Fonds­kauf Special

Fonds­kauf. Der sicherste Weg zu höherer Rendite heißt Kosten senken. Das gilt besonders für den Kauf von Investmentfonds. Alle Anleger haben die Möglich­keit, ihre Fonds billiger zu kaufen – wie viel billiger, das hängt von ihrer Flexibilität ab.

Fonds­kauf Special

Am meisten können Filial­bank­kunden sparen, denn sie haben normaler­weise die höchsten Kosten. Ordern sie in ihrer Bank- oder Sparkassenfiliale einen Aktienfonds, bezahlen sie meist 5 Prozent als Ausgabe­aufschlag. Um diesen Prozent­satz erhöht sich der Kauf­preis. Auf die Anlagesumme gerechnet, entspricht das einem Aufschlag von rund 4,8 Prozent.

Der Aufschlag könnte im besten Fall als Preis für eine ausführ­liche und kompetente Beratung durch­gehen. Sie wäre bei einer Anlagesumme von beispiels­weise 5 000 Euro mit rund 240 Euro allerdings üppig entlohnt. Außerdem bezahlen Bank­kunden den Aufschlag meist sogar dann, wenn sie nur kurz beraten wurden oder ihr Gegen­über ihnen etwas aufgeschwatzt hat.

Der Ausgabe­aufschlag fällt an, wenn der Bank­mit­arbeiter den Fonds direkt bei der Fonds­gesell­schaft bestellt, die ihn heraus­gibt. Fast immer kann der Angestellte den Fonds güns­tiger über eine Börse kaufen. Er muss nur die Kauf­order eingeben.

Statt 4,8 Prozent bezahlen Kunden für Bank- und Börsenspesen normaler­weise 1,5 bis 2 Prozent der Anlagesumme. Bei einem Betrag von 5 000 Euro haben sie nur etwa 75 bis 100 Euro Kosten.

Banken bangen um Provision

Bank­angestellte sind oft nicht begeistert, wenn Anleger den Fonds­kauf über die Börse verlangen. „Die Berater stehen vor einem Gewissens­konflikt, ob sie freiwil­lig auf die hohe Vertriebs­provision verzichten und gegen die geringere Marge beim Börsenkauf eintauschen sollen“, sagt Franz Christian Kalischer, dessen Unternehmen mwb fairtrade den Fonds­handel an der Börse Hamburg betreut. Die Firma stellt dort als Skontroführer (Glossar) faire Fonds­preise fest.

Kalischer nennt weitere Vorteile des Börsen­handels von Fonds: „Anleger können beim Kauf Limits setzen und ihre Positionen durch Stopp-Loss absichern.“ Außerdem wird der Auftrag sofort ausgeführt, beim Kauf von der Fonds­gesell­schaft können dagegen ein bis zwei Tage vergehen, in denen sich der Preis stark verändern kann.

Allerdings gibt es auch Nachteile: Anders als beim Kauf über die Fonds­gesell­schaft können Anleger im Börsen­handel keine Bruch­teile kaufen. Bei einem Fonds wiedem Aktienfonds Amundi Interna­tional, dessen Anteile rund 4 200 Euro kosten, lässt sich die Anlagesumme nicht gut austarieren.

Auch beim Verkauf ihrer Fonds haben Anleger die Wahl zwischen Börse und Fonds­gesell­schaft. Hier ist der Vorteil der Börse nicht so eindeutig wie beim Kauf. Denn die Rück­gabe von Anteilen an die Fonds­gesell­schaft ist meist kostenlos, für den Verkauf über die Börse müssen Anleger erneut Bank- und Börsen­gebühren bezahlen.

Bei der Rück­gabe an die Fonds­gesell­schaft vergehen wie beim Kauf erneut ein bis zwei Tage. Für die Börse spricht wieder, dass der Auftrag sofort ausgeführt wird. Kalischer: „So können Anleger unmittel­bar auf aktuelle Ereig­nisse reagieren.“ Anleger müssen beim Verkauf abwägen, ob ihnen eine zusätzliche Ersparnis oder ein schneller Verkauf wichtiger ist.

Direkt­bank­kunden sollten rechnen

Auch die Kunden von Direkt­banken haben die Wahl zwischen dem Kauf von der Fonds­gesell­schaft und über die Börse. Sie über­nehmen den Job, den sonst ein Bank­mit­arbeiter macht, und geben die Daten für den Kauf in die Ordermaske im Internet ein.

Allerdings ist der Spar­effekt meist geringer als für Filial­bank­käufer, da Direkt­banken weniger Ausgabe­aufschlag verlangen als die Filial­banken. Üblich ist bei Direkt­banken ein Ausgabe­aufschlag von 2,5 Prozent für Aktienfonds.

Fonds­anteile im Wert von 5 000 Euro würden also mit etwa 120 Euro Aufschlag belastet. Ein Börsenkauf kostet dagegen oft weniger als die Hälfte, denn die Direkt­banken nehmen auch dafür weniger Gebühren als die Filial­banken.

Bevor ein Direkt­bank­kunde den Börsenkauf wählt, sollte er prüfen, ob sein Anbieter den Fonds nicht sogar „kostenlos“ anbietet. Bei allen Direkt­banken gibt es empfehlens­werte Fonds ohne Ausgabe­aufschlag.

Dreierlei Kosten an der Börse

Wie viel der Kauf­auftrag über eine Börse genau kostet, hängt von drei Dingen ab: von den Kauf­gebühren der Bank, den Börsenspesen und von der Handels­spanne, dem sogenannten Spread.

Die Bank­gebühren beim Wert­papier- und Fonds­kauf hat Finanztest kürzlich untersucht (Heft 6/2013, test.de/depot). Im güns­tigsten Fall kostet eine Order nur 5 Euro (Flatex), die meisten Direkt­banken berechnen für einen 5 000-Euro-Auftrag aber 10 bis 20 Euro.

Dazu kommen die Kosten des jeweiligen Börsen­platzes, die meist zwischen 5 und 8 Euro pro Auftrag liegen (siehe Tabelle). Sie werden in der Regel von der Bank an den Kunden weitergereicht. Dabei arbeiten Direkt­banken gern mit Pauschal­gebühren, um allzu komplizierte Einzel­abrechnungen zu vermeiden.

Jeder Börsen­platz hat andere Kosten­strukturen, die sich meist noch nach Wert­papier­arten unterscheiden. Grund­sätzlich gilt: Je kleiner der Anla­gebetrag, desto stärker schlagen die Börsen­kosten prozentual zu Buche. Bei weniger als 2 000 Euro können sie 40 bis 50 Prozent der gesamten Order­kosten ausmachen.

Der dritte Posten neben Bank- und Börsen­gebühren ist der Spread, wie der Unterschied zwischen Kauf- und Verkaufs­kurs eines Fonds genannt wird. Der Käufer zahlt im Allgemeinen etwas mehr, als der Fonds zu diesem Zeit­punkt tatsäch­lich wert ist.

Die Börsen setzen den maximalen Spread auf 1,5 bis 2 Prozent fest, aber in der Praxis ist die Spanne viel geringer. Nach unseren Beob­achtungen liegt sie für die aufgelisteten Fonds oft zwischen 0,5 und 0,8 Prozent. Nur beim Swiss­canto Equity Interna­tional ist der Spread deutlich größer.

Auf den Internet­seiten ihrer Direkt­bank oder der Wert­papierbörsen können Kunden nach­schauen, zu welchen Kursen die Fonds an den einzelnen Handels­plätzen im Angebot sind und sich den aktuell güns­tigsten heraus­suchen. Entscheidend ist der Briefkurs. Wer sicher­stellen will, dass ein bestimmter Preis nicht über­schritten wird, erteilt seine Order mit Limit.

Preis­werter gehts nicht

Anleger, die ihre Fonds über einen Fonds­vermittler im Internet kaufen, brauchen sich mit der Alternative Börsenkauf nicht zu befassen. Für sie ist es der Normalfall, über­haupt keinen Ausgabe­aufschlag zu zahlen, obwohl die Vermittler die Fonds direkt bei der Fonds­gesell­schaft besorgen. Preis­werter ist ein breit gefächertes Fonds­depot nicht zu bekommen.

Fonds­vermittler arbeiten Hand in Hand mit speziellen Banken, bei denen die Fonds gelagert werden. Die Fonds­banken, die bekann­teste ist die Commerz­bank-Tochter Ebase, sind auch für die Abwick­lung der Käufe und Verkäufe verantwort­lich. Die Vermittler wären gar nicht berechtigt, das Geld der Anleger entgegen­zunehmen, da sie keine Bank­lizenz haben.

Der Kauf über Fonds­vermittler eignet sich für Anleger, die keine Berührungs­ängste mit einem Onlinedepot haben. Um die Sicherheit müssen sie sich nicht sorgen, da der Vermittler ihr Geld gar nicht in die Hand bekommt. Die Fonds­anteile sind als Sonder­vermögen im Depot der Fonds­bank ebenso gut geschützt wie in jedem anderen Wert­papierdepot.

Fonds­vermittler besorgen sich die Anteile über die Fonds­banken direkt bei den Fonds­gesell­schaften. Mit dem Ausgabe­aufschlag verzichten sie größ­tenteils oder voll­ständig auf die Verkaufs­provision. Ihre wichtigste Einnahme­quelle ist die Bestands­provision, die Fonds­gesell­schaften jähr­lich an diejenigen zahlen, die ihre Fonds vertreiben.

Je mehr Fonds­anteile in den Kundendepots der Vermittler lagern, desto höher sind diese regel­mäßigen Zahlungen. Einige Anbieter wie Profinance oder AAV (www.fondsvermittlung.de) geben sogar einen Teil der Provision an ihre Kunden zurück. Bei AAV gibt es eine Tarif­variante mit direkter Rück­zahlung von Teil­beträgen oder eine indirekte Teilerstattung, indem ansonsten fällige Gebühren für die Depotführung nicht erhoben werden.

Die Bestands­provisionen, die Fonds­gesell­schaften an Banken und Finanz­dienst­leister zahlen, machen einen großen Teil der jähr­lichen Verwaltungs­kosten von gemanagten Fonds aus. Letzt­lich müssen alle Anleger, die den Fonds haben, dafür bezahlen – selbst diejenigen, die bereits beim Kauf einen 5-prozentigen Ausgabe­aufschlag entrichtet haben und von einer Erstattung der Provision nicht zu träumen wagen.

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