Fondsschließung Meldung

Auch Fondsgesellschaften gehen mit der Konjunktur. In guten Zeiten legen sie mehr Fonds auf, in schlechten werden mehr geschlossen.

Wird ein Fonds geschlossen, sollten Anleger möglichst bald eine Alternative suchen.

Für Anleger ist es verdrießlich, für die Branche eine Art Reinigungsprozess. Die Rede ist von Fondsschließungen, deren Zahl 2003 Rekordhöhe erreichte. In ­dem Jahr sind nach Angaben des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI) 347 Fonds aufgelöst worden – nach 196 im Jahr 2002.

Und es sind noch mehr: In der Aufstellung sind die Fondsschließungen ausländischer Investmentgesellschaften, die nicht im BVI organisiert sind, nämlich nicht enthalten. Nimmt man sie hinzu, verdoppelt sich die Zahl nahezu: Das Private Institut für Fondsanalyse (ifa) aus Kelkheim hat 2003 insgesamt 624 Fondsauflösungen gezählt, die meisten davon, nämlich 388, Aktienfonds.

BVI und ifa zählen Fondsfusionen mit. Das ist richtig: Bei einer Fusion werden die Anteile eines oder mehrerer Fonds auf einen anderen übertragen und somit die übertragenen Fonds de facto aufgelöst.

Für Anleger sind Fondsschließungen nicht selten ein doppeltes Ärgernis. Sie müssen sich einen neuen Fonds suchen. Das ist oft mühsam. War die Anlage zudem erfolglos, was häufig der Grund für die Schließungen ist, haben sie keine Chance, die aufgelaufenen Verluste wieder auszugleichen – jedenfalls nicht mit dem alten Fonds.

Das Schlimmste ist überstanden

Fondsschließung Meldung

Am stärksten von Schließungen betroffen sind Aktienfonds. Hier gibt es aber auch die meisten Neuauflagen – darunter auch die oft kurzlebigen Branchenfonds.

Wie es scheint, hat die Branche ihre Karteileichen aussortiert. In diesem Jahr ging die Zahl der Auflösungen deutlich zurück. Nach Recherchen des ifa wurden bis Ende Mai 2004 genau 88 Fonds vom Markt genommen. Im Jahr zuvor waren zu diesem Zeitpunkt bereits 210 Fonds geschlossen worden.

„Das Konsolidierungsprogramm ist mehr oder weniger gelaufen“, sagt Claus Gruber von der Fondsgesellschaft DWS. Von 642 Fonds, die die DWS Anfang 2002 europaweit im Bestand hatte, sind noch 514 übrig. Rund zwei Dutzend Fonds hat die DWS infolge der Übernahme von Zürich Invest und Franken Invest aufgelöst.

„Funkstille“, meldet auch Heinrich Durstewitz vom dit. Der dit hat nach dem Zusammenschluss von Dresdner Bank und Allianz im Jahr 2001 die Fonds der Allianz Asset Management übernommen und dabei über 100 Fonds zusammengelegt oder aufgelöst.

Bei den Fondsgesellschaften Activest, Com­invest, Deka und Union Investment sind Fondsschließungen ebenfalls kein großes Thema mehr. Die Zahl der aufgelösten Fonds lässt sich problemlos an zehn Fingern abzählen.

Die Gründe für die Schließungen

Als Hauptgrund für die Schließungen gibt das ifa die Größe der Fonds an. „Zu kleine Fonds lohnen sich weder für die Gesellschaft noch den Anleger“, sagt ifa-Vorstand Kerstin Beul. Fixkosten wie der Druck des Fondsprospekts schlagen überproportional zu Buche – und auf die Rendite. Zirka 80 der 624 im Jahr 2003 aufgelösten Fonds verfügten zum Schluss über weniger als 1 Million Euro, hat das ifa recherchiert. „Das ist weit unter der Wirtschaftlichkeitsgrenze.“

Wann ein Fonds rentabel arbeiten kann, ist umstritten. Das ifa setzt das Mindestvolumen bei 10 bis 15 Millionen Euro an. Andere Schätzungen gehen von 25 bis 50 Millionen Euro aus. Ein Sprecher der Deka sagt dagegen: „Eine kritische Größe kann man pauschal kaum benennen.“ Beispielsweise kann ein kleiner Fonds kostengünstig vom Manager eines anderen Fonds mit verwaltet werden. Manchmal halten die Gesellschaften auch bewusst an kleineren Fonds fest, weil sie eine bestimmte Sparte abdecken wollen. Der Rohstofffonds von Union Investment ist so ein Beispiel. „Wenn wir schon Branchenfonds anbieten, dann gehört der dazu“, sagt Sprecher Rolf Drees.

Kein Erfolg, kein Bestand

Gerade Branchenfonds waren von den Schließungen des vergangenen Jahres besonders betroffen. Oft handelt es sich bei solchen Fonds um kurzlebige Trends. „Verschwindet ein Kapitalmarktsegment, dann ist es sinnvoll, entsprechende Fonds zu verschmelzen oder ganz aufzulösen“, sagt Drees.

Und das geht mitunter recht schnell: Über die Hälfte der aufgelösten Fonds ist nach Angaben des ifa nicht älter als fünf Jahre. Darin zeigt sich die Marktbereinigung nach der New-Economy-Euphorie der Jahre 1999 und 2000, in denen die Fondsgesellschaften laufend neue Produkte auf den Markt brachten.

Anleger erfahren es zuletzt

Fondsschließungen müssen rechtzeitig angekündigt werden. Für Fonds, die vor dem 1. Januar 2004 aufgelegt wurden, gilt eine Frist von 3 Monaten, für neue Fonds sind es 13 Monate. Die Gesellschaften müssen die Kündigung im elektronischen Bundesanzeiger sowie im Halbjahres- oder Jahresbericht veröffentlichen.

Anleger, die ihre Fondsanteile bei der Fondsgesellschaft verwahren, bekommen von ihr Bescheid. Oft schlägt die Gesellschaft ihnen einen Ersatzfonds vor, in den sie kostenlos wechseln können (siehe „Tipps“). Fondskäufer, die ihr Depot bei der Hausbank eingerichtet oder ihre Fondsanteile über eine Direktbank oder einen Fondsvermittler gekauft haben, werden nicht von der Fondsgesellschaft, sondern vom depotführenden Institut benachrichtigt.

Bei den Direktbanken und Discountbrokern hat das in der Vergangenheit nicht immer reibungslos funktioniert. Es kam vor, dass Nachrichten nur online zur Verfügung gestellt wurden. Comdirect, Cortal Consors und die DAB-Bank geben aber an, dass sie ihre Kunden per Brief über bevorstehende Schließungen informieren. Das machen auch die Fondsbanken wie ebase oder die Fonds Service Bank. Die ING-Diba spricht die Anleger telefonisch an.

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