Fonds­sparen Special

Wer in einen Fonds­sparplan einzahlt, hat Aussicht auf hohe Renditen. Doch nicht jeder sollte sich darauf einlassen. Die Finanztest-Experten erklären, wie diese Form der Geld­anlage funk­tioniert und für wen sie empfehlens­wert ist.

Acht bis neun Prozent Wert­zuwachs waren in der Vergangenheit drin

Am 30. Oktober ist Welt­spars­partag, das Fest für Spar­schwein und Spar­buch. Doch was gibt es zu feiern? Die Gutha­benzinsen wohl eher nicht. Klassisches Sparen ist ein Auslaufmodell. Lohnen kann sich eine andere Form: das Fonds­sparen. Damit kann sich jeder mit geringen Summen an Aktiengesell­schaften beteiligen. Wenn es, wie in der Vergangenheit, gut läuft, ist bei langer Spardauer ein durch­schnitt­licher Wert­zuwachs von 8 bis 9 Prozent pro Jahr möglich. Zum Vergleich: Wer jetzt einen Bank­sparplan für zehn Jahre abschließt, bekommt im güns­tigsten Fall knapp über 2 Prozent pro Jahr.

Von der Entwick­lung der Welt­märkte profitieren

Ein Fonds­sparplan kann zum Beispiel den Welt­aktien­index MSCI World nach­bilden. Jede Sparrate verteilt sich dann auf mehr als 1 600 globale Konzerne. Zurzeit fließen von 100 Euro rund 2 Euro in die Apple-Aktie, etwa 1 Euro in den Ölmulti Exxon, knapp 80 Cent in den welt­größten Lebens­mittel­konzern Nestle, zwischen jeweils 20 und 35 Cent in BASF und SAP.

Einfach einsteigen, flexibel bleiben

Einen solchen Sparplan abzu­schließen, ist einfach. Der Interes­sent eröffnet bei einer Bank ein Depot und wählt einen oder mehrere Fonds aus, in die er regel­mäßig einzahlen möchte. Ratenhöhe und Spar­intervall – meist monatlich oder vierteljähr­lich – legt er selbst fest. Bei einigen Banken können Sparer bereits mit Beträgen ab 25 Euro einsteigen, üblicher sind Monats­raten von 50 bis 100 Euro. Eine fest­gelegte Lauf­zeit haben Fonds­sparpläne nicht. Wenn das Geld gerade knapp ist, können Sparer sie auf Eis legen und später wieder einzahlen. Die bereits gekauften Fonds­anteile bleiben im Depot und können jeder­zeit zu Geld gemacht werden. Von so viel Flexibilität können Anleger, die einen lang laufenden Vertrag abge­schlossen haben, nur träumen.

Verluste sind möglich

Fonds­sparpläne sind allerdings nicht für jeden empfehlens­wert. Wer nicht mindestens zehn Jahre einzahlen kann und den Einsatz irgend­wann zum Lebens­unterhalt braucht, sollte sich nicht darauf einlassen. Anders als beim Spar­buch kann man beim Fonds­sparen Verluste erleiden. Sehr wahr­scheinlich ist das bei 10 bis 20 Jahren und länger zwar nicht, aber in extrem schlechten Börsen­phasen schon vorgekommen.

Erst nach Trendumkehr verkaufen

Ausgesprochene Pechvögel konnten mit Fonds­sparplänen, in die sie zehn Jahre einge­zahlt haben, sogar ziemlich viel verlieren (siehe Grafik unten). Statt in einer solchen Situation zu verkaufen, ist es besser, abzu­warten und erst nach einer Trendumkehr an der Börse auszusteigen. Auf jeden Fall müssen sich Interes­senten darauf einstellen, dass der Wert ihrer Fonds­anteile nicht nur steigt. Die Schwankungen der Aktien­kurse schlagen auf die Fonds­sparpläne durch. Rutschen sie zwischen­zeitlich ins Minus, ist das nicht schlimm. Das gilt aber nur, wenn Sparer das Geld entbehren können und beim Ausstieg zeitlich flexibel sind. Wer seine Fonds­anteile zu einem festen Zeit­punkt verkaufen muss, weil er den Erlös einge­plant hat, macht womöglich seinen Spar­erfolg zunichte – zum Beispiel, wenn er unmittel­bar nach einem Börsencrash aussteigt. Nach einer Warte­zeit von ein paar Monaten haben sich die Kurse in den letzten Jahren schon mehr­fach wieder deutlich erholt.

Gute Chancen

Regel­mäßiges Sparen in den globalen Aktienmarkt ist chancenreich. Im besten Fall wurden in 20 Jahren aus Einzahlungen von 24 000 Euro fast 127 000 Euro. Bei einer Spardauer von zehn Jahren gab es wenige Zeiträume mit hohen Verlusten. Das schlechteste Ergebnis lag zwischen 1999 und 2009.

Fonds­sparen Special

Am besten Indexfonds wählen

Anders als beim einmaligen Kauf von Fonds­anteilen müssen Anleger beim Sparplan keinen Gedanken an den Einstiegs­zeit­punkt verschwenden. Es ist egal, wann sie loslegen. Falls die Fonds­kurse anfangs fallen statt steigen, können sie sich sogar ein wenig freuen. Der Grund: Sie bekommen die neuen Anteile güns­tiger. Sie setzen nicht auf kurz­zeitige Erfolge, sondern auf lang­fristig steigende Aktienmärkte. In der Vergangenheit hat das fast immer geklappt, und es dürfte auch für die Zukunft ein vernünftiges Konzept sein. Für lang­fristige Sparpläne eignen sich allerdings nur Fonds, die sehr breit anlegen, also in viele verschiedene Länder und Branchen investieren. Aktienfonds Welt und Aktienfonds Europa erfüllen die Voraus­setzungen.

Finanztest empfiehlt Sparpläne auf den Welt­aktien­index MSCI World

Es gibt zwei Arten von Fonds: aktiv gemanagte und Indexfonds, sogenannte ETF (für Exchange Traded Funds). Bei gemanagten Fonds wählen Experten der Fonds­gesell­schaften die Aktien aus, die sie für besonders aussichts­reich halten. Die Manager kosten Geld und erwirt­schaften auf lange Sicht selten mehr Rendite als Indexfonds. Diese beschränken sich auf die sture Nach­bildung von Markt­entwick­lungen und folgen dem Auf und Ab eines Index. Wir empfehlen Sparpläne auf den Welt­aktien­index MSCI World oder auf die europäischen Indizes MSCI Europe oder Stoxx Europe 600. Sie bieten eine bessere Risiko­streuung als zum Beispiel der Dax. Indexfonds sind nicht nur berechen­barer als aktiv gemanagte Fonds, sondern auch deutlich billiger. Die jähr­lichen Kosten von MSCI-World-Fonds liegen zwischen 0,2 und 0,5 Prozent, global anlegende Aktienfonds mit aktivem Management kosten meist 1 bis 2 Prozent pro Jahr.

Filial­banken winken meist ab

Viele Anleger können bei ihrer Haus­bank keinen ETF-Sparplan abschließen. Die meisten Filial­banken bieten diese güns­tige Lösung nicht an. Statt dessen empfehlen sie ihren Kunden gern haus­eigene gemanagte Fonds. Auch darunter finden sich empfehlens­werte oder zumindest akzeptable Produkte, aber an den höheren Gebühren führt kein Weg vorbei.

Tipp: Gute Fonds für Sparpläne finden Sie im Produktfinder Fonds. Wählen Sie hier ganz einfach breit streuende Investmentfonds aus. Sie können in der Daten­bank leicht erkennen, ob sie sparplan­fähig sind oder nicht. Auch Fond­sparpläne testet die Stiftung Warentest regel­mäßig:

Günstig bei Direkt­banken kaufen

Sparer sollten deshalb den Abschluss bei einer Direkt­bank oder einem Fonds­vermittler im Internet erwägen. Es lohnt sich, eigens dafür ein zusätzliches Depot zu eröffnen, das viele Direkt­banken sogar kostenlos führen. Weiterer Vorteil: Im güns­tigsten Fall werden auch für den Kauf der Fonds­anteile keine Aufschläge fällig. Bei Comdirect, Consors­bank, DAB Bank, Deutsche Bank Maxblue, Onvista Bank und S Broker gibt es mindestens einen der oben genannten Sparpläne ohne Kauf­kosten. Normaler­weise zahlen Sparer beim Kauf zwischen 1,5 und 2,5 Prozent der Raten. Filial­banken kassieren für Sparpläne auf gemanagte Fonds oft sogar 5 Prozent.

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