Fondsinformationen: Mehr Trainieren

Bei Geldanlagen sind gründliche ­Informationen das A und O. Doch manche Fondsgesellschaften versorgen Anleger mit erschreckend lückenhaftem Material.

Schweizer Gründlichkeit: Wären nur ­alle Fondsinformationen so klar und vollständig wie die von Julius Bär, könnten sich Anleger viel Mühe sparen. Denn die Schweizer Investmentgesellschaft hinterließ bei unserem Test von Fondsunterlagen als einzige einen rundum überzeugenden Eindruck.

Zwar wurde auch sie dem sieben Punkte starken Anforderungskatalog (siehe „Was Anleger wissen sollten“) nicht hundertprozentig ­ge­­­recht, aber im Vergleich zu ihren ­Konkurrenten ist sie einsame Spitze.

Das Internet ist Trumpf

Für unseren Test von Fondsgesellschaften haben wir zusätzlich zur Wertentwicklung bewertet, wie die Anbieter ihre Kunden über Fonds informieren. Dafür wählten wir pro Gesellschaft einen internationalen Aktienfonds und einen Rentenfonds aus und nahmen alle angebotenen Dokumente und Materialien unter die Lupe.

Im Test waren zum einen die Unterlagen, die uns die Gesellschaften auf Anfrage zugeschickt hatten, zum andern Dokumente, die wir aus den Internetauftritten der Unternehmen herunterluden. Dabei handelte es sich meist um Monats-, seltener um Quartalsberichte.

Wertentwicklung mit Lücken

Eigentlich sollte im Informationszeitalter das Erstellen eines vorbildlichen Fondsberichts kein Problem sein. Doch die Praxis sieht leider ganz anders aus.

Beispiel Wertentwicklung. Nicht einmal diese für Anleger wichtigste Information liefern alle Anbieter umfassend und vollständig. Selbst so ein bekannter Anbieter wie Union, die Fondsgesellschaft der Volksbanken, konnte hier nicht einmal die Hälfte der Punkte erreichen.

Nach unseren Vorstellungen sollte der Bericht nicht nur zeigen, wie sich der Fonds über verschiedene Zeiträume, zum Beispiel ein, drei und fünf Jahre, entwickelt hat, sondern jeweils auch die Rendite pro Jahr nennen. Zusätzlich sind Angaben zur kurzfristigen Entwicklung, also für einen Monat, drei Monate und sechs Monate sehr aufschlussreich.

Besonders wichtig ist es, dass die Wertentwicklung nicht isoliert steht, sondern im Vergleich zu einem Maßstab, einer so genannten Benchmark, dargestellt wird. Das kann bei einem internationalen Aktienfonds der Weltaktienindex, bei einem deutschen Aktienfonds der Dax, bei einem Rentenfonds der Rentenindex Rex sein. Erst der Bezug zur Benchmark versetzt den Anleger in die Lage, die Leistung „seines“ Fondsmanagements zu beurteilen. Dass dies aufgrund der vielen schwachen Fonds nicht im Interesse vieler Anbieter ist, steht auf einem anderen Blatt.

Unsere Ansprüche sind hoch, aber nicht überzogen. Das beweisen Axa, Crédit Suisse, Fidelity, Fortis und JP Morgan, deren Berichte all unsere Forderungen lückenlos erfüllen. Am anderen Ende der Skala stehen Activest, Dexia, Frankfurt Trust und Jyske, die nur wenige Zeiträume angeben und sich den Benchmark-Vergleich ersparen, sowie die SEB, bei der Anleger selbst ausrechnen müssen, wie viel ihr Fonds pro Jahr gewonnen oder verloren hat.

Risiken verschwiegen

Ein weiterer Kritikpunkt: Viele Berichte verlieren kein Wort über die Risiken des Fonds. Bei den untersuchten Aktienfonds von BB Invest, Frankfurt Trust, Invesco, SEB und Threadneedle fehlen Hinweise darüber, als wie riskant der ­Anbieter sie im Gesamtangebot einstuft.

Normalerweise verwenden die Firmen dafür mehrstufige Skalen, aber es ist auch in Ordnung, das Risiko in Worten zu beschreiben, zum Beispiel als hoch, mittel oder gering. Die Risiken zu verschweigen, ist dagegen absolut nicht in Ordnung.

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