Fondskauf an der Börse Meldung

Der Fondskauf an der Börse lohnt sich vor allem für Anleger, die sonst hohe Ausgabeaufschläge zahlen müssten.

Aktien kauft man an der Börse, aber Fonds? Bekannt ist der Weg über die Hausbank, die den gewünschten Fonds bei der Fondsgesellschaft bestellt. Dass sie Fonds auch über die Börse kaufen können, wissen viele Anleger nicht. Dabei ist das oft viel billiger.

Wer Fondsanteile über die Börse kauft, spart sich den Ausgabeaufschlag, den die Bank ansonsten verlangt. Der beträgt für Aktienfonds meist 5 Prozent der Anlagesumme, bei Rentenfonds 3 Prozent. Der Fondskauf über die Börse lohnt sich, wenn die Bank- und Börsenspesen niedriger sind als der Ausgabeaufschlag.

Für den Bestseller der DWS, den Vermögensbildungsfonds I, müssen Anleger bei vielen Banken 86,74 Euro zahlen und bekommen dafür einen Anteil im Wert von 82,61 Euro (Stand 1. Juli 2005). Das entspricht einem Ausgabeaufschlag von 5 Prozent.

Der beliebte Fidelity European Growth Fund kostet 5,25 Prozent, der Klassiker Templeton Growth sogar 6,1 Prozent.

Günstiger sind Direktbanken. Sie gewähren auf viele Ausgabeaufschläge teils hohe Rabatte. Manchmal sind es 100 Prozent, oft jedoch nicht mehr als 50 Prozent. Ein Aktienfonds etwa kostet dann statt 5 nur noch 2,5 Prozent Ausgabeaufschlag. Den Vermögensbildungsfonds I würden Anleger schon für 84,68 Euro bekommen.

Meistens 100 Prozent Rabatt geben Fondsshops. Das sind Vermittler, die Fonds übers Internet vertreiben.

Über die Bank an die Börse

Je höher der Ausgabeaufschlag, desto eher lohnt sich der Blick zur Börse. Fonds kann dort jeder kaufen, der über ein Bankdepot verfügt. Private Anleger können nicht direkt an die Börse gehen, nur über ihre Bank.

Wer Kunde einer Filialbank ist, sagt seinem Berater, dass er den Fonds nicht wie üblich mit Ausgabeaufschlag, sondern an der Börse kaufen möchte. Der Berater kümmert sich dann darum. Direktbankkunden klicken die gewünschte Kaufweise in der Ordermaske einfach an.

Dafür, dass die Banken den Fonds an der Börse besorgen, verlangen sie Kaufspesen. Sie betragen pro Order oft 1 Prozent des angelegten Betrags. Direktbanken sind meist billiger.

Auch der Börsenmakler kostet Geld. Zunächst verlangt er eine Courtage. Sie beträgt 0,08 Prozent der Anlagesumme. Hauptsächlich verdient er aber daran, dass er Fonds billig einkauft und teuer verkauft. Dieser Unterschied zwischen An- und Verkaufskurs heißt Spread. Er kann bis zu 2 Prozent der Anlagesumme ausmachen.

Ab 500 Euro kann es sich lohnen

Finanztest hat an zwei Beispielen – eins für Filialbanken, eins für Direktbanken – ausgerechnet, wann der Fondskauf über die Börse günstiger ist als bei der Fondsgesellschaft. In einem Fall sollen am Ende 2 500 Euro im Depot liegen, im anderen Fall 250 Euro. Ausgabeaufschlag und Kaufspesen fallen zusätzlich an (siehe Tabelle „Fondskauf: Kostenvergleich“).

Unsere Rechnung zeigt, dass sich beim höheren Betrag der Kauf über die Börse rechnet. Der Filialbankkunde zahlt rund drei Viertel weniger, der Direktbankkunde spart zwei Drittel. Bei niedrigen Beträgen schlagen dagegen die Mindestprovisionen überproportional zu Buche.

Wir haben es überschlagen: Ungefähr bei 500 Euro liegt die Grenze, ab der sich der Gang an die Börse lohnen kann.

Weil sich die Gebührenmodelle der Banken unterscheiden, haben wir für unsere Rechnung zwei beispielhaft ausgewählt: für die Filialbanken die Commerzbank, für die Direktbanken die DAB Bank.

Depotkosten haben wir nicht in unsere Rechnung einbezogen, weil deren Höhe davon abhängt, wie lange der Anleger den Fonds hält. Für die Gesamtkosten der Fondsanlage müssen sie aber berücksichtigt werden.

Zurückgeben kann der Anleger die Anteile, gleich wo er sie gekauft hat, über die Fondsgesellschaft. Auch damit muss er seine Bank beauftragen. Wenn er nicht über die Börse verkauft, spart er die Verkaufsspesen und die andere Hälfte des Spread.

Handel an den Regionalbörsen

Investmentfonds gibt es in Deutschland an der Regionalbörse Hamburg-Hannover (www.fondsboerse-deutschland.de), an der Börse Berlin-Bremen (www.berlinerboerse.de) und seit kurzem in Düsseldorf (www.boerse-duesseldorf.de). In Frankfurt gelistet sind die als „ETF“ bezeichneten börsengehandelten Indexfonds.

Nicht alle Banken sind glücklich mit diesem Weg der Fondsbeschaffung. Sie verdienen mehr am Ausgabeaufschlag als an den Kaufspesen. Immer wieder hören wir, dass Filialbanken ihren Kunden den Kauf über die Börse verweigern. Teilweise geben sie vor, das sei technisch nicht machbar. Von Direktbankkunden hören wir diese Beschwerden nicht.

Die Berliner Börse hat gemeinsam mit der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) einen Musterbrief entworfen, den Kunden an ihre Bank schreiben können, falls sie Probleme mit dem Fondskauf über die Börse haben (E-Mail: info@berlinerboerse.de, Telefon 0 180 1/88 77 77). „Es gibt Anzeichen, dass die Banken ihre ablehnende Haltung aufgeben“, sagt Thomas Ledermann von der Fondsbörse Deutschland. Der Versuch lohnt sich also.

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