Fortbildung Fitnessfachwirt Test

IHK-Aufstiegsfortbildung auch für Quereinsteiger möglich - Guter Einstieg für Profi-Sportler in einen neuen Beruf

„Machen Sie Ihr Hobby zum Beruf!“ lockt das Werbeplakat, das einen muskelgestählten Mann in Sportpose zeigt. Das Plakat soll vor allem junge Sportbegeisterte dazu ermuntern, eine Fortbildung zum Fitnessfachwirt mit einem Abschluss der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu buchen und damit einen Fuß in den Management-Bereich der Fitnessbranche zu bekommen. Andere Flyer sprechen Aufstiegswillige direkt an: „Karriereziel: Studio- oder Trainingsleitung“ heißt es da. Oder auch: „Sie übernehmen die sportliche und betriebswirtschaftliche Leitung eines Freizeitunternehmens“ und erwerben außerdem das „Know how, um sich mit einer eigenen Fitnessanlage selbstständig zu machen.“

Neue Standards

Der von der IHK Saarbrücken 1997 ins Leben gerufene Fitnessfachwirt (IHK) war als öffentlich-rechtlicher Abschluss ein Meilenstein in einer in den 90er Jahren boomenden Branche. Mit der Eröffnung zahlreicher neuer Anlagen - oft mit Wellnessangeboten - legte das Fitnessstudio sein früheres Image als „Mucki-Bude“ für Goldkettchenträger endgültig ab. Neue Zielgruppen forderten neue Kurse, plötzlich hielten Step-Aerobic, Yoga und Bauch-Beine-Po (BBP) Einzug. Zusätzliches, besser ausgebildetes Studiopersonal wurde gebraucht, und so schossen Weiterbildungskurse wie Pilze aus dem Boden, nach deren Besuch man sich mit ungeschützten Titeln wie Trainer, Coach und Leiter schmücken konnte.

Robin Kähler, Leitender Akademischer Direktor am Sportzentrum der Universität Kiel, findet heute noch allein 20 sportbezogene Berufs- und Tätigkeitsbezeichnungen, die über die Qualifikation nur wenig Auskunft geben: „Vom Rehabilitationstrainer und Gesundheitsberater bis zum Lehrer für Fitness, Gesundheit und Sportrehabilitation. Die Vielfalt ist selbst für Fachleute nicht immer durchschaubar.“

Interessanter Arbeitsmarkt

Nach dem Boom der 90er Jahre folgte zu Beginn dieses Jahrtausends der wirtschaftliche Einbruch. In 2004 aber registrierte der Deutsche Sportstudio Verband (DSSV) eine Konsolidierung und spricht nun von einer Trendwende. Laut der kürzlich vorgelegten DSSV-Eckdaten-Studie 2005 stieg der Netto-Umsatz der 5 600 Anlagen auf 2,35 Milliarden Euro - 12 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Die Studios zählten mit 4,6 Millionen Mitgliedern sechs Prozent mehr als noch in 2003. Die positive Entwicklung schlug sich im Personalbereich vor allem bei den Freiberuflern nieder, deren Zahl um rund 4 500 auf über 29 000 stieg. Mehr Festangestelle beschäftigten zwar die Frauenstudios. Insgesamt aber registrierte der DSSV hier mit 16 100 Festangestellten einen leichten Personalrückgang. Eindeutig setzte sich der Trend zur Professionalisierung fort. Das gilt für den Fitnesstrainer ebenso wie für den Aerobiclehrer, den medizinischen Bereich ebenso wie für den kaufmännischen. Das Fazit des DSSV: Immer mehr Anlagen beschäftigen professionelles Personal, denn nur, wer seine Mitglieder professionell betreut, hat heute noch Erfolg.

Breite Zielgruppe

Ganz entscheidend für den Unternehmenserfolg sind professionelles Management und eine betriebswirtschaftliche Qualifikation, heißt es beim DSSV. Genau diesen Aufgabenbereich umfasst die Weiterbildung zum Fitnessfachwirt. Sie ist auch die entsprechende Weiterbildung für die dreijährig ausgebildeten Fitnesskaufleute. Diese 2001 ins Leben gerufene Ausbildung zum Fitnesskaufmann/kauffrau war ein weiterer Meilenstein auf dem Weg einer sich entwickelnden Branche. Ende 2004 befanden sich knapp 2 800 junge Leute in dieser Ausbildung.

Zur Zielgruppe für die Weiterbildung zum Fitnessfachwirt gehören außerdem Kaufleute und Berufstätige aus der Sport- und Gesundheitsbranche mit Joberfahrung im Fitnessbereich. Etwa die Bankkauffrau, die jahrelang am Tresen des Fitnesscenters gejobbt hat, oder die Physiotherapeutin, die für das Marketing eines Sportstudios zuständig war.

Interesse bei Sport-Profis

Im Einzelfall sollen aber auch Interessierte ohne Berufsausbildung hier eine Chance bekommen. Gedacht ist vor allem an Leistungssportler, die vielleicht zu alt für eine Berufsausbildung sind und bereits jahrelange Branchenerfahrung und detaillierte Kenntnisse mitbringen. Wie etwa der ehemalige Box-Weltmeister Torsten May, der nach dem Ende seiner aktiven Sportkarriere in 2001 unter anderem ein Box-Camp für Manager und Profis aufzog. Vor allem, um im kaufmännischen Bereich gut gerüstet zu sein, lernte der heute 35-Jährige im Fernstudium nach Feierabend für den Fitnessfachwirt. Für diese „beeindruckende Leistung“ wurde er kürzlich vom Fachverband für Fernlernen und Fernlernmedien zum Fernlerner des Jahres 2005 ausgezeichnet.

Eindeutig profitiert hat auch der 29 Jahre alte, frühere Motorrad-Rennfahrer Mike Baldinger. 1999 war er Deutscher und Europa-Meister in der 250er Klasse. Doch ein schwerer Unfall bei einem Rennen in Japan setzte seiner Karriere ein jähes Ende. Noch während seiner Reha-Zeit begann er - zusammen mit seinem Verwandten, dem Ex-Rad-Profi Dirk Baldinger - die Fortbildung zum Fitnessfachwirt. Im Oktober 2004 eröffneten die Großcousins ihren Fitnesspark Ihringen am Rande des Hochschwarzwald. Heute zählen sie immerhin schon etwa 600 Mitglieder.

Vielfältiges Aufgabenspektrum

Vor allem die Kenntnisse in Marketing und Buchhaltung haben den Ex-Profis bei ihrem Projekt geholfen. Doch auf dem Lehrplan stehen neben kaufmännisch-organisatorischen auch praktisch-anleitende Tätigkeiten. Dazu gehören etwa die Gerätebedienung und die Leitung von Gruppenkursen. Laut dem „Berufenet“ der Bundesagentur für Arbeit arbeiten erfolgreiche Absolventen vor allem in Fitness- und Sportstudios, Ferienclubs und Reha-Einrichtungen. Die Zahl der Abschlüsse liegt seit dem Jahr 2000 bei insgesamt rund 400.

Kursdauer und Kosten variieren

Die meisten Interessenten bereiten sich in einem Vorbereitungskurs auf die Prüfung vor. Auf Anfrage der Stiftung Warentest gaben 14 Bildungseinrichtungen an, zur Zeit einen solchen Vorbereitungskurs anzubieten. Elf davon sind private Anbieter, nur die IHK-Zentrum für Weiterbildung und die IHK BZ Südlicher Oberrhein führen Kurse selbst durch. Die IHK Offenburg kooperiert dafür mit der Internationalen Fitness- und Aerobic Akademie (IFAA). In aller Regel laufen die Kurse berufsbegleitend (s. Tabelle). Drei Anbieter – BSA, IST und die Deutsche Fitnesslehrervereinigung (DFLV) – bieten Fernlehrgänge an. Während für IST und DFLV die IHK Koblenz zuständig ist, können BSA-Absolventen die Prüfung bei der für ihren Wohnort zuständigen IHK ablegen.

Je nach Anbieter und Unterrichtsform dauern die Kurse zwischen etwa einem Jahr und zwei Jahren. Die zusätzliche Zeit für die Prüfungsvorbereitung kann mehrere Tage, bei der IHK Oberrhein sind es elf, in Anspruch nehmen. Ganz billig ist diese Fortbildung nicht. Die Preise rangieren zwischen 2 850 und 5 980 Euro. Prüfungskosten kommen in der Regel noch hinzu. Fast alle Institute bieten die Möglichkeit der Ratenzahlung (s. Tabelle).

Viele Interessierte wissen nicht, dass man auch für diese branchenbezogene Aufstiegsfortbildung, eine von möglichen 18 Fachwirten bei den IHKs, das so genannte Meister-Bafög beantragen kann. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass man eine abgeschlossene Berufsausbildung mitbringt (s. www.meister-bafoeg.info).

Praktikum nicht überall Pflicht

Neben den theoretischen Kenntnissen, darunter Volks- und Betriebswirtschaft und Personalführung, spielen auch die praktischen Fähigkeiten eine große Rolle. So gehören Trainingswissenschaft und Gerätehandling überall zu den Lerninhalten, manche Einrichtungen vermitteln außerdem trainingsphysiologische Grundlagen und Regenerationsmöglichkeiten nach körperlicher Belastung. Laut „Berufenet“ müssen die Teilnehmer in den Fächern Gymnastik/Aerobic und Gerätehandling eine Lehrprobe abhalten (s. Prüfungskasten). Doch aufgepasst: Ein Praktikum während der Fortbildung ist nicht einmal bei der Hälfte der Anbieter Pflicht.

Koppelung mit Sportfachwirt?

Geht es nach den Plänen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) rücken die Praxisteile künftig ohnehin in den Hintergrund oder entfallen ganz. Denn in der Diskussion ist eine Zusammenlegung der bisher getrennten Fortbildungsabschlüsse Sportfachwirt und Fitnessfachwirt. Der Sportfachwirt arbeitet eher im Bereich der rund 100 000 Institutionen und Unternehmen, die sich in der Regel mit vereinsgestütztem Freizeitsport beschäftigen. In einer gemeinsamen Fortbildung würde der Sportfachwirt weniger vereinsorientiert sein, der Fitnessfachwirt die praktischen Aerobic- und Fitness-Anteile verlieren.

Gordon Schenk, beim DIHK für kaufmännische Weiterbildung verantwortlich, erklärt: „Künftig würden wir lieber in einer gemeinsamen Ausbildung Sport- und Fitnessfachirt/in stärker auf Führungsaufgaben vorbereiten.“ Der praktische Prüfungsteil könnte dann wegfallen. „Wir gehen davon aus, dass jemand nach jahrelanger Tätigkeit in einem Studio die Praxis mitbringt. Schließlich prüfen wir ja auch beim Versicherungsfachwirt nicht ab, ob er Versicherungen tatsächlich an der Haustür verkaufen kann.“ Auch der Bestattungsfachwirt müsse seine praktischen Kenntnisse nicht unter Beweis stellen und eine Grube ausheben. Der DIHK - die Dachorganisation der 81 IHKs - sähe bei dieser kaufmännischen Fortbildung den Bewerberkreis noch stärker ausgerichtet auf Personen mit kaufmännischer Ausbildung, vor allem die dreijährig ausgebildeten Sport- und Fitnesskaufleute.

Kritik an Änderungsplänen

Doch bisher scheitern die Pläne an dem Widerstand von Anbietern und Sportwissenschaftlern. Sie fürchten um die Praxiskompetenz künftiger Fitnessfachwirte und weisen darauf hin, dass die Branche weniger Führungskräfte als vielmehr den Allrounder braucht. Personen also, die sowohl Werbeaktionen planen, als auch ein Indoor-Bike einstellen oder ein Gruppentraining abhalten können. Außerdem plädieren sie dafür, den Bewerberkreis zu vergrößern und mehr Sportler oder Vertreter von Gesundheitsberufen ohne Berufserfahrung im Fitnesscenter zuzulassen.

Wie auch immer die Details der künftigen Weiterbildung aussehen, unumstritten ist jedenfalls ein Aspekt: Ohne kaufmännische Kenntnisse geht künftig gar nichts mehr. Und die DSSV-Studie belegt: Anlagen mit mindestens einem Angestellten oder Studioleiter mit kaufmännischer Qualifikation sind erfolgreicher.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1835 Nutzer finden das hilfreich.