Fondsgesellschaften im Test: Schlechte Leistung

Fondsgesellschaften im Test Test

Wenn Fondsgesellschaften Rechenschaft ablegen, beschränken sie sich oft auf das ­gesetzlich Notwendige. Nur selten finden Anleger alle für sie wichtigen Informationen.

Fondsgesellschaften müssen dem Anleger einmal jährlich Rechenschaft ablegen. So will es das Investmentmodernisierungsgesetz. Den Bericht soll der Anleger bekommen, egal wo er seine Fonds gekauft hat und wo er sie verwahren lässt.

Leider nennt das Gesetz nur einige Mindestinformationen wie Vermögensaufstellung, Anteilspreis und Zahl der Anteile sowie eine vergleichende Übersicht über die vergangenen drei Geschäftsjahre. Was ansonsten im Bericht steht und wie er im Detail aussieht, liegt im Ermessen des Anbieters.

Finanztest hält die gesetzlichen Mindeststandards nicht für ausreichend, um den Anleger umfassend zu informieren, und hat deshalb die Rechenschaftsberichte der großen Fondsgesellschaften anhand einer fast 50 Kriterien umfassenden Checkliste unter die Lupe genommen.

Viele Wünsche bleiben offen

Da alle in der Tabelle „Spitzenreiter bieten gute Fonds und kaum Ausreißer“ genannten Gesellschaften mit mehreren Fonds vertreten waren, mussten wir Hunderte von Rechenschaftsberichten wälzen. In „Ein guter Rechenschaftsbericht muss Anleger rundum informieren“ ist aufgelistet, was wir für besonders wichtig halten.

Einen Anbieter mit vorbildlichen Berichten sucht man vergebens. Allerdings kommen drei Gesellschaften unseren Vorstellungen recht nahe: Cominvest, die niederländische Robeco und vor allem die DWS.

In den Rechenschaftsberichten für die Typ-O-Fonds der DWS, die Fonds ohne Ausgabeaufschlag, ist fast alles vorbildlich. Hätten die Autoren auch noch die Risikoprofile der Fonds genannt, wären wir rundum zufrieden gewesen.

Bei Robeco vermissten wir ebenfalls nur die Einordnung der Fonds in ein übergeordnetes Risikoprofil. Ansonsten überzeugten die Berichte durch ihre detaillierte und grafisch anspruchsvolle Darstellung. Das gilt freilich nicht für die Luxemburger Fonds dieser Gesellschaft. Deren Berichte sind weniger gelungen. In den Erläuterungen zu den niederländischen Robeco-Fonds finden Anleger sogar Informationen zur Entwicklung einzelner Aktien, in die der Fonds investiert.

Wer sich sehr schnell informieren möchte, wird von der Ausführlichkeit der Robeco-Berichte freilich fast schon überfordert. Wesentlich straffer und dennoch sehr informativ sind die Berichte der Cominvest. Allerdings versäumt es diese Gesellschaft, den wichtigen Vergleichsindex für ihre Fonds zu nennen.

Dafür haben die Cominvest-Berichte über das ganze Fondsspektrum hinweg ein sehr einheitliches Erscheinungsbild. Das ist bei anderen Gesellschaften leider nicht der Fall. So entsprechen zum Beispiel bei der DWS längst nicht alle Berichte dem hohen Niveau, das die Typ-O-Fonds setzen. So erhalten Anleger, die in den Vermögensbildungsfonds I investieren, nicht so gute Berichte wie DWS-Kunden mit Typ-O-Fonds.

Wertentwicklung ein Randthema

Obwohl wir nicht ernsthaft erwartet hatten, den perfekten Rechenschaftsbericht zu finden, waren wir vom Ergebnis unserer Untersuchung enttäuscht. Wie die Prozentangaben im Diagramm verdeutlichen, bleiben selbst bei den zwölf Punkten, die wir für unverzichtbar halten, erschreckende Lücken.

Dass die meisten Berichte ausgerechnet auf die Wertentwicklung des jeweiligen Fonds kaum eingehen, ist ebenso auffällig wie unverständlich. Statt diese für alle Anleger entscheidende Angabe in den Vordergrund zu rücken und für verschiedene Zeiträume aufzubereiten, beschränken sich die Anbieter meist auf das Unvermeidliche.

Nur etwas über die Hälfte der Berichte gibt Auskunft, um wie viel Prozent der Fonds im Geschäftsjahr in Euro zugelegt oder verloren hat. Die bei den im Ausland anlegenden Fonds weitaus gebräuchlichere Angabe in der Fondswährung (73 Prozent) hilft dem Anleger wenig – es sei denn, er bemüht den Taschenrechner, um den Einfluss der Wechselkurse herauszurechnen.

Die langfristige Wertentwicklung in Euro – über fünf Jahre – fanden wir sogar nur in 3 Prozent aller Berichte. Der Fünfjahreszeitraum ist ein wichtiger Maßstab, um die Qualität eines Fonds zu erkennen. Dennoch fehlt diese Angabe selbst bei Fonds, die schon sehr lange am Markt sind.

Eine rühmliche Ausnahme bilden vor allem Fidelity und JPM Fleming, die zumindest bei einer nennenswerten Zahl ihrer Fonds die aufs Jahr bezogene Wertentwicklung über die zurückliegenden fünf Jahre nennen.

JPM Fleming ist auch die einzige Fondsgesellschaft, die in fast allen Berichten die Wertschwankungen, die so genannte Volatilität, nennt. Dabei ist diese Angabe neben der Wertentwicklung die wohl wichtigste Kennzahl eines Investments.

Absolut verlässlich

Da die Rechenschaftsberichte nur einmal jährlich erscheinen, haben sie zwangsläufig ein Aktualitätsproblem. Vor allem die Kursangaben sind nach kürzester Zeit veraltet.

Dafür sind die Berichte von Wirtschaftsprüfern testiert und enthalten somit absolut verlässliche Angaben. Interessierten Anlegern bietet ein gut gemachter Rechenschaftsbericht eine Fülle von Informationen, die er anderswo nicht bekommt.

So ist es keine vergeudete Zeit, sich die zahlreichen Einzelpositionen eines Aktienfonds einmal in Ruhe anzuschauen. Schließlich hat der Anleger mit dem Kauf von Fondsanteilen indirekt genau in diese Firmen investiert.

Außerdem sehen wir ein Fondsinvestment als etwas Langfristiges an. Die täglichen Kursveränderungen spielen da im Vergleich zur Fondsstrategie eine untergeordnete Rolle.

Dennoch kann es nie schaden, sich über den jährlichen Bericht hinausgehende Informationen zu besorgen. Das geht am einfachsten im Internet. Die meisten Gesellschaften stellen dort nicht nur eine Downloadversion ihres Rechenschaftsberichts bereit, sondern bieten dem Anleger auch Kurzberichte (Factsheets) an, die sie monatlich oder sogar noch häufiger aktualisieren und meist mit Diagrammen anreichern. Dort erfährt der Anleger unter anderem das Neueste zur Fondsentwicklung und zum Marktgeschehen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1465 Nutzer finden das hilfreich.