Fortbildung zum Anti-Aging-Berater Test

Ernährung, Sport, Entspannung, Schönheits-OPs: alles Anti-Aging. Geschulte Berater könnten helfen, das Richtige auszuwählen. Aber auch bei deren Fortbildungen geht es oft eher um den Verkauf.

„Neu! Botox to go – 15 bis 18 Uhr.“ In großen Lettern prangt der Slogan auf dem Schaufenster eines Berliner Ladenlokals. Sommeraktion einer Klinikkette für ästhetisch-plastische Chirugie: Alle Operationen sind um 10 bis 15 Prozent reduziert. Immer schneller, billiger, unbedenklicher werden Operationen, Spritzen und Therapien angeboten. Botox beim Frisör, Hormonbehandlung bei der Kosmetikerin, Pillen über den Internet-Versand. Ein Überblick darüber, wer was anbietet, welche Ausbildung er mitbringt und ob sein Rat richtig ist, ist kaum noch möglich.

Lockangebote für Laien

Fortbildung zum Anti-Aging-Berater Test

Helfen könnte ein gut geschulter Berater. Deshalb hat sich die Stiftung Warentest Fortbildungen zum Anti-Aging-Berater, -Trainer oder ähnlich benannte Kurse angeschaut. Fazit: So mancher Kurs hat neben Theorie und erlaubten Anwendungen auch Faltenunterspritzen oder sogar Hormonbehandlung auf dem Stundenplan. Und zwar auch für Teilnehmer ohne Approbation oder Heilkundeprüfung, die diese Behandlungen später gar nicht ausüben dürfen (siehe Tabelle)!

Mit lukrativen Verdienstversprechen werden sie oft gezielt in die Kurse gelockt, um sie zu füllen. Denn: Obwohl ständig neue Anti-Aging-Angebote auf den Markt kommen, fällt ein Großteil der angekündigten Fortbildungen mangels Teilnehmer aus. Grob lassen sich die Kurse in medizinische für Ärzte und Heilpraktiker und in nicht-medizinische einteilen, die allen offen stehen. Wir haben zwei Kurse, einen medizinischen und einen nicht-medizinischen, von je einer geschulten Testperson besuchen lassen.

Verkauf vor Qualifikation

Im nicht-ärztlichen Bereich war das Ergebnis bedenklich: Unsere Testerin besuchte ein Anti-Aging-Seminar zur Schönheitsakupunktur an einer Kosmetikschule. Und das, obwohl Akupunktur von der Rechtsprechung als Heilkunde eingeordnet und Kosmetikern somit verboten ist. Außerdem ärgerlich: Für den dreieinhalbtägigen Kurs wurde unserer Testerin im Vorfeld telefonisch nahe gelegt, Hautkur-Ampullen für zirka 1000 Euro zu kaufen. Eine Einführung in die Anwendung erfolgte im Kurs, für die Vertiefung wurde aufs Folgeseminar verwiesen – das kostet weitere 650 Euro.

Ärzteseminar fachlich fundiert

Seriös ging es hingegen bei dem Ärzteseminar zur Hormontherapie mit 50 Teilnehmern zu. Wie bei medizinischen Fortbildungen üblich, wurde der Stoff im Vortragsstil vermittelt. Die Inhalte waren fachlich fundiert, medial gut aufbereitet und informatives Lehrmaterial war ebenfalls im Seminarpreis von 472 Euro für zwei Tage enthalten. Aber rund ums Ärzteseminar ging es auch um den Verkauf von Anti-Aging-Produkten: Im Foyer luden Anbieter zum Ordern von Nahrungsergänzungsmitteln und Hormonen ein.

Neues Berufsbild noch unklar

Die Stiftung Warentest rät Interessenten ohne Approbation oder Heilkundeprüfung, genau zu prüfen, welche Seminare sie belegen und vorzeitig zu hinterfragen, welche Leistungen sie später mit einem Zertifikat als „Anti-Aging-Berater/-Trainer“ oder ähnlichem auch anbieten dürfen. Denn es handelt sich um ein neues Berufsbild, für das es weder eine geregelte Qualifizierung noch eine klare Tätigkeitsbeschreibung gibt.

Oft wird erst nach einer Klage per Einzelurteil entschieden, ob eine Behandlung oder Beratung zulässig oder unzulässig war. So dürfen nach der Rechtsprechung zum Beispiel Kosmetiker kein Botox spritzen und keine Akupunktur ausüben. Für Selbstständige kann das schnell das Aus bedeuten: Beim ersten Verstoß gibt es ein Bußgeld, beim zweiten droht die Schließung des Salons oder Instituts.

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