Fondsgesellschaften im Test Test

Threadneedle und Templeton waren im Rennen der Fondsgesellschaften spitze.

Deutsche Fondsgesellschaften bieten immer noch besonders viele Fonds an. Doch bei der Qualität und beim Service haben Briten und Amerikaner die Nase vorn.

Der Amerikaner Sir Franklin Templeton ist in der Investmentbranche eine Legende. Bereits im Jahre 1940 gründete er eine Fondsgesellschaft, die heute zu den bekanntesten der Welt gehört. Allein im Templeton Growth, einem bewährten Klassiker unter den Aktienfonds Welt, stecken gut 17 Milliarden US-Dollar.

Zur Templeton-Kundschaft zählen inzwischen auch viele deutsche Anleger, obwohl es für ausländische Gesellschaften nicht einfach ist, sich gegen die deutsche Konkurrenz durchzusetzen. Schließlich haben die deutschen Geldhäuser eigene Fondsgesellschaften, zu denen sie ihre Kunden nur zu gerne lotsen. Der Löwenanteil des Geldes deutscher Anleger fließt an Deka, DWS und Co.

Doch haben deutsche Anbieter neben dem Standortvorteil auch die besseren Fonds? Finanztest wollte es genau wissen und hat die Produktpalette der wichtigsten Fondsgesellschaften unter die Lupe genommen. Die Deutschen haben nur mittelmäßig abgeschnitten.

Angelsachsen an der Spitze

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Um einen Spitzenplatz zu belegen, musste ein Anbieter möglichst viele gute Fonds haben und durfte sich kaum einen Ausfall leisten. Jeder unterdurchschnittliche Fonds belastete die Note.

Einige amerikanische und britische Anbieter erfüllten diesen Anspruch am besten. Das gilt vor allem für den englischen Topanbieter Threadneedle, dessen Fondspalette am ausgewogensten ist. Die von uns im monatlichen Dauertest untersuchten Aktienfonds Welt, Europa und USA dieser Gesellschaft sind alle von überdurchschnittlicher Qualität. Ihr einziger Japanfonds im Test ist zumindest durchschnittlich.

Die Fondsgesellschaft Templeton schrammte trotz tadelloser Welt- und Europafonds an der Spitzenposition vorbei, weil mit ihrem Japanfonds kein Staat zu machen ist.

Die DWS-Gruppe glänzt zwar als bester einheimischer Anbieter mit ihren Aktienfonds Welt, reißt aber bei den USA-Fonds keine Bäume aus. Auch das Ergebnis bei den Aktienfonds Europa ist durchwachsen.

Fidelity (Rang 4) und die französische Gesellschaft State Street (Rang 6) waren außer Threadneedle die einzigen Gesellschaften, die gar keine unterdurchschnittlichen Fonds im Test hatten.

Warum aber sollten sich Anleger überhaupt mit Fondsgesellschaften befassen, wenn sie sich ebenso gut aus jeder Fondsgruppe einen Top-Fonds heraussuchen können? In der Tat gibt ­es unter den Kunden von Direktbanken und Fondsvermittlern viele Anleger, die ein bunt gemischtes Depot haben. Ob der Normalanleger auch so flexibel ist, steht auf einem anderen Blatt. Ihm ist es wahrscheinlich lieber, bequem einem Anbieter mit durchgängig solidem Angebot vertrauen zu können.

Lohnende Markentreue

Wie Autofahrer, die immer wieder einen Mercedes, VW oder Honda kaufen, neigen auch viele Anleger zur Markentreue. Ihre Hoffnung: Wenn eine Gesellschaft bislang fast nur gute und sehr gute Fonds anbietet, kann auch bei neu aufgelegten Produkten kaum etwas schief gehen.

Umgekehrt heißt es aufpassen, wenn das Angebot einer Gesellschaft neben Top-Fonds auch eine Reihe von Flops enthält. Das trifft leider auf die meisten deutschen Fondsgesellschaften zu. Sie bedienen zwar alle erdenklichen Nischen und haben eine Reihe exzellenter Fonds – allerdings auch so manches unterdurchschnittliche Produkt.

Während ausländische Fondsgesellschaften in der Regel klare Konzepte verfolgen und ein überschaubares Angebot haben, konkurrieren bei deutschen Anbietern oft in einer Gruppe mehrere Fondskonzepte miteinander. So können Anleger zum Beispiel bei der DWS zwischen zahlreichen Aktienfonds Welt wählen – allein elf davon sind mindestens fünf Jahre alt und damit in unserem Test. Immerhin droht dem Anleger in dieser Fondsgruppe kein krasser Fehlgriff, denn selbst die schwächsten DWS-Weltfonds haben zumindest durchschnittliche Qualität.

Anders bei den Aktienfonds Deutschland. Dort könnte ein Anleger, wenn er der DWS blind vertraut, statt der Top-Fonds Select-Invest und Deutsche Aktien Typ O den unterdurchschnittlichen DWS Deutschland erwischen. Der hat in den vergangenen fünf Jahren seinen Besitzern nicht viel Freude bereitet. Die höhere Zahl an Fonds nützt den Anlegern nichts. Auf diesen Fonds können sie verzichten.

Die Basisinvestments

Grundlage unserer Untersuchung waren die Ergebnisse unseres monatlichen Fondstests, in dem nur Fonds auftauchen, die mindestens fünf Jahre alt sind. In die Auswertung kamen nur die Gesellschaften, die mit mindestens je einem weltweiten und einem europäischen Aktienfonds in unserem Fondsdauertest vertreten sind.

Diese beiden Fondsgruppen sind die Basisinvestments für jedes solide Depot. Dazu passt zum Risikoausgleich ideal ein Euro-Rentenfonds. Gut für den Anleger, wenn „seine“ Fondsgesellschaft auch in diesem Segment ein attraktives Angebot hat. Wenn nicht, ist das aber auch kein Beinbruch. Schließlich kann der sichere Depotanteil auch auf andere Weise bestritten werden, zum Beispiel mit Bundesanleihen, Pfandbriefen oder Bankprodukten.

Der Direktvergleich von Fondsgesellschaften unterschiedlicher Größe und Nationalität ist natürlich nicht unproblematisch. So mag es für einen Anbieter mit breit gefächertem Angebot schwerer sein, ein durchgängig hohes Niveau zu halten, als für eine Gesellschaft, die sich auf ein paar Basisfondsgruppen beschränkt. Wir haben deshalb nur die gängigsten Fondsgruppen für den Vergleich herangezogen. Exotische Branchen- und Länderfonds kamen nicht in die Bewertung.

Dennoch sind nicht alle Gesellschaften in unserer Tabelle direkt vergleichbar. So legt Universal für viele kleine Privat- und Regionalbanken die Fonds auf. Entsprechend groß ist das Spektrum der bei ihr versammelten Investmentstile.

Konto bei der Fondsgesellschaft

Die meisten Fondsgesellschaften bieten den Anlegern an, ihr Depot direkt bei ihnen zu führen. Meist können sie darin sowohl Einmalanlagen als auch Sparpläne verwahren. Wir haben untersucht, welche Fondsgesellschaften das Depot kostenlos anbieten und einen günstigen Wechsel innerhalb ihrer Fondspalette ermöglichen. Anleger können dann ihr Fondsdepot durch Umschichten aktu­ellen Markttrends anpassen. In einem günstigen Depot sollten Kosten allenfalls dadurch entstehen, dass der Kunde in einen Fonds mit höherem Ausgabeaufschlag wechselt und die Differenz bezahlen muss.

Es ist schon bedenklich, dass keine der großen deutschen Fondsgesellschaften die beiden Voraussetzungen für ein attraktives Depot erfüllt. Ob Deka, dit oder DWS, ob Cominvest oder Union: Alle lassen sich Depot und Fondswechsel vom Anleger bezahlen.

Aktive Anleger werden sich dann vielleicht doch lieber an einen freien Fondsvermittler oder an eine Direktbank wenden, bei denen sie viele Investmentfonds mit teilweise sehr hohem Rabatt auf den Ausgabeaufschlag kaufen können. Wir haben auch deren Angebote in unserem Test Fonds günstig kaufen untersucht.

Die englischen und amerikanischen Fondsgesellschaften dagegen sind kundenfreundlicher. Bei den topplatzierten Gesellschaften Threadneedle, Templeton und Merrill Lynch finden Anleger die besten Voraussetzungen für ein aussichtsreiches und Kosten sparendes Depot.

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