Frag Finanztest Special

Leo Schmutzer im Gespräch mit Finanztest-Redak­teurin Anja Harden­berg.

2016 ist Finanztest 25 Jahre alt geworden. Zum Geburts­tag haben wir junge Menschen einge­laden, uns Fragen zu stellen. Dieses Mal Leo Schmutzer (24) aus Nürn­berg. Er arbeitet seit sieben Monaten im Projektmanagement eines Sport­artikel­herstel­lers. Zum Job fährt er täglich insgesamt 54 Kilo­meter hin und zurück. Als Berufs­einsteiger beschäftigt er sich erst­mals mit Pend­lerpauschale und Steuern. Über seine erste Steuererklärung sprach er in Berlin mit Finanztest-Redak­teurin Anja Harden­berg.

Arbeitnehmer erhalten im Schnitt 900 Euro von der Steuer zurück

Leo Schmutzer: Im Studium habe ich nie eine Steuererklärung gemacht. Jetzt habe ich, wie viele meiner Freunde, den ersten Job. Muss ich jetzt eine abgeben?

Finanztest: Nein, verpflichtet sind Sie nicht. Aber Sie sollten das freiwil­lig tun. Die meisten Berufs­anfänger sind als Unver­heiratete ohne Neben­job in der Steuerklasse I. In dieser Steuerklasse müssen Sie eigentlich keine Steuererklärung machen. Ausnahme: Sie haben in dem Jahr Lohn­ersatz­leistungen wie Arbeits­losen- oder Krankengeld bezogen.

Warum sollte ich mich freiwil­lig durch die komplizierten Formulare quälen?

Weil Sie wahr­scheinlich Geld zurück­bekommen. Arbeitnehmer haben oft zu viel Lohn­steuer voraus­bezahlt. Dabei wurden längst nicht alle Abzugs­posten berück­sichtigt, wie hohe Fahrt­kosten zur Arbeit, Aus- und Fort­bildungs­kosten, Ausgaben für Hand­werker oder Helfer im Haushalt. Im Schnitt erhalten Arbeitnehmer rund 900 Euro zurück, sofern sie eine Steuererklärung abgeben.

Ich habe nicht das ganze Jahr gearbeitet, mein Vertrag hat erst im August begonnen. Lohnt es sich trotzdem?

Gerade deshalb! Sie haben ab August die Lohn­steuer entsprechend Ihres monatlichen Verdienstes bezahlt. In der Steuererklärung wird jedoch das gesamte Jahr betrachtet, auch die Monate ohne Gehalt. Dadurch sinkt der Steu­ersatz. Außerdem gewährt das Finanz­amt unabhängig davon, wie lange jemand in einem Jahr gearbeitet hat, die volle Werbungs­kostenpauschale von 1 000 Euro. Je kürzer Arbeitnehmer tätig waren, desto höher ist hier die Steuerersparnis.

Bei hohen Ausgaben Posten einzeln nach­weisen

Was fällt alles unter die Werbungs­kostenpauschale?

Werbungs­kosten sind alle Kosten, die Sie für Ihren Job absetzen können, wie Fahrt­kosten zur Arbeit, Fachbücher, PC, Weiterbildungs­kosten. Das Finanz­amt erkennt bei Arbeitnehmern pauschal 1 000 Euro an. Wer es auf mehr als 1 000 Euro im Jahr bringt, sollte die Posten einzeln nach­weisen, um mehr absetzen zu können.

Ich pendle täglich zwischen Nürn­berg und Herzogen­aurach. Muss ich Tank­quittungen aufheben?

Nein. Es reicht, die Kilo­meter der einfachen Strecke zwischen Wohnung und Arbeits­stelle anzu­geben. Die Finanz­ämter erkennen 230 Tage pro Jahr ohne Belege an – bei einer Fünf-Tage-Woche und ohne Krankheit. Pro Kilo­meter gibt es pauschal 30 Cent. Bei 27 Kilo­metern einfache Strecke kommt man bei fünf Arbeits­monaten – wie bei Ihnen – auf rund 778 Euro (96 Tage x 27 km x 0,30 Cent), die Sie steuer­mindernd abziehen können. Hoch­gerechnet auf ein Jahr liegen Sie mit Ihren Fahrt­kosten von 1 863 Euro schon über der Pauschale.

Studium: Sonder­ausgaben oder Werbungs­kosten

Kann ich meine Studien­kosten noch geltend machen?

Ja, natürlich. Hier sind nur zwei Fälle zu unterscheiden. War das Studium Ihre Erst­ausbildung, dann können Sie die Kosten als Sonder­ausgaben bis maximal 6 000 Euro pro Jahr geltend machen. Haben Sie vor dem Studium bereits eine Berufs­ausbildung oder ein anderes Studium abge­schlossen, fallen die Kosten unter Werbungs­kosten.

Welche Seiten der Steuererklärung muss ich über­haupt ausfüllen?

Als Arbeitnehmer ohne Neben­einkünfte, der mit der Pend­lerpauschale Steuern sparen will und nur bestimmte Ausgaben hat, können Sie den zweiseitigen Vordruck „Vereinfachte Einkommensteuererklärung“ nutzen.

Kann ich das auch online machen?

Ja, über das Elster-Formular-Programm (Elster.de). Dafür müssen Sie sich anmelden. Per Post kommen die Zugangs­daten, mit denen Sie ein elektronisches Zertifikat herunter­laden. Die Finanz­verwaltung stellt Lohn­daten, Renten- und Kranken­versicherungs­beiträge bereit. Über­prüfen Sie die Daten.

Tipp: Wie Sie die neue voraus­gefüllte Online-Steuererklärung nutzen, lesen Sie in unserem Special zu Elsteronline.

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