Fortbildung zum Wellnessberater Test

Wellnessanwendungen boomen und mit ihnen entstehen neue Berufsbilder. Zum Beispiel der Wellnessberater, der Gästen in Hotels, Sportcentern und Thermen individuelle Wohlfühlprogramme zusammenstellt. Wir haben acht Fortbildungen besucht und sagen Ihnen, was sie taugen.

Ob Bäder in Stutenmilch, Massagen mit warmen Lavasteinen, ayurvedisches Vier-Gänge-Menue oder entspannendes Yogatraining – das Angebot der Wellness-Dienstleistungen und -Produkte wächst und wächst. Und mit ihm entstehen auch neue Tätigkeitsfelder wie zum Beispiel das des Wellnessberaters, ein Zertifikats-Lehrgang, den die Industrie- und Handelskammern (IHK) 2002 entwickelt haben. In etwa 90 Unterrichtsstunden bereitet er in Blöcken auf die Arbeit in Wellness- und Sporthotels, Thermen und Wellnessoasen oder auch Fitnesscentern vor. Medizinische Grundkenntnisse, Wellnessprodukte und -dienstleistungen sowie Kundenbetreuung und Verkauf stehen auf dem Stundenplan. Und das alles, um anschließend entspannungsbedürftigen Gästen ein individuelles Wellness-Programm zusammenstellen zu können.

Diffuses Berufsbild

Fortbildung zum Wellnessberater Test

Die Stiftung Warentest hat bundesweit sechs Fortbildungen zum Wellnessberater getestet, die mit einer IHK-Prüfung abschließen. Anbieter sind die IHKs Berlin, Aachen, Passau und Nordschwarzwald sowie die beiden Privatanbieter F+U Hessen und das Bildungswerk für Wellness und Gesundheit in Bad Homburg. Außerdem zwei weitere Kurse, die nicht mit einem IHK-, sondern mit einem Anbieter-Zertifikat abschließen ( siehe „Mogelpackungen möglich“).

Aber schon die Frage, was genau ein Wellnessberater macht, blieb selbst bei den Kursen mit IHK-Rahmenlehrplan offen. Zum einen informierten die wenigsten Anbieter ihre Interessenten vor der Anmeldung angemessen über Aufgaben und Zuständigkeiten des Wellness-“Beraters“ – vielen Teilnehmern war nicht klar, dass es sich eher um eine Rezeptionistentätigkeit mit Terminvergabe und Produktverkauf als um eine eigenständige fachlich-inhaltliche Beratung handelt. Zum anderen legten die Fortbilder den Rahmenlehrplan unterschiedlich aus. Zwar behandelten alle die vorgeschriebenen Themenblöcke wie medizinische Grundlagen, Wellnessangebote und Kundenbetreuung (siehe „Was ein Wellnessberater können muss“), vermittelten innerhalb dieser Blöcke aber unterschiedliche Inhalte.

Über rechtliche Grauzonen bezüglich angrenzender medizinischer, therapeutischer oder ernährungswissenschaftlicher Fachberatungen wiederum wurden die Teilnehmer in keinem der sechs Wellnessberater-Kurse angemessen informiert. Auch praktische Übungen zu Kundengesprächen fanden kaum statt. Schade! Spätestens dort hätten die angehenden Wellnessberater lernen können, dass sie zum Beispiel Menschen mit Rückenschmerzen keinen speziellen Sport, sondern nur den Physiotherapeuten oder Orthopäden empfehlen dürfen. Oder Menschen mit Übergewicht nicht zu einer bestimmten Diät raten dürfen, sondern an den Arzt oder Ernährungsberater verweisen müssen. Ausnahme: Ein Studium oder eine Berufsausbildung zum Beispiel in den Bereichen Medizin, Sport oder Ernährung ist bereits vorhanden (siehe „Lotse durch die Wellnesslandschaft“).

Kein Kurs ohne Lücken

Fortbildung zum Wellnessberater Test

In punkto Kursorganisation boten vier der sechs IHK-Anbieter immerhin eine „hohe“ Qualität. Auf Kundenbetreuung, Unterrichtsräume und Service wurde bei den IHKs Berlin und Nordschwarzwald sowie bei den privaten Anbietern F+U Hessen und dem Bildungswerk für Wellness und Gesundheit viel Wert gelegt. Die übrigen Anbieter kamen immerhin noch auf eine „mittlere“ Wertung.

Die fachlich-inhaltliche Qualität der Kurse haben wir jeweils kommentiert (siehe Tabelle). Positiv aufgefallen ist die IHK Nordschwarzwald: Relevante Themen wie unterschiedliche Wellnessmodelle, medizinische Grundlagen, Wellnessprodukte und -dienstleistungen wurden angemessen behandelt. Und Anwendungen und Produkte praktisch erprobt – damit die angehenden Wellnessberater wissen, was sie ihren künftigen Kunden empfehlen. Trotzdem, auch bei der IHK Nordschwarzwald gab es Schwächen: Themen wie Sonne und Solarium fielen weg. Das Thema Ernährung wurde so schlecht vermittelt, dass die Teilnehmer sich beschwerten. Immerhin war der Anbieter bereit, es von einem anderen Dozenten nachholen zu lassen. Ein klarer Minuspunkt war das Thema Ernährung ebenfalls beim Anbieter F+U Hessen: Dort pries der Dozent lakto-vegetarische Vollwertkost als einzig gesunde Ernährungsform.

Bei der fachlichen Qualität eher negativ aufgefallen sind das Bildungswerk für Wellness und Gesundheit sowie die IHK Berlin. Bei der IHK Berlin wurden wesentliche Aspekte wie Aufgaben und Tätigkeiten eines Wellnessberaters nicht behandelt. Erst im Unterrichtsverlauf schwante es dem ein oder anderen Teilnehmer, dass es sich eher um einen Rezeptionisten als um einen Fachberater handelt. Auf Nachfrage wurde dieses Thema dann in nur 15 Minuten abgehandelt. Beim Bildungswerk war der Schwachpunkt – wie schon bei anderen Anbietern – die Ernährung: Alternative Ernährungsformen wurden ausgiebig vermittelt, während die Grundlagen der Ernährungslehre kaum behandelt wurden. Auch Themen wie unterschiedliche Wellnessansätze, kosmetische Körperpflege und Bewegungsprogramme kamen zu kurz. Das gleiche gilt für Stressmanagement und Entspannungsmethoden. Der Unterricht war rein theoretisch ausgerichtet, praktische Übungen oder Anwendungen gab es keine. Allerdings hatte der Anbieter das auch so angekündigt.

Trotzdem, die Praxis ist unserer Meinung nach sehr wichtig, denn angehende Wellnessberater sollten verschiedene Wellnessangebote einmal am eigenen Leib erfahren haben, bevor sie Kunden darüber informieren. Während der Kurs beim Bildungswerk ohne jegliche Praxiserfahrung ablief, war vor allem der Praxisanteil bei den IHK Nordschwarzwald und Passau sehr hoch und enthielt sogar eine Einführung in Nordic Walking und den Besuch verschiedener Wellnessanlagen. Auch bei den anderen Anbietern gab es praktische Komponenten; verwunderlich war nur bei der IHK Aachen, dass die Teilnehmer hier ein Fitnessstudio aufsuchten, um dort den theoretischen Unterricht in einem schlecht belüfteten Raum abzuhalten – das Studio selbst wurde nicht besichtigt.

Auch in punkto Prüfung sind einige Anbieter unangenehm aufgefallen: Bei der IHK Berlin sowie beim Bildungswerk für Wellness und Gesundheit wurden einige prüfungsrelevante Themen nicht im Unterricht behandelt. Besonders ließen auch die Vertragsbedingungen zu wünschen übrig: Drei der sechs IHK-Anbieter enthielten unzulässige Klauseln wie zum Beispiel zu überhöhten Stornogebühren und wurden deshalb in diesem Punkt nur mit „niedrig“ bewertet.

Insgesamt hielten unsere beratenden Branchen- und Bildungsexperten den noch relativ jungen IHK-Rahmenlehrplan für verbesserungsbedürftig: Der vorgeschriebene Themenblock „medizinische Vorkenntnisse“ ist ihrer Meinung nach zu umfassend dafür, dass für die eigentliche Beratung an Ärzte verwiesen werden muss. Das Thema rechtliche Grenzen der Wellnessberatung wiederum fehlt bislang im Rahmenlehrplan.

Fortbildung ersetzt keine Ausbildung

Unabhängig von ihrer Qualität kann die Fortbildung zum Wellnessberater nur unter bestimmten Voraussetzungen Pluspunkte bei Arbeitgebern bringen (siehe „Job-Chancen in der Wellness-Branche“ und „Unser Rat“). Zum Beispiel als Zusatzqualifikation für Berufstätige aus den Bereichen Medizin, Tourismus, Sport oder Kosmetik, die ihr berufsspezifisches Wissen in der Wellnessbranche einsetzen wollen und dafür einen Einblick in dieselbe brauchen.

Einsteiger ohne Vorkenntnisse aus angrenzenden Branchen können allein mit dem Wellnessberater-Zertifikat allenfalls – wie auch von den IHK vorgesehen – Kundenbetreuung an den Rezeptionen großer Wellnesseinrichtungen leisten. Für die inhaltliche Beratung müssen sie dann aber an Fachleute verweisen.

Zwar gaben die sechs Anbieter mit IHK-Prüfung im Test die oben genannten Berufsgruppen als Zielgruppe an, einige richteten sich darüber hinaus aber auch ausdrücklich an Quereinsteiger ohne Vorkenntnisse. So zum Beispiel das Bildungswerk für Wellness und Gesundheit, das sich an alle „Mitarbeiter von Wellness-Hotels, Reisebüros, Fitnessbetrieben, Bäderbetrieben“, aber auch „an alle wellnessinteressierten Personen“ wendet. Gerade letztere sollten sich bei Kurskosten von bis zu 1250 Euro und mehr gut überlegen, ob sie diese Weiterbildung wirklich weiterbringt, denn die Zusatzqualifikation ersetzt keine Berufsausbildung.

Über Einsatzfeld und Jobchancen entscheidet also eher der erlernte Beruf oder das absolvierte Studium als die bloße Weiterbildung zum Wellnessberater. Nur, wer schon als Masseur, Physiotherapeut, Arzt, Hotelkaufmann, Fitnesstrainer oder Ernährungsberater arbeitet, ist gut mit den Kursen zum Wellnessberater bedient. Fazit: Profis punkten mit Zusatzwissen!

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