Forwarddarlehen Test

Mit einem Forwarddarlehen sichern sich Hauseigentümer niedrige Zinsen schon Jahre im Voraus. Banken verlangen dafür nur noch geringe Aufschläge.

Eva und Hartmut Busse haben sich vor fast zehn Jahren ein Reihenhaus im Süden Berlins gekauft. Im August läuft die Zinsbindung ihres Hypothekendarlehens aus. Doch um die Anschlussfinanzierung machen sie sich schon lange keine Gedanken mehr.

Bereits im September 2006 haben sie mit ihrer Bank ein Forwarddarlehen abgeschlossen. Damit werden sie im August die noch bestehende Restschuld ihres Darlehens ablösen. Für den Kredit mit weiteren zehn Jahren Zinsbindung zahlen sie einen Effektivzins von 4,7 Prozent. Die Raten haben sie so gewählt, dass sie am Ende der Zinsbindung ihre Schulden los sind. „Für uns ist das Forwarddarlehen wie eine Versicherung“, meint Eva Busse. „Damals waren die Zinsen sehr niedrig. Die wollten wir uns sichern, bevor sie vielleicht wieder steigen.“

Schutz vor steigenden Zinsen

Forwarddarlehen Test

Hartmut Busse kann sich entspannt zurücklehnen. In ein paar Monaten läuft die Zinsbindung seines Hauskredits ab. Doch steigende Zinsen muss er nicht fürchten. Einen günstigen Anschlusskredit haben sich der Diplom-Kaufmann und seine Frau Eva schon 2006 gesichert.

Viele Hauseigentümer sind heute in der gleichen Situation wie Familie Busse im Herbst 2006. Im Zuge der weltweiten Finanzkrise sind gerade jetzt die Zinsen wieder sehr günstig. Wer abwartet, bis die Zinsbindung seines Darlehens in zwei oder drei Jahren ausläuft, riskiert, dass ein Zinsanstieg am Kapitalmarkt die Anschlussfinanzierung deutlich verteuert.

Davor schützt ein Forwarddarlehen. Es funktioniert wie ein üblicher Anschlusskredit, mit dem der Kreditnehmer die Restschuld des alten Kredits weiter finanziert.

Der entscheidende Unterschied: Zinssatz, Zinsbindung und Ratenhöhe werden schon bis zu fünf Jahre vor dem Ende der Zinsbindung verbindlich vereinbart. Für diese Sicherheit zahlen Kreditnehmer einen Zinsaufschlag, der von der Vorlaufzeit bis zur Ablösung des alten Darlehens abhängt.

Forwardzuschläge niedrig wie nie

Finanztest hat die Konditionen von mehr als 70 Banken, Versicherern und Vermittlungsgesellschaften ermittelt. Unser Vergleich zeigt: Hauseigentümer, die jetzt ein Forwarddarlehen abschließen, profitieren nicht nur vom jüngsten Zinsrutsch, sondern auch von besonders niedrigen Zinsaufschlägen.

Für jedes Jahr Vorlaufzeit bis zur Auszahlung des Forwarddarlehens verlangen Banken im Schnitt nur noch rund einen Zehntelprozentpunkt mehr Zinsen als für ein Darlehen, das sofort ausgezahlt wird. Vor zwei Jahren waren die Aufschläge der Banken etwa doppelt so hoch.

Läuft die Zinsbindung des alten Darlehens in drei Jahren aus, zahlt sich ein Forwarddarlehen schon bei einem Zinsanstieg von nur 0,3 Prozentpunkten aus. In so einem Zeitraum könnten die Zinsen ohne weiteres auch bis über zwei Prozentpunkte steigen. Das wäre keineswegs ungewöhnlich.

Die Unterschiede zwischen den Banken sind aber enorm. Während etwa die PSD Bank Koblenz bis zu einer Vorlaufzeit von drei Jahren komplett auf Forwardzuschläge verzichtet, verlangt die Berliner Bank bis zu 0,79 Prozentpunkte Extrazinsen.

Risiko Zinssenkung

Mit einem Forwarddarlehen sind Kreditnehmer vor steigenden Zinsen optimal geschützt. Die Kehrseite der Medaille: Fallen die Zinsen, bleiben sie auf einem teuren Darlehen sitzen. Sie müssen den Kredit zu den vereinbarten Konditionen abnehmen. Daran sind sie bis zu zehneinhalb Jahren gebunden.

Besonders hart hat es viele Kreditnehmer getroffen, die im Jahr 2002 ein Forwarddarlehen abgeschlossen haben. Damals rechneten viele Experten damit, dass die Zinsen steigen.

Tatsächlich purzelten sie von einem Rekordtief ins nächste. Viele Hauseigentümer hätten ihren Anschlusskredit um mehr als zwei Prozentpunkte billiger bekommen und viele Tausend Euro gespart, wenn sie bis zum Ende der Zinsbindung gewartet hätten.

Forwarddarlehen ohne Reue

Die zukünftige Zinsentwicklung kann natürlich niemand vorhersehen. Doch einige Kreditinstitute bieten jetzt einen Ausweg aus dem Dilemma.

Gegen einen weiteren Zinsaufschlag bieten sie Forwarddarlehen an, die der Kunde kurzfristig kündigen kann (siehe Tabelle „Kündbare Forwarddarlehen“). Sinken die Zinsen, wird der Kreditnehmer das teure Darlehen wenigstens schnell wieder los.

Wählt zum Beispiel ein Kunde der Hannoverschen Leben ein Forwarddarlehen mit Kündigungsrecht, erhöht sich der Zinssatz um 0,3 Prozentpunkte. Für diesen Zinsaufschlag erkauft er sich das Recht, das Darlehen sofort nach der Auszahlung zum Ende des nächsten Quartals zu kündigen. Sollten die Bauzinsen wider Erwarten sinken, kündigt er und steigt einfach auf ein günstigeres Darlehen um. Im schlimmsten Fall kostet ihn das Forwarddarlehen dann nur wenige Hundert Euro Extrazinsen (siehe Tabelle „Chancen und Risiken von Forwarddarlehen“).

Mit so einem Darlehen sichern sich Kreditnehmer nahezu risikolos gegen steigende Zinsen ab.

Der Nachteil dieser Variante ist der relativ hohe Zinsaufschlag für die Kündigungsoption. Steigen die Zinsen, profitieren Kreditnehmer längst nicht so stark wie mit einem Forwarddarlehen ohne Kündigungsrecht. Das geringe Risiko erkaufen sie sich daher mit einer kleineren Gewinnchance.

Als Eva und Hartmut Busse ihr Forwarddarlehen abschlossen, gab es die Variante mit der Kündigungsoption noch nicht. Falls die Zinsen weiter sinken, könnte ihr Darlehen am Ende doch noch teurer als eine normaler Anschlusskredit werden.

Ihre Entscheidung fürs Forwarddarlehen würden sie aber auch in diesem Fall nicht bereuen. Da ist sich Eva Busse sicher.

„Wie sich die Zinsen entwickeln, weiß man vorher ja nie. Wir haben seit fast zwei Jahren das sichere Gefühl, dass uns bei der Finanzierung keine bösen Überraschungen blühen. Das allein war es uns schon wert.“

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