ­soziale Ab­sicherung als Freiberuf­lerin.

Erst zum Finanz­amt

Johanna Meier: Ich habe einen ­Master in deutschem Recht. Seitdem bin ich als Auto­rin frei­beruflich journalistisch tätig, suche aber eine Fest­anstellung als Redak­teurin. Muss ich meine Honorar­tätig­keit dem Finanz­amt melden?

Finanztest: Der erste Schritt für Frei­berufler führt zum Finanz­amt. Dort müssen Sie sich steuerlich registrieren. Sie füllen den „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“ aus und bekommen Ihre Steuer­nummer. Mit dieser Nummer sind Sie als Selbst­ständige steuerlich zu identifizieren. Deshalb müssen Sie diese zum Beispiel auf jeder Rechnung angeben.

Muss ich eine Steuererklärung ­abgeben?

Ja. Sie müssen sich als Freiberuf­lerin haupt­sächlich mit der Einkommensteuer und der Umsatz­steuer – auch Mehr­wert­steuer genannt – herum­schlagen. Einkommensteuer zahlt jeder auf seine persönlichen Einkünfte. Die Höhe hängt maßgeblich vom Gewinn ab. Die ­Gewinn­er­mitt­lung ist ­deshalb der Haupt­bestand­teil der Einkommensteuer­erklärung. Liegt der Gewinn unter dem Steuer­grund­frei­betrag von 8 652 Euro im Jahr 2016, bleibt er steuerfrei.

Was teile ich dem Finanz­amt mit?

Zur Steuererklärung reichen Sie eine formlose Gewinn­er­mitt­lung ein, wenn Sie mit Ihren Einnahmen im Vorjahr ­unter 17 500 Euro im Jahr lagen. Zur ­Gewinn­er­mitt­lung listen Sie Einnahmen und Ausgaben auf und ermitteln aus der Differenz Ihren Gewinn. Das nennt man auch Einnahme­über­schuss­rechnung. Dafür sammeln Sie das ganze Jahr ­Belege für Ausgaben und Einnahmen. Liegen Sie mit Ihren Einnahmen über 17 500 Euro, müssen Sie eine sogenannte Einnahme-Über­schuss-Rechnung in der „Anlage EÜR“ zur Steuererklärung machen. Wenn Ihr Umsatz im Vorjahr unter 17 500 Euro lag und im laufenden Jahr voraus­sicht­lich nicht mehr als 50 000 Euro betragen wird, müssen Sie als sogenannter Klein­unternehmer keine Umsatz­steuer auf Ihr Honorar erheben. Fürs erste Jahr müssen Sie das vorab einschätzen.

Alters­vorsorge ist freiwil­lig

Nach dem Studium habe ich mich bei meiner gesetzlichen Krankenkasse freiwil­lig versichert. 170 Euro zahle ich monatlich, inklusive Zusatz­beitrag und Pflege­versicherung. Gibt es weitere Pflicht­versicherungen?

Nein, neben der Kranken- und Pflege­versicherung gibt es keine Pflicht­versicherungen für selbst­ständige Freiberufler. Im Gegen­satz zu Arbeitnehmern, die in der gesetzlichen Renten­versicherung pflicht­versichert sind, sorgen Selbst­ständige freiwil­lig fürs Alter vor. Eine Pflicht für Selbst­ständige, sich für das Alter ­finanziell abzu­sichern, wird immer mal wieder auf politischer Ebene diskutiert.

Kann ich eigentlich der Künstler­sozialkasse beitreten?

Ja, unter bestimmten Voraus­setzungen können freischaffende Publizisten Mitglied der Künst­lersozialkasse (KSK) werden. Die KSK ist eine Institution, die für ihre Mitglieder Sozial­versicherungs­beiträge abführt, also Kranken-, Pflege- und Renten­versicherungs­beiträge – ähnlich wie Arbeit­geber für Arbeitnehmer. Die Monats­beiträge berechnen sich nach ­Ihrem Einkommen. Die eine Hälfte des Beitrags zahlt das Mitglied, für die andere Hälfte kommen Staat und Unternehmen auf. Eine Mitgliedschaft in der KSK lohnt sich, wenn Sie planen, lang­fristig freiberuflich zu arbeiten und der Auto­renberuf auch Haupt­beruf ist.

Zusätzlicher Versicherungs­schutz

Welche Policen sind noch wichtig?

Sehr wichtig ist eine private Haft­pflicht­versicherung. Sie springt ein, wenn Sie einer anderen Person einen Schaden zufügen oder fremde Sachen beschädigen. Eine Hausrat­versicherung ist sinn­voll, wenn Sie teure Gegen­stände in Ihrer Wohnung haben, die Sie in einem Schadens­fall nicht ersetzen könnten. Eine Auslands­reise-Kranken­versicherung sollte jeder haben, der außer­halb Europas Urlaub macht. Die Gesund­heits­karte gilt dort nicht. Auch inner­halb Europas ist der Schutz wichtig. Etwa weil der private Reisekranken­versicherer Kosten eines notwendigen Krankenrück­trans­ports zahlt, der nicht Kassen­leistung ist.

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