Den Finanztest-Wettbewerb um die ­beste Fondsgesellschaft gewinnt Franklin Templeton. Auch sonst dominieren ausländische Anbieter. Als einzige deutsche Gesellschaft ist die DWS im Vorderfeld dabei.

Im Rudersport ist der Deutschland-­Achter stets für einen Spitzenplatz gut. Selbst wenn es ab und zu ein schlechtes Jahr gibt, gehören die deutschen Ruderer auf lange Sicht zur Weltelite. Davon sind die deutschen Teilnehmer im internationalen Wettbewerb der professionellen Geldanleger weit entfernt.

Wie schon bei unserem letzten Test von Fondsgesellschaften landeten Adig, Activest, Deka und dit auf hinteren Plätzen. Für Anleger ist das misslich, da ihnen die Fonds dieser Tochtergesellschaften deutscher Großbanken in den Filialen regelmäßig angedient werden.

Die Fondsgesellschaft der Volksbanken, Union Investment, darf in diesem Umfeld ihr „befriedigendes“ Urteil fast schon als Erfolg verbuchen. Aber nur die Tochter der Deutschen Bank, die DWS, kann zumindest teilweise den besten ausländischen Anbietern Paroli bieten.

Testsieger war mit der US-amerikanischen Gesellschaft Franklin Templeton wieder einmal ein Anbieter aus dem angelsächsischen Raum.

Die Wertentwicklung entscheidet

Fondsgesellschaften Test

Die großen Banken haben feste Fondspartner. So bieten zum Beispiel die Sparkassen vor allem Fonds ihrer Tochter Deka an. Dabei ist das Angebot dieser Gesellschaft vor allem bei Aktienfonds von bescheidener Qualität.

Die großen Banken haben feste Fondspartner. So bieten zum Beispiel die Sparkassen vor allem Fonds ihrer Tochter Deka an. Dabei ist das Angebot dieser Gesellschaft vor allem bei Aktienfonds von bescheidener Qualität.

Der erste Blick des Anlegers gilt selbstverständlich der Wertentwicklung. Die Fondsgesellschaft seines Vertrauens soll vor allem Fonds mit überdurchschnittlicher Rendite anbieten und möglichst wenige unterdurchschnittliche Fonds im Programm haben.

Wie gut einzelne Aktien-, Renten- oder Mischfonds abschneiden, zeigt unser ­regelmäßiger Fondstest . Seine Ergebnisse aktualisieren wir monatlich. Die Resultate bilden die Grundlage für den Test der Fondsgesellschaften.

Bei der Auswertung haben wir uns auf die wichtigsten Fondsgruppen beschränkt. Im Aktienbereich blieben zum Beispiel Branchen- oder Emerging-Market-Fonds unberücksichtigt, ebenso wie Rentenfonds, die sich auf exotische Märkte oder bestimmte Laufzeiten konzentrieren.

Unser Hauptaugenmerk lag auf den ­Basisfondsgruppen Aktienfonds Welt und Europa. Sie bieten eine besonders gute ­Risikostreuung und kommen für die meisten Anleger infrage. Wenn eine Gesellschaft dort besonders stark war, konnte sie viele Pluspunkte sammeln, für unterdurchschnittliche Fonds gab es hohe Abzüge (siehe Link unterhalb der Tabelle: Ausgewählt, geprüft, bewertet).

Zusätzlich haben wir die Informationsunterlagen bewertet, die dem Anleger auf Nachfrage zugesandt werden, sowie die Dokumente, die er aus dem Internet ­herunterladen kann.

Viele Fondskäufer sind markentreu

Es mag Anleger geben, denen die Gesamtbewertung einer Fondsgesellschaft egal ist. Wer für sein Depot aus jeder Fondsgruppe das für ihn passende Produkt herausfiltert und eine kunterbunte Mischung verschiedener Anbieter in Kauf nimmt, der kann auch ohne diese Benotung leben.

Doch eine jüngst vom BVI, dem Bundesverband Deutscher Investment-Gesellschaften in Auftrag gegebene Studie legt nahe, dass wenige so selbstbewusst handeln. Zwei von drei Anlegern kaufen ihre Fonds über ihre Hausbank, und die ­wenigsten wissen, was sich hinter den unterschiedlichen Fondsgattungen verbirgt. Das selbstständige Zusammenstellen eines Depots ist für diese Anleger kein Thema.

Sie ziehen es vor, bei einer Gesellschaft zu bleiben – oft genug ist es „zufällig“ das Tochterunternehmen ihrer Hausbank.

Für die Mehrzahl der Fondskunden ist es also wichtig, etwas über die Qualität ihrer Gesellschaft zu erfahren. Wie ein Autokäufer, der über Jahrzehnte treu bei einer Marke bleibt, sollte sich auch der Kunde einer Fondsgesellschaft auf einen bestimmten Standard verlassen können.

Das gilt auch für neu aufgelegte Fonds, bei denen der Anleger ja zwangsläufig im Dunkeln tappt. Wenn der Anbieter über viele Jahre bewiesen hat, dass bei ihm Top-Fonds die Regel und Flops allenfalls seltene Ausnahmen sind, kann man einigermaßen beruhigt auch zu seinen neuen Angeboten greifen.

Startvorteil für die Kleinen

Anders als im Vorjahr haben wir das Testfeld diesmal in Gruppen eingeteilt. ­Obwohl die Testmethoden für alle Gesellschaften gleich waren, erscheint es uns ­fairer, Anbieter mit einer ähnlich großen Angebotspalette direkt zu vergleichen.

Je mehr Fonds jemand ins Rennen schickt, desto schwieriger ist es für ihn, durchgehend ein Spitzenniveau zu erreichen. Die kleinen Gesellschaften haben es leichter, ganz nach oben zu kommen – oder vollkommen abzustürzen.

Aber was heißt schon klein? Unser Testsieger Franklin Templeton hat zwar nur 10,5 Milliarden Euro von deutschen Anlegern in Verwahrung, verwaltet aber weltweit mehr als 300 Milliarden Euro.

Die DWS wirkt dagegen wie ein kleiner Fisch, denn sie bringt es nicht einmal auf 100 Milliarden Euro. Dabei ist sie mit ­einem Marktanteil von gut 24 Prozent die mit Abstand größte deutsche Fondsgesellschaft und hat in Deutschland auch das reichhaltigste Fondsprogramm aller untersuchten Gesellschaften.

Dagegen bietet Franklin Templeton wie andere ausländische Anbieter auch nur ­einen Bruchteil seiner Fonds auch in Deutschland an. In unserem Test ist die Gesellschaft mit einem Dutzend bewerteten Fonds vertreten, während bei der DWS die Bewertungen von 86 Fonds ins Gesamtergebnis einflossen. Mit der Größe des Angebots steigt aber zwangsläufig die Gefahr, dass der eine oder andere Reinfall dabei ist.

DWS glänzt bei Rentenfonds

Umso höher ist das positive Teilergebnis der DWS-Gruppe bei den Rentenfonds einzuschätzen. Als Anbieter mit den meisten Fonds in diesem Segment gehört die DWS zu den Gesellschaften mit hohem Qualitätsstandard.

Nur einige Spezialanbieter schnitten noch deutlich besser ab. Da wir von Gerling, BL und Co. jedoch zu ­wenige Aktienfonds bewerten konnten, haben wir sie nicht in unseren Test von Vollsortimentern aufgenommen.

Die DWS ist deshalb die beste deutsche Gesellschaft unter den Komplettanbietern und erreichte –- wenn auch knapp – ein gutes Gesamturteil.

Dass nur 6 von 32 untersuchten Gesellschaften dieses Urteil erreichten, ist eine herbe Enttäuschung. Nicht ein einziger Anbieter schaffte in allen drei Fondsgruppen eine gute Benotung.

Selbst bei Franklin Templeton wird das Spitzenergebnis bei Aktienfonds durch die mittelmäßigen Rentenfonds relativiert. Nur Fidelity kommt bei Renten- und Mischfonds auf eine gute beziehungsweise sehr gute Zwischennote. Seine Aktienfonds sind jedoch nur guter Durchschnitt.

Mangelhaft bei Aktienfonds

Wie dürftig das Angebot der meisten ­Gesellschaften ausfällt, zeigt am besten der Vergleich mit State Street – einem französischen Unternehmen, das schwerpunktmäßig Indexfonds anbietet. Bei Aktienfonds gehört State Street zu den Besten, lässt also die meisten Gesellschaften mit gemanagten Fonds weit hinter sich.

Dabei ist es doch gerade der Sinn eines Investmentfonds, den Vergleichsindex durch weitsichtiges Management zu übertreffen. Doch die großen deutschen ­Gesellschaften dit, Deka und Adig kassierten für ihre Aktienfonds ein „Mangelhaft“.

Für die Fondsgesellschaften müsste es deshalb heißen: Schlagzahl erhöhen, ­Fehler analysieren und abstellen. Wie der Deutschland-Achter können auch sie eine verkorkste Saison zum Anlass nehmen, sich richtig in die Riemen zu legen, um die eigene Leistungsstärke zu verbessern.

Gute Ansätze gibt es überall. Selbst die Fondsgesellschaften mit lausiger Bewertung finden meist im eigenen Hause Top-Produkte, an denen sie sich orientieren können. So stellt zum Beispiel die insgesamt mäßige Adig-Gruppe bei den ­Aktienfonds Deutschland sogar den Spitzenreiter, ebenso wie Deka bei den ­Rentenfonds Europa.

Könnten die deutschen Gesellschaften diese Stärken auf ihr gesamtes Programm übertragen, kämen sie in Zukunft sogar für den Gesamtsieg infrage.

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