Fortbildung im Sicherheitsgewerbe Test

Das Geschäft mit der Sicherheit blüht. Private Dienstleister übernehmen immer mehr Wach- und Kontrollaufgaben. Aber noch streitet die Branche um ein einheitliches Qualifizierungsmodell.

Sie bewachen Firmeneingänge und Juweliere, kontrollieren S- und U-Bahnen, nehmen Flug- und Diskothekengäste ins Visier, arbeiten für Kaufhäuser und Geldtransporteure – das Einsatzfeld privater Sicherheitskräfte wächst ständig. Immer öfter geben Unternehmen Bewachungsaufgaben an Dienstleister ab. Auch die öffentliche Hand und sogar der Bundesgrenzschutz lagern entsprechende Aufgaben aus. Im Sicherheitsgewerbe sind heute schon mehr als 3 000 Unternehmen tätig, die mit rund 170 000 Mitarbeitern zuletzt einen Umsatz von über 4,07 Milliarden Euro erzielten. Es verzeichnet seit Jahren Zuwächse und rechnet auch künftig damit.

Entsprechend optimistisch sind die Beschäftigungsprognosen. Dabei sorgen besonders die Einsätze auf Flughäfen und im Empfangsdienst dafür, dass auch der Frauenanteil steigt. Die größte Nachfrage besteht traditionell im Werk- und Objektschutz für Firmen, Museen oder Konzertarenen, aber immer mehr Unternehmen versuchen sich als Rund-um-Anbieter und nehmen auch Randbereiche wie Telefondienste und Gebäudemanagement ins Programm auf.

Einige schwarze Schafe

Mit zunehmendem Bedarf schrauben die Kunden auch ihre Ansprüche an Qualität und Qualifizierung der Mitarbeiter höher. Doch gerade in Sachen Weiterbildung ist im Sicherheitsgewerbe wenig sicher. „Es gibt einen Flickenteppich an Qualifizierungsmaßnahmen und eine Vielzahl von Anbietern“, sagt Mechthild Teupen von der Industrie- und Handelskammer Düsseldorf: „Dabei ist nicht auszuschließen, dass sich unter ihnen ,schwarze Schafe' tummeln.“ Zwar gibt es mit der „Fachkraft für Schutz und Sicherheit“ seit 2002 erstmals einen dreijährigen Ausbildungsberuf, doch ist es noch zu früh, über Ergebnisse zu sprechen. Die ersten Prüfungen haben gerade erst stattgefunden.

Der Hauptanteil der Beschäftigten (95 Prozent) begann als Seiteneinsteiger. Viele wechseln erst mit höherem Alter zum Sicherheitsdienst: 51 Prozent sind zwischen 35 und 55 Jahre alt, 24 Prozent sogar zwischen 55 und 65. „Unsere Branche lebt von Lebenserfahrung und Stressresistenz“, so Martin Hildebrandt vom Bundesverband Deutscher Wach- und Sicherheitsunternehmen (BDWS).

„Unterrichtung“ ist Minimum

Doch gerade für Seiteneinsteiger fehlen standardisierte Qualifizierungsmöglichkeiten, zumal ab 2005 die bis dahin gültigen Fortbildungsprüfungen wie Werkschutzfachkraft aufgrund der neuen Erstausbildung wegfallen werden. Nur das so genannte Unterrichtungsverfahren und die Sachkundeprüfung sind bundesweit geregelt und von der Gewerbeordnung vorgeschrieben. Diese „Unterrichtung“ ist die Minimalanforderung für den Einstieg ins Bewachungsgewerbe. Die „Unterrichtung“ zum Beispiel bei einer Industrie- und Handelskammer (IHK), die von den Arbeitsagenturen gefördert werden kann, kostet je nach Kammerbezirk bis zu 500 Euro. Sie umfasst 40 Unterrichtsstunden, unter anderem zu rechtlichen Vorschriften und Befugnissen, und wird bei Erfolg mit einer Teilnahmebescheinigung beendet.

Weitere Voraussetzungen: Mindestalter 18 Jahre, Schufa-Erklärung und einwandfreies Führungszeugnis. „Daneben achten die Arbeitgeber auf PC-Kenntnisse, Menschenkenntnis, gepflegtes, ruhiges Auftreten und gute Deutschkenntnisse“, erklärt Martin Hildebrandt. Besonders gute Karten hätten ehemalige Bundeswehrsoldaten und Polizisten.

„Sachkundeprüfung“ für mehr

Für alle, die wie Kaufhausdetektive oder beim Streifendienst in Einkaufspassagen viel Kontakt mit Bürgern haben, ist die Sachkundeprüfung Pflicht. Sie wird durch eine IHK abgenommen und kostet zwischen 150 und 200 Euro, auch hier können die Arbeitsagenturen fördern. Wer sie bestanden hat, ist von der „Unterrichtung“ befreit.

Wer sich auf die Prüfung nicht allein vorbereiten will, findet bei zahlreichen Bildungsträgern Kursangebote. Sie führen beispielsweise in das Waffenrecht ein und vermitteln Kenntnisse in Deeskalationstechniken. Die Angebote variieren stark, reichen von Crash-Kursen mit 40 Unterrichtsstunden bis zu 470 Stunden verteilt auf drei Monate und kosten zwischen 100 und über 700 Euro.

Darüber hinaus haben es Seiteneinsteiger, die im Sicherheitsgewerbe weiterkommen wollen, schwer. Denn zwischen der „Sachkundeprüfung“ und dem „Meister für Schutz und Sicherheit“ mangelt es an normierten Angeboten.

Weiterbildung mit Wildwuchs

Bislang bieten etliche Bildungsträger verschiedenste Tagesseminare und berufsbegleitende Lehrgänge an – und verge­ben ebenso verschiedene Zertifikate. Die reichen von „Sicherheitsfachkraft Personenschutz“ über „Waffenfach- und Sachkunde“ bis zum „Fachberater für terroristische Gefahren“. Teilweise fördern die Arbeitsagenturen. Die Kosten können einige Tausend Euro erreichen.

„Da herrscht ein großer Wildwuchs“, beklagt BDWS-Mann Hildebrandt. „Was fehlt, sind geregelte Inhalte, vergleichbare Standards und bundesweit anerkannte Abschlüsse.“ Am besten sei es für Neueinsteiger zurzeit, wenn sie bereits einen Job in Aussicht hätten und sich genau die dafür geforderten Qualifikationen holten. Dafür habe manche Sicherheitsfirma interne Bildungsabteilungen, andere kooperierten mit Schulungsstätten.

Neues Qualifizierungsmodell

Derzeit arbeiten Branchenexperten mit Hochdruck an einem neuen standardisierten Weiterbildungsmodell. Es soll Seiteneinsteigern, die sich qualifizieren wollen, eine einheitliche Basisqualifizierung bieten und Spezialisierungen wie Luftsicherheit, Event Security oder Industrieanlagen ermöglichen. Wer später mehr will, soll zum Team- oder Objektleiter aufsteigen oder „Meister für Schutz und Sicherheit“ werden können.

Die IHK Düsseldorf hat für all das bereits ein Pilotmodell mit Rechtsvorschriften und Prüfungsordnungen entwickelt (siehe Grafik). Dabei soll die „Geprüfte Sicherheitsdienstleistungskraft“ die auslaufende Werkschutzfachkraft ersetzen und das drohende Vakuum in der Weiterbildung für Seiteneinsteiger schließen. Parallel dazu hat auch der BDWS Vorschläge erarbeitet, die sich vom IHK–Modell in Details unterscheiden. Ein Arbeitskreis beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag soll bis Ende 2004 eine Empfehlung für ein einheitliches Modell geben.

Imagepolitur dringend nötig

Die Branche, in der vom Ein-Mann-Betrieb bis zum Großunternehmen alles vertreten ist, kann eine Imagepolitur gut gebrauchen. Noch immer herrscht in der Öffentlichkeit vielfach das Bild der „schwarzen Sheriffs“ vor.

Aufgrund der oft schlechten Arbeitsbedingungen ist es schwierig, vertrauenswürdige und gut ausgebildete Mitarbeiter zu finden: Die Arbeitszeiten sind gewöhnungsbedürftig, Schicht- und Nachtdienste Pflicht. Zudem müssen sich die Beschäftigten mit tariflichen Stundenlöhnen zufrieden geben, die im Extremfall nur bei 4,23 Euro liegen.

Und an der Preisschraube wird weiter gedreht: „Lohndumping ist unser größtes Problem“, sagt Martin Hildebrandt. Besonders öffentliche Auftraggeber, die etwa ein Viertel ausmachen, prüften oft nicht, ob der Tarif eingehalten werde. Das sorgt für hohe Fluktuation und drückt auf die Motivation – keine guten Voraussetzungen, um Personen zu schützen und Gebäude zu sichern.

Dieser Artikel ist hilfreich. 810 Nutzer finden das hilfreich.