Fonds­policen: Kunden können nicht immer die besten wählen

Fonds­policen - Kunden können nicht immer die besten wählen

Vertrag abschließen und sich nie wieder darum kümmern – dafür eignet sich eine fonds­gebundene Lebens- oder Renten­versicherung nicht. Bei einer solchen Fonds­police fließen Beiträge und Über­schüsse ganz oder teil­weise in Investmentfonds. Wie viel sie bringt, hängt stark davon ab, wie die Fonds abschneiden. Kunden nutzen dennoch oft ihr Recht nicht, die Fonds selbst auszusuchen und auch auszutauschen. Sie haben häufig schlechte Fonds in ihrer Versicherung.

Wir haben unsere Leser gefragt, welche Fonds sie wählen können, und 137 haben uns Vertrags­unterlagen geschickt, Fragen gestellt und von ihren Erfahrungen berichtet. So haben wir Informationen über 33 Versicherungs­gesell­schaften erhalten. Teils bieten sie mehrere Hundert Fonds an, teils wenige. Die Fonds­listen ändern sie immer wieder. Bei einem Versicherer können sich Auswahl und Wechsel­kosten je nach Tarif, Vertriebsweg und Abschluss­jahr unterscheiden.

Aktuelle Fonds­listen anfordern

„Habe ich generell ein Recht darauf, die Fonds­anlage selbst zu bestimmen, oder hängt das vom Vertrag ab?“, fragt Finanztest-Leser Ingo Geppert. Kunden sind darauf angewiesen, was der Versicherer anbietet. Sie können daher oft nicht die besten, sondern nur die best­möglichen Fonds auswählen.

Sie sollten sich von Zeit zu Zeit die aktuelle Fonds­liste schi­cken lassen – wie es Finanztest-Leser Edwin Schnitzler bei seinem Versicherer AachenMünchener getan hat: „Ich war über­rascht, dass aus den bei Vertrags­beginn ursprüng­lich zur Wahl stehenden fünf Fonds mitt­lerweile eine Liste mit 64 zur Wahl stehenden Fonds wurde.“ Viele Versicherer stellen die Liste auch auf ihre Internetseite.

Schnitzler kündigte an, er werde nun „die passenden Fonds“ auswählen. Das ist sinn­voll: Einmal im Jahr die Fonds in der Police prüfen und wechseln, wenn sie nichts taugen.

Claudia Brinker hat 2007 eine Riester-Fonds­police bei der Allianz abge­schlossen und dafür fünf Fonds ausgewählt, die ihr Bank­berater empfohlen hat. „Sie haben bisher wenig Entwick­lung gezeigt“, klagt sie. Höchste Zeit also für einen Fonds­wechsel.

Was das bringen kann, veranschaulicht dieses einfache Beispiel: Ein Sparer, der monatlich 200 Euro investiert, käme bei einer gleich­bleibenden jähr­lichen Rendite von 3 Prozent nach 20 Jahren auf ein Vermögen von 65 824 Euro. Läge die Rendite bei 4 Prozent, käme er auf 73 599 Euro.

Aktien­anteil vor Renten­beginn senken

Wie Policen­inhaber ihre Fonds optimieren, ist im Artikel Der richtige Weg zu den optimalen Fonds erläutert. Faust­regel: Je weniger Zeit bis zum Renten­beginn oder bis zur Kapital­auszahlung bleibt, desto geringer sollte der Anteil chancenreicher und damit riskanterer Aktienfonds sein, weil ein Einbruch der Börse nicht mehr „ausgesessen“ werden könnte. Entsprechend höher sollte der Anteil sicherer, aber weniger ertrags­starker Rentenfonds sein.

Je höher die Kapital­garantie, desto höher kann der Aktien­anteil sein. Denn der Versicherer legt bei einer hohen Garantie einen entsprechend hohen Anteil in verzinsten Anlagen wie Staats­anleihen an. Entsprechend weniger „freies Fonds­investment“ steht zur Verfügung. Nur für diesen Anteil können Versicherte die Fonds aussuchen.

Erste Wahl: ETF auf MSCI World

Wie erkennen die Kunden die best­möglichen Fonds? Dabei hilft die Fondsbewertung von Finanztest. Wir empfehlen für den Aktien­anteil Exchange Traded Funds (ETF), börsen­gehandelte Indexfonds, die einen globalen Aktien­index möglichst exakt nach­bilden. ETF brauchen keine Fonds­manager und sind daher preis­wert. Das hilft der Rendite. Am besten für Fonds­policen sind ETF auf den Welt­index MSCI World geeignet, die Finanztest mit „Erste Wahl“ bewertet hat.

Im MSCI World sind etwa 1 600 große und mittel­große Firmen aus zwei Dutzend Industrienationen gelistet. Das Risiko ist so besser gestreut als etwa beim bekannten deutschen Aktien­index Dax.

ETF fehlen in vielen Fonds­listen

Doch viele Versicherer bieten keinen solchen ETF an. 66 Leser haben uns Einblick in ihren Vertrag gewährt, nur zwei haben einen ETF der ersten Wahl in ihrer Police. 112 Leser haben uns die Fonds­liste für ihren Tarif zur Verfügung gestellt. Nur 24 Listen enthielten mindestens einen Erste-Wahl-Fonds, 88 keinen einzigen. Diese Leser haben kein optimales Fonds­angebot.

Der Kunde ist also keinesfalls König. Banken und Makler werben neue Kunden für die Versicherer. Dafür wollen sie Provision. Kostengüns­tige ETF tauchen auf vielen Fonds­listen nicht auf.

Einige Versicherungs­gesell­schaften unterscheiden sogar nach Vertriebsweg. Bei den uns zugeschickten Unterlagen stellten wir fest, dass beim Versicherer Zurich Fonds­listen für Verträge, die über die Deutsche Bank verkauft wurden, keine ETF auf den MSCI World enthalten. Ein Kunde, der über einen Vermittler abge­schlossen hatte, fand sie dagegen in seinem Fonds­angebot.

Kunden mit altem Vertrag außen vor

Die Allianz bietet zwar ETF an, aber nicht für Verträge, die schon lange laufen. Allianz-Kunden, die vor 2011 abge­schlossen haben, können nicht zu einem ETF wechseln. Gute Versicherer sollten ihre Fonds­liste auch für treue Kunden aktualisieren und ETF erster Wahl anbieten. Solche Fonds gehören auf jede Fond­spalette.

Gibt es keinen ETF auf den MSCI World in der Fonds­liste, suchen Kunden einen aktiv gemanagten, welt­weit anlegenden Aktienfonds aus. Dabei hilft wieder die Finanztest-Fonds­bewertung: Sie teilt solche Fonds in fünf Klassen von stark über­durch­schnitt­lich bis stark unter­durch­schnitt­lich ein, je nachdem, wie ihre Rendite­chancen im Verhältnis zum Risiko in den vergangenen fünf Jahren waren.

Für den Anteil, den Rentenfonds in der Police ausmachen sollen, sind ETF, die in Staats­anleihen der Eurozone oder Staats­anleihen und Unter­nehmens­anleihen in Euro investieren, die erste Wahl. Gibt es sie beim Versicherer nicht, weichen Kunden auf einen aktiv gemanagten Rentenfonds der gleichen Kategorie aus der Fonds­liste aus.

Mindestens einmal im Jahr sollten Sparer ihre Fonds ohne Gebühr austauschen können. Für Riester-Kunden der CosmosDirekt, die ihre Fonds­policen nach 2008 abge­schlossen haben, sind drei Fonds­wechsel im Jahr kostenlos. Jeder weitere Wechsel kostet dann 25 Euro.

Hat ein CosmosDirekt-Kunde den Vertrag vor 2008 abge­schlossen, muss er allerdings für jeden Wechsel 25 Euro zahlen. Das ist auf Dauer teuer. Dabei sollte ein Wechsel zu optimalen Fonds für alle Kunden einfach und kostenlos möglich sein.

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