Fünf Punkte ist die beste Note, die Finanztest für Fonds vergibt. Doch bevor es über­haupt zur Punkte­vergabe kommt, müssen die Fonds sich erst einmal für die Endrunde qualifizieren. Mindest­anforderungen wie uneinge­schränkte Handel­barkeit stehen monatlich auf dem Prüf­stand. Einmal im Jahr – jeweils zum Jahres­ende – muss jeder Fonds zur Alters- und Gewichts­kontrolle. Ein Batzen Arbeit für die Tester – angesichts von vielen Tausend Fonds. test.de wirft einen Blick hinter die Kulissen.

Fonds­rating der Stiftung Warentest Meldung

Aus Masse filtern die Finanztest-Experten Klasse

17 000 Fonds sind in Deutsch­land zugelassen – ein riesiges Angebot zwar, aber das meiste ist Masse, nicht Klasse. Die Mehr­zahl der Fonds scheitert bereits im Vorfeld der Punkte­vergabe an den Qualitäts­anforderungen der Finanztest-Experten. Die Über­prüfung der Mindest­kriterien ist ein aufwendiger Prozess und beschäftigt die Tester fast länger als die eigentliche Punkte­vergabe. Die Fonds, die nach der Filterung übrig bleiben, werden – je nachdem, ob es sich um Aktien-, Renten- oder Misch­fonds handelt, in verschiedene Gruppen sortiert und schließ­lich bewertet.

Tipp: Die Besten für jede Anlage-Strategie: Der Produktfinder Fonds mit den aktuellen Bewertungen zum Stichtag 31. Dezember 2014.

Zu jung für die Bewertung

Nicht in die Bewertung kommen Fonds, die zum Jahres­endstichtag noch nicht fünf Jahre alt sind. Sie befinden sich gewissermaßen in der Bewährungs­phase. Aus Sicht der Finanztester braucht es eine Weile, ehe sich die Qualität eines Fonds beziehungs­weise seines Managements bewerten lässt. Ein Jahr wäre zu kurz, weil der Fonds­manager einfach Glück gehabt haben kann. Stellt er seine Fähig­keiten über mehrere Jahre unter Beweis, kann das ein Hinweis darauf sein, dass er auch in Zukunft noch gute Arbeit leistet – eine Garantie gibt es dafür allerdings nicht. In fünf Jahren wechselt oft auch das Markt­geschehen, das heißt, der Manager kann zeigen, ob er sowohl in Aufwärts- als auch in Abwärts­phasen in der Lage ist, mit seiner Titel­auswahl den Markt­durch­schnitt zu schlagen. Bei der jüngsten Über­prüfung am 31. Dezember 2014 waren gut 5 800 Fonds noch nicht alt genug für eine Bewertung.

Tipp: Fonds, die im Laufe des Jahres 2015 fünf Jahre alt werden, werden für die Bewertung erst zum nächsten Jahres­endstichtag berück­sichtigt.

50 Millionen sind das Mindeste

Die Finanztester berück­sichtigen für die Punkte­vergabe auch keine Fonds, deren Vermögen unter 50 Millionen Euro liegt. Dafür gibt es mehrere Gründe: Kleinere Fonds sind gerade für größere Gesell­schaften oft wenig rentabel. Das erhöht die Gefahr, dass die Fonds mit anderen Fonds zusammengelegt oder gleich ganz geschlossen werden. Dann müssen Anleger sich nach einem neuen Fonds umschauen und erneut Kauf­kosten zahlen. Eine Zusammenlegung kostet zwar nichts, kann aber dennoch ärgerlich sein, weil der neue Fonds nicht unbe­dingt genauso gemanagt wird wie der alte und dann nicht mehr zur Strategie des Anlegers passt. Beispiels­weise können aus Blue-Chips-Fonds plötzlich Neben­werte-Fonds werden – oder umge­kehrt. Ein anderer Grund, der gegen einen Kauf von kleinen Fonds spricht, sind die Fixkosten. Sie schlagen unver­hält­nismäßig stark zu Buche. Bei der jüngsten Über­prüfung am 31. Dezember 2014 waren knapp 5 000 Fonds zu klein oder haben keine Angaben zum Fonds­volumen gemacht.

Tipp: Fonds kleiner Gesell­schaften oder so genannter Fonds­boutiquen sind häufig auch klein. Wenn sie sich jahre­lang am Markt gehalten haben und ihr Fonds­vermögen nicht allzuweit von 50 Millionen Euro entfernt ist, können Anleger sie als Investment trotzdem in Erwägung ziehen. In diesem Fall finden Sie eine Auskunft über die Qualität der Fonds unter „weitere Bewertungen“. Das Chance-Risiko-Verhältnis gibt einen Anhalts­punkt, wie gut das Management gewirt­schaftet hat.

Keine Steuer­daten – raus

Nicht die geringste Chance auf eine Bewertung haben Fonds, die steuerlich intrans­parent sind. Wenn Fonds­gesell­schaften die erforderlichen Steuer­daten nicht veröffent­lichen, erhebt der Fiskus für solche Fonds eine pauschale Steuer – eine oft sehr teure Angelegenheit und aus Sicht der Finanztester ein absolutes K.o.-Kriterium für Anleger. Abge­fragt wird die steuerliche Trans­parenz monatlich beim elektronischen Bundes­anzeiger. Zum Stichtag 31. Dezember 2014 waren knapp 2 400 Fonds steuerlich intrans­parent.

Übrigens: Anleger, die sich einen Über­blick über Steuer­daten ihres Fonds verschaffen wollen, etwa für ihre Steuererklärung, können diese Abfrage auch selbst starten: einfach die interna­tionale Wert­papierkenn­nummer (Isin) in die Suchmaske beim elektronischen Bundes­anzeiger eingeben.

Zu speziell darf es nicht sein

Als ob das nicht genug wäre, müssen die Fonds noch weitere Anforderungs­kriterien erfüllen, damit sie in die engere Auswahl für eine Bewertung kommen. Sie sollten in Deutsch­land handel­bar sein. Bei ETF, börsen­gehandelten Indexfonds, bedeutet das zum Beispiel: Sie müssen an einer deutschen Börse zu kaufen sein. Nicht bewertet werden zudem Fonds, die eine sehr spezielle Anla­gestrategie fahren, beispiels­weise ein welt­weit anlegender Fonds, der die USA ausschließt. Was auch nicht taugt, jedenfalls nicht aus Sicht deutscher Anleger, sind Fonds, die ihre Anla­geergeb­nisse in einer fremden Währung absichern, zum Beispiel in Dollar oder in Pfund. Wenn schon Absicherung, dann sollte sie für hiesige Anleger auf Euro lauten.

Infos zu allen in Deutsch­land erhältlichen Fonds

Im Produktfinder Fonds sind dennoch alle 17 000 Fonds enthalten, auch die aussortierten und nicht bewerteten. Anleger, die sich für einen Fonds interes­sieren – sei es, weil sie etwas darüber gelesen oder den Fonds von ihrem Berater angeboten bekommen haben – sollen in jedem Fall eine Auskunft bekommen. Geben sie die Wert­papierkenn­nummer (Isin oder WKN) ein, sehen sie entweder eine Bewertung oder Erläuterungen in Form von Fußnoten, die erklären, warum es keine Bewertung gibt.

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