Über den Wert ihrer Fondspolice erfahren Kunden oft fast nichts. Versicherer informieren schlecht oder sogar falsch. Das zeigen die Ergebnisse der Leserumfrage von Finanztest.

Keine Auskunft über Abschlusskosten

Die Nürnberger Versicherung hat von Marktwirtschaft eine merkwürdige Vorstellung. „In unserer freien Marktwirtschaft werden dem Verbraucher die Preiskalkulationen, insbesondere die darin enthaltenen Kosten (...) nicht offengelegt“, schreibt die Nürnberger an ihre Kundin Gundula Rönnau. „Deshalb ist es auch in der Versicherungswirtschaft nicht üblich, dem Kunden (...) die entstandenen Abschluss- und Verwaltungskosten zu nennen“, erläutert das Unternehmen weiter. Das Ehepaar Rönnau aus Vetschau in Brandenburg hat für seinen Enkel eine fondsgebundene Rentenversicherung abgeschlossen. Als die Rönnaus Aufschluss über den Stand der Rentenversicherung, die Kosten und die voraussichtliche Rente erbaten, war die Nürnberger nicht sehr hilfreich. Sie nannte in ihrer Antwort nicht eine einzige Zahl.

Versicherungspapiere schwer zu verstehen

Gundula Rönnau ist eine von 178 Frauen und Männern, die auf Leseraufruf von Finanztest zur fondsgebundenen Rentenversicherung geantwortet haben. Wir wollten wissen, wie die Versicherer ihre Kunden über den Stand ihres Vertrags informieren. Die Leserinnen und Leser, die Finanztest hierzu geschrieben haben, waren frustriert. Sie schickten Kopien von Standmitteilungen, weil sie die Papiere nicht verstehen. Dabei ist bei fondsgebundenen Rentenversicherungen der Durchblick besonders wichtig. Die Versicherer nennen solche Verträge auch Fondspolicen. Schon durch ihre Konstruktion sind sie komplex: Sie kombinieren eine Rentenversicherung und einen Fondssparplan.

Risiko verringern

Die Sparanteile des Beitrags werden in einem oder mehreren Investmentfonds angelegt. Die Fonds investieren vor allem in Aktien, aber auch in Anleihen oder Immobilien. Weil die Wertentwicklung der Fonds nicht vorhersehbar ist, kann die Höhe der späteren Gesamtrente in der Ansparphase nicht garantiert werden. Bei guter Wertentwicklung der gewählten Fonds sind Gewinne möglich, bei schlechter Verluste. Der Kunde sollte wissen, wo er gerade steht. Sein Risiko kann er verringern, wenn er eine Mindesthöhe der Rente ausdrücklich vereinbart. Dann fließt ein Teil seiner Beiträge nicht in das Fondsguthaben, sondern wird als Deckungskapital verbucht, um die Garantie zu gewährleisten. Bei fondsgebundenen Riester-Verträgen ist dies zwingend, denn der Versicherer muss wenigstens die eingezahlten Beiträge plus die staatlichen Zulagen garantieren.

Falsche Belehrungen

Fondsgebundene Rentenversicherung Meldung

Arvid Friebe aus Magdeburg fehlt es an Informationen zu seiner Fondspolice. Über die Fondsbewegungen im abgelaufenen Jahr erhielt er ebenso wenig Auskunft wie über die Gesamtkosten.

Das Ehepaar Rönnau bekam nicht nur keine Auskünfte, sondern obendrein noch falsche Belehrungen. Denn anders als die Nürnberger behauptet, müssen die Versicherer seit 2008 bereits bei Vertragsschluss über die Kosten informieren. So sieht es die Informationspflichtenverordnung vor. Auch Arvid Friebe fühlt sich von seiner Versicherungsgesellschaft schlecht informiert. „Komplett undurchsichtig“ sei die Standmitteilung der Axa für seine fondsgebundene Riester-Rentenversicherung, beklagt sich der 39-jährige Angestellte im öffentlichen Dienst aus Magdeburg. Selbst auf seine Nachfrage erhielt er keine zufriedenstellende Antwort vom Versicherer. „Statt mir zu schreiben, wie hoch Abschluss- und Verwaltungskosten sind, bekam ich umständliche Versicherungsformeln. Zur Höhe der einzelnen Positionen wurde ich auf einen Paragrafen der Versicherungsbedingungen verwiesen. Dort finde ich aber keine Antwort“, sagt Friebe. Nach dieser Erfahrung war er gar nicht mehr überrascht, dass die Axa ihm auch nicht mitteilte, wie hoch der Wert seines Guthabens wäre, wenn er es auf einen Riester-Vertrag bei einem anderen Anbieter übertragen möchte. „Wahrer Kundendienst sieht anders aus“, meint Arvid Friebe.

Hohe Kosten drücken Anlageerfolg

Fondsgebundene Rentenversicherung Meldung

So könnte eine gute Standmitteilung aussehen.

So könnte eine gute Standmitteilung aussehen.

Bei Fondspolicen machen hohe Kosten viel vom Anlageerfolg zunichte. Diese Kosten schwanken enorm: Je nach Laufzeit des Vertrags und Kalkulation des Versicherers fallen dafür zwischen 3 und sogar mehr als 22 Prozent der Beiträge an. Deshalb wundert es nicht, wenn Versicherer mauern und keine Zahlen nennen. Am höchsten sind die Kosten in den ersten Jahren der Vertragslaufzeit, denn die Versicherungsvermittler werden gleich dann entlohnt. Je länger der Vertrag bereits gelaufen ist, desto geringer ist die Kostenbelastung in den weiteren Jahren. Dann sind Informationen über die Kosten für die Kunden nicht mehr so schmerzhaft. Der Versicherer Aspecta gesteht seinen Kunden erst nach drei Jahren eine Standmitteilung zu.

Nur Allgemeinplätze

Finanztest-Leser Carsten Wiertlewski wollte aber schon vorher informiert werden – besonders über die Kosten, die der Versicherer bei Vertragsbeginn 2006 noch nicht ausweisen musste. Erst seit 2008 sind die Versicherer dazu verpflichtet. Wiertlewski bekam auf seine Anfrage von der Aspecta nur Allgemeinplätze als Antwort. „Je nach zurückgelegter Vertragsdauer liegt der Kostenanteil eines durchschnittlichen Vertrages zwischen zirka 70 Prozent und 10 Prozent“, so das Unternehmen. Transparenz Fehlanzeige.

Hinter Empfehlungen

Die Versicherer bleiben selbst noch hinter den Empfehlungen des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zurück. Der GDV empfiehlt den Unternehmen ausdrücklich eine „jährliche“ Information der Kunden und nicht erst nach drei Jahren.

Auch einen Rückkaufswert sollte der Versicherer angeben, so die GDV-Empfehlung. Der Rückkaufswert ist der Betrag, den der Kunde bekommt, wenn er seinen Vertrag kündigt. Er liegt in den ersten Jahren normalerweise weit unter dem Betrag, den der Kunde bereits eingezahlt hat.

Wenn der Kunde durchhält

Ist die Ansparphase zu Ende, zahlt der Versicherer eine monatliche Rente aus. Der Kunde kann aber auch eine Einmalzahlung wählen – bei Riester-Verträgen ist sie auf 30 Prozent des Kapitals begrenzt, der große Rest wird nur als Rente ausgezahlt. Üblicherweise ist es auch möglich, die Fonds ins eigene Depot zu übernehmen und weiter auf steigende Kurse zu hoffen. Für die Sparer gibt es neben dem Fondsrisiko und den Kosten noch eine dritte Unsicherheit: der Rentenfaktor, mit dem die Rente berechnet wird. Er gibt an, wie hoch die monatliche Rente pro 10 000 Euro Kapital ausfällt, das zu Beginn der Rentenphase zur Verfügung steht. Einige Versicherer garantieren einen Rentenfaktor bereits bei Vertragsbeginn, andere legen ihn endgültig erst zu Rentenbeginn fest. Auch dies sollte der Kunde wissen, denn es bestimmt die Rentenhöhe mit.

Rentenzusage ohne Wert

Fondsgebundene Rentenversicherung Meldung

Silke Schwitalla aus Tübingen hat Fragen zu ihrer Altersvorsorge. Als ihre Kinder klein waren, hat sie ihr Studium abgebrochen. Ihre gesetzliche Rente allein werde ihren Lebensstandard nicht sichern, so die Sekretärin. Deshalb spart sie mit einer Riester-Fondspolice. „Ich weiß aber nicht, ob der Vertrag gut ist“, sagt sie.

Silke Schwitalla bekommt von der Heidelberger Leben bereits jetzt eine Rentenhöhe genannt – für den Rentenbeginn im Jahr 2029. Aus den 4 200,16 Euro Kapital, die sich bis Ende 2008 auf ihrem Konto angesammelt haben, ergibt sich laut Standmitteilung eine Monatsrente von 16,52 Euro. Doch die Information hat keinen Wert, denn „diese monatliche Rente ist nicht garantiert und kann zum Rentenbeginn höher oder niedriger ausfallen“, schreibt die Heidelberger Leben. Besser wäre es, der Kundin mitzuteilen, wie hoch die beitragsfreie garantierte ­monatliche Rente wäre. Das ist die Rente, die Schwitalla bekäme, wenn sie nichts mehr in ihren Riester-Vertrag einzahlte. So hätte sie eine verlässliche Angabe und könnte entscheiden, ob sie ihren Vertrag beitragsfrei stellt oder weiter einzahlt. Auch über die gesamten Abschlusskosten, die seit dem Vertragsbeginn im Jahr 2005 angefallen sind, erfährt sie nichts Eindeutiges. „Ich empfinde ein großes Unbehagen, weiß nicht ob ich ein gutes Vorsorgeprodukt habe und fühle mich durch die Standmitteilung nicht aufgeklärt“, sagt Silke Schwitalla.

Angst machen mit der Steuer

Nicht aufgeklärt fühlte sich auch das Ehepaar Renate und Robert Seiler* aus Lübeck vom Berater der Deutschen Bank, der Verträge der Zurich Deutscher Herold Lebensversicherung vermittelt. Der Berater habe ihnen nicht gesagt, dass die Abschlusskosten bei einem Vertrag mit 35 Jahren Laufzeit höher sind als bei einem, der 12 Jahre läuft, berichtet das Ehepaar. Sonst hätten sie für Renate Seiler keinen Vertrag mit 35 Jahre Laufzeit abgeschlossen. Als sie später ihren Irrtum bemerkten, beschwerten sich die Seilers beim Versicherer – mit dem Hinweis, dass sie seit 40 Jahren Deutsche-Bank-Kunden sind. Die Zurich bot ihnen nun an, den seit 2007 laufenden Vertrag auf zwölf Jahre zu reduzieren, sodass Renate Seiler mit 62 Jahren eine Rente oder eine Kapitalauszahlung bekäme. Alternativ sei auch ein Vertrag mit 15 Jahren Laufzeit möglich, dann wäre Frau Seiler 65 Jahre alt.

Vertragsnachteile

Ein Vertrag mit Endalter 62 Jahre habe Nachteile, so der Versicherer: „Entscheiden Sie sich für die einmalige Kapitalabfindung, dann müssten Sie den Auszahlungsbetrag voll nachversteuern. Das sieht der Gesetzgeber bei Verträgen vor, bei denen ­eine Kapitalzahlung vor dem Endalter 65 Jahre erfolgt.“ Doch das ist falsch. „Voll“ versteuern müsste Frau Seiler die Auszahlung nur, wenn das Kapital vor dem 60. Lebensjahr ausgezahlt wird. Bekommt sie es später, muss sie nur die Hälfte der Erträge mit ihrem persönlichen Steuersatz versteuern. So steht es im Gesetz und so bestätigt es das Bundesfinanzministerium: „65 Jahre ist keine gesetzliche Grenze.“

Weiter nachhaken

Kunden bekommen also selbst auf Nachfrage keine verlässlichen Informationen. Da hilft nur immer weiter nachhaken oder sich über die Versicherungsgesellschaft beschweren (siehe „Unser Rat“). Als Finanztest bei der Nürnberger wegen ihrer Informationsblockade gegenüber Gundula Rönnau aus Vetschau nachfragte, kam die prompte Antwort: „Selbstverständlich hat Frau Rönnau als Kundin der Nürnberger Anspruch auf Informationen zur Höhe der in die Prämie einkalkulierten Kosten.“ Wir sind gespannt darauf.

* Name von der Redaktion geändert.

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