Job-Chancen in der Wellness-Branche

Immer neue Wellness-Anwendungen und -Produkte kommen auf den Markt. Neue Tätigkeiten und Berufsfelder bilden sich heraus. Dadurch entsteht hoher Weiterbildungsdruck in der Branche, der Jobboom aber bleibt bislang aus.

Beim Ausprobieren stehen Massagen mit 47 Prozent, Saunen mit 35 Prozent und Moorbäder mit 32 Prozent hoch im Kurs beim deutschen Wellnesskonsumenten. Hinzu kommen immer neue Trends wie Ayurveda oder Thalasso. Kaum noch ein großes Hotel ohne Day Spa, fast kein Reiseveranstalter ohne Wellnessangebot.
„Aber dass immer mehr Wellnessangebote entstehen, heißt nicht, dass es auch neue Jobs gibt“, warnt Lutz Hertel vom Deutschen Wellness Verband. Die Organisation ist gemeinnützig und gibt verschiedenste Studien zum Wellnessmarkt heraus. Zwar hat der Konsument zwischen 1999 (54,3 Milliarden) und 2002 (61,5 Milliarden) stetig mehr für Wellness und Wohlbefinden ausgegeben und sollte dies den Prognosen von 2003 zufolge auch noch in den kommenden Jahren tun, „aber auf dem Jobmarkt sind trotzdem kaum zusätzliche Stellen entstanden“, schätzt Hertel die Situation ein.
Hintergrund: Die großen Day Spas und Wellness-Hotels haben ihr eigenes Personal, das sie weiterbilden – sofern sie dies für nötig halten (siehe Abschnitt „Hoher Weiterbildungsdruck“). „Außerdem buchen die Besucher und Gäste in der Regel vorher fertige Wellnesspakete per Internet oder Katalog, so dass sie vor Ort keinen Wellnessberater mehr brauchen“, meint Hertel. Selbstständige Wellnessberater wiederum, die unabhängig von der jeweiligen Angebotspalette des Hotels oder Spas eine kundenorientierte Beratung bieten, – ähnlich wie Ernährungsberater bei den Krankenkassen – haben sich in Deutschland nicht etabliert.
Die Folge: „Es herrscht ein hoher Weiterbildungsdruck bei den bereits in der Wellnessbranche Beschäftigten“, so Hertel. Die großen Wellnessanbieter bilden ihr Personal häufig mit eigenen Schulungen fort. Die kleinen Anbieter schicken ihre Mitarbeiter in berufsbegleitende Spezial-Seminare. Neue Stellen entstehen jedenfalls trotz des immer größeren Bildungsangebotes bislang kaum.

Wer nicht schon über eine Ausbildung mit hohem Praxisbezug wie Kosmetik, Fitness oder Physiotherapie verfügt, für den ist eine Fort- oder Weiterbildung im Wellnessbereich keine gute Hilfe bei der Jobsuche. Für diese Interessenten könnte der Lehrgang zum IHK-Wellnessberater somit nur die Funktion eines ersten Einblicks in die Wellnessbranche haben.

Hoher Weiterbildungsdruck

Die Umfrage-Ergebnisse der Tüv-Akademie Rheinland bestätigen die Erfahrungen des Wellness-Verbandes: Die Betreiber deutscher Wellness-Einrichtungen sehen erhöhten Weiterbildungsbedarf bei ihren Mitarbeitern. Dennoch: Nur ein Drittel der befragten Arbeitgeber ist bereit, die Weiterbildung auch vollständig zu finanzieren. Immerhin zwei Drittel der Einrichtungsbetreiber wären aber bereit, ihren Angestellten (Bildungs-)Urlaub für die Weiterbildung zu geben. Das heißt im Umkehrschluss, die meisten Angestellten müssen für ihre Weiterbildung in die eigene Tasche greifen und immerhin ein Drittel auch ihre Freizeit dafür opfern.

Einen großen Stellenwert bei der Weiterbildung haben nach der Umfrage soziale Kompetenzen wie zum Beispiel Konflikt- und Teamfähigkeit, Ausdrucksvermögen und Kommunikationsverhalten – schließlich sollen die Mitarbeiter von Wellnesseinrichtungen ihre Gastgeberrolle so erfüllen, dass der Kunde sich wohl fühlt. Aber auch Verkaufsmethodik und Qualitätsmangement sind sehr wichtig – neben dem mangelnden Gastgeberverständnis haperts daran nach Meinung der Arbeitgeber aber besonders.

Bei den Wellnesskenntnissen stehen Massagen und Entspannungstechniken, Sauna und Bäder, Fitness und Ernährung hoch im Kurs. Im Allgemeinen bescheinigen die Arbeitgeber ihren Mitarbeitern ein hohes Fachwissen. Trotzdem sehen sie auch hier noch Weiterbildungsbedarf, insbesondere in Bezug auf Fitness, Ernährung und Entspannungstechniken. Des Weiteren wünschen sie sich bessere Fremdsprachen- und Marketing-Kenntnisse.

Bezüglich der Qualität der Weiterbildung kommen allerdings Zweifel auf: Nur die Hälfte der befragten Betreiber von Wellnesseinrichtungen schätzt diese als gut ein. Wohl deshalb ist es ihnen auch besonders wichtig, dass es anerkannte Ausbildungsstandards – wie zum Beispiel IHK-Prüfungen – gibt.

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