Fondssparpläne Meldung

Das freut den Vermittler: ­Gezillmerte Fondssparpläne bringen hohe Provisionen, ­ähnlich wie Versicherungen.

Gezillmerte Fondssparpläne, bei denen alle Abschlusskosten zu Beginn der Laufzeit anfallen, ­lohnen sich für Anleger nicht. Finanztest zeigt, warum.

Der Verkäufer hat leichtes Spiel: „Wenn Sie die Kosten für Ihren DWS-Aktienfondssparplan am Anfang zahlen, sparen Sie 252,34 Euro“, sagt er seinem Kunden. Am Anfang, das heißt verteilt auf die ersten 24 Monate. Das ist seine Alternative zum klassischen Sparplan, bei dem Anleger über die ganze Laufzeit auf jede Rate einen Ausgabeaufschlag zahlen.

Der Verkäufer rechnet vor: „100 Euro Monatsrate bei einer Laufzeit von 15 Jahren und einem Ausgabeaufschlag von 5 Prozent – das macht insgesamt 857,14 Euro. Zahlen Sie dagegen eine Abschlussgebühr, sie beträgt bei dieser Laufzeit 3,36 Prozent, sind es nur 604,80 Euro.“

Jeder würde einschlagen. 252,34 Euro, das ist eine Ersparnis von 30 Prozent, oder nicht?

Milchmädchenrechnung

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Leider geht die Rechnung so nicht auf. In Wirklichkeit sind die Kosten für den DWS Zukunftsplan System, wie der Fondssparplan mit der Abschlussgebühr heißt, höher als für den herkömmlichen Sparplan.

Finanztest hat ausgerechnet, was am Ende herauskommt. Für unsere Beispielrechnung nehmen wir eine Aktienfondsrendite von gleichmäßig 8 Prozent pro Jahr an. Nach Ablauf von 15 Jahren werden aus 100 Euro monatlich, die in den Zukunftsplan fließen, 32 194 Euro.

Fließen die Raten dagegen in einen herkömmlichen Sparplan, stehen am Ende 32 360 Euro zu Buche. Das sind 166 Euro oder ein halbes Prozent mehr.

Bei einer durchschnittlichen Aktienfondsrendite von 10 Prozent pro Jahr ist der Unterschied noch größer: Dann bringt der herkömmliche Sparplan mit Ausgabeaufschlag 397 Euro oder 1 Prozent mehr.

Die Ablaufleistung des herkömmlichen Sparplans ist höher, weil die Kosten über die Laufzeit verteilt werden und so von Anfang an höhere Beträge verzinst werden. Das erklärt auch, warum der Vorteil größer wird, je höher die Rendite ist.

Beim Zukunftsplan kommen in den ersten beiden Jahren monatlich nur 74,80 Euro im Fonds an. Der Rest, 25,20 Euro, sind die auf 24 Monate verteilten Abschlussgebühren von 604,80 Euro.

Wie hoch die Gebühren sind, hängt von der Laufzeit ab, die bei Vertragsabschluss festgelegt wird. Für einen fünf Jahre laufenden Aktienfondssparplan berechnet die DWS 4,38 Prozent auf die geplante Anlagesumme, für 20 Jahre sind es 2,98 und für 30 Jahre 2,38 Prozent.

Zahlreiche Anbieter

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Kostenvergleich von gezillmerten Sparplänen mit herkömmlichen. Beim dit-Aufbauplan bezahlt der Sparer alle Abschlusskosten für die Laufzeit von 15 Jahren im ersten Jahr. Das sind 50 Prozent seiner Einzahlungen. Die DWS zieht für ihren Zukunftsplan in den ersten zwei Jahren je 25,2 Prozent ab. Alle späteren Raten bleiben ungekürzt, sodass der Kostenanteil an der Summe der Einzahlungen sinkt. Trotzdem sind selbst am Ende der Laufzeit die Kosten der gezillmerten Sparpläne noch höher als die eines ­herkömmlichen Sparplans, bei dem von jeder Rate 5 Prozent abgehen. Ein ­herkömmlicher Sparplan bringt deshalb 0,5 bis 1 Prozent mehr Ablaufleistung.

Kostenvergleich von gezillmerten Sparplänen mit herkömmlichen. Beim dit-Aufbauplan bezahlt der Sparer alle Abschlusskosten für die Laufzeit von 15 Jahren im ersten Jahr. Das sind 50 Prozent seiner Einzahlungen. Die DWS zieht für ihren Zukunftsplan in den ersten zwei Jahren je 25,2 Prozent ab. Alle späteren Raten bleiben ungekürzt, sodass der Kostenanteil an der Summe der Einzahlungen sinkt. Trotzdem sind selbst am Ende der Laufzeit die Kosten der gezillmerten Sparpläne noch höher als die eines ­herkömmlichen Sparplans, bei dem von jeder Rate 5 Prozent abgehen. Ein ­herkömmlicher Sparplan bringt deshalb 0,5 bis 1 Prozent mehr Ablaufleistung.

Nicht nur die Deutsche-Bank-Tochter DWS bietet Fondssparpläne mit Abschlusskosten an, auch andere Fondsgesellschaften wie der zur Allianz gehörende dit sind dabei. Die DAB-Bank-Tochter Fondsservicebank und die Frank­furter Fondsbank vertreiben ebenfalls Varianten dieser gezillmerten Sparpläne. Sie sind nach dem Mathematiker August Zillmer benannt, der das Prinzip der anfänglichen Kostenbelastung für Lebensversicherungen entwickelt hat.

Laufzeit und Rate stehen bei diesen Sparplänen von Anfang an fest. Mancher Anbieter erlaubt es, die Rate zu reduzieren oder auszusetzen, erhöhen geht in der ­Regel nicht, es sei denn, der Anleger vereinbart eine Dynamisierung der Rate. Zuzahlungen sind vereinzelt möglich, Entnahmen gehen immer.

Die DWS hat schon Verträge über zwei Milliarden Euro geschlossen. Stark verkauft wird nach Angaben des Verbraucherzentrale Bundesverbandes auch der dit-Aufbauplan: Der Anleger kann Laufzeiten zwischen 5 und 25 Jahren wählen. Die Abschlussgebühr hängt vom regulären Ausgabeaufschlag und der Laufzeit ab. Wenn ein Sparplan 10 Jahre läuft, werden vom normalen Ausgabeaufschlag 20 Prozent abgezogen, bei 15 Jahren 30 Prozent. Anders als bei der DWS werden die Abschlusskosten im ersten Jahr fällig und nicht auf zwei Jahre verteilt. Daher schneiden dit-Sparpläne bei kürzeren Laufzeiten im Vergleich schlechter ab. Ein dit-Aufbauplan mit 100 Euro, abgeschlossen auf 15 Jahre, bringt 32 140 Euro, 54 Euro weniger als der DWS-Zukunftsplan. Bei längeren Laufzeiten ergibt sich allerdings ein Vorteil. Nach 25 Jahren bringt der DWS-Plan 86 402 Euro, der dit-Plan jedoch 86 761 Euro. Ein herkömmlicher Sparplan steht am Ende bei 87 128 Euro.

Laufzeit schwer durchzuhalten

Die Berechnungen gehen alle vom bestmöglichen Fall aus, nämlich davon, dass der Anleger den Sparplan durchhält. Sobald er das nicht tut, schneiden die gezillmerten Sparpläne noch schlechter ab. Steigt ein Kunde aus einem 25-Jahres-Sparplan nach zehn Jahren aus, belaufen sich seine Kosten auf 8,2 Prozent (dit) und 8,8 Prozent (DWS) der Einzahlungen.

Die Erfahrung lehrt, dass es schwer ist durchzuhalten. Ungefähr die Hälfte der Kapitallebensversicherungen werden vorzeitig gekündigt. Daher vermutet Stefan Suska vom Finanzvertrieb AWD bereits, dass unser Urteil nicht positiv ausfällt: „Aufgrund der Ausrichtung des Magazins Finanztest sind Sie logischerweise gezwungen, Angebote auf Kundenfreundlichkeit zu prüfen. Das ist Ihr gutes Recht. Deshalb unterstelle ich einfach bei Ihnen eine gewisse Skepsis hinsichtlich gezillmerter Produkte“, schreibt er uns.

Er verweist darauf, dass sie vor allem bei längeren Laufzeiten einen Vorteil böten. Unsere Berechnungen zeigen jedoch, dass es von der Rendite abhängt, wie ein Sparplan mit Abschlusskosten im Vergleich mit einem herkömmlichen Sparplan abschneidet. Nur bei niedrigen Renditen ist die gezillmerte Variante besser.

Aus Sicht der Fondsgesellschaften ist die Einführung der gezillmerten Sparpläne verständlich. So können sie mit kapitalbildenden Versicherungen konkurrieren, dem bisher unangefochtenen Lieblingsprodukt der freien Vermittler. Diese verkaufen verständlicherweise lieber Produkte, bei denen sie die Provision sofort kassieren und nicht davon abhängig sind, ob der Sparer durchhält.

„Nur so können wir viele Vermittler dazu bringen, Fondssparpläne zu verkaufen“, rechtfertigt DWS-Sprecher Baki Irmak denn auch das Angebot. „Besser, ein Kunde bekommt einen Fondssparplan als die dritte oder vierte Lebensversicherung“, sagt Irmak.

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