Fondsgebundene Rentenversicherung Test

Anlagen in Fonds bieten keine ­sichere Rente. Eine fondsgebundene Rentenversicherung eignet sich nur, wenn die Grundversorgung steht.

Rentenversicherungen mit Fonds verkaufen sich wie warme Semmeln. Doch viele Angebote sind zu teuer oder bieten zu schlechte Fonds. „Sehr gut“ war in unserem Test keines.

„Genießen Sie alle Vorteile einer Rentenversicherung, investieren Sie aber gleichzeitig in europäische oder weltweite Kapitalmärkte. So bauen Sie für einen unbeschwerten Ruhestand systematisch Vermögen auf. Fondsgebundene Rentenversicherung – eine moderne, flexible Form der Alters- und Familienversicherung.“

Die Verkäufer überschlagen sich vor Lob für ihr Produkt. Und sie haben Erfolg. Fondsgebundene Rentenversicherungen sind ein Renner. Führten sie vor wenigen Jahren ein Schattendasein, machen sie nun über 20 Prozent der neuabgeschlossenen Lebensversicherungen aus.

Doch die Qualität der Produkte kann nicht die Ursache sein. Keines der 127 Angebote im Test erhielt ein „Sehr gut“. Der überwiegende Teil war bezüglich Kosten, Anlagemöglichkeit und Transparenz Mittelmaß oder schlechter. Das ist schwach. Zumal die Angebote für viele Menschen wegen der langen Laufzeit und der unsicheren Rente nicht geeignet sind.

Kombination mit Investmentfonds

Fondsgebundene Rentenversicherungen sind ein Kombiprodukt aus Rentenversicherung und Fondssparplan. Die Sparanteile des Beitrags werden in einem oder mehreren Investmentfonds angelegt. Dieses Vermögen wird von externen oder konzerneigenen Kapitalanlagegesellschaften verwaltet und in einem gesonderten Anlagestock der Versicherer geführt.

Die Fonds, in die das Geld der Kunden in der Ansparphase fließt, investieren vor allem in Aktien, aber auch in Anleihen oder Immobilien. Weil die Wertentwicklung der Fonds nicht vorhersehbar ist, kann eine Rentenhöhe nicht garantiert werden. Bei guter Wertentwicklung der gewählten Fonds winken hohe Gewinne, bei schlechter Verluste.

Ist die Ansparphase zu Ende, zahlt der Versicherer eine monatliche Rente aus, von der ein Teil garantiert ist. Der Kunde kann aber auch eine Einmalzahlung wählen oder die Fonds auf ein Depot übertragen.

Nichts für Klamme

Leute mit wenig Geld liegen mit einer Fondspolice falsch. Wer wenig verdient oder unregelmäßige Einnahmen hat, ist wegen der meist langen vertraglichen Zahlungspflicht hier wie mit jeder ansparenden Lebensversicherung schlecht bedient. Denn er kann nicht wissen, ob er die vereinbarten Beiträge immer aufbringen kann. Stoppt er die Zahlung oder steigt er gar aus dem Vertrag aus, verliert er Geld, das er eigentlich dringend benötigt. Und auf eine sichere Rente kann er nicht bauen.

Für gutverdienende Kunden, die auch persönlich in gesicherten Verhältnissen leben, kann eine „gute“ Fondspolice aus steuerlichen Gründen (siehe „Abgeltungsteuer umgehen“) künftig interessant werden. Hier können sie in überdurchschnittliche und stark überdurchschnittliche Fonds investieren und sie steuerfrei wechseln. Die Geldanlage können sie Fondsmanagern überlassen.

Ihre Grundversorgung im Alter aus ­gesetzlicher Rente, Riester-, Betriebsrente und – bei Selbstständigen – klassischer privater Rentenversicherung sollten aber auch vermögende Geldanleger gesichert haben, bevor sie sich für eine Fondspolice entscheiden.

Schöngerechnet

Für die Versicherungsunternehmen ist es bequem, das Anlagerisiko auf ihre Kunden abzuwälzen. Einerseits überlassen sie dem Kunden die Fondsauswahl. Andererseits sind sie für die Wertentwicklung der Fonds nicht verantwortlich.

Je besser die Börse, desto leichter lassen sich Kunden auch von kühnen Modellrechnungen blenden. Eine Rente aus einem Vermögen, das sich nach durchschnittlich 9 Prozent Wertentwicklung jährlich ergibt, ist natürlich viel höher als zum Beispiel die auf 2,25 Prozent Rechnungszins basierende garantierte Rente aus einer konservativ anlegenden privaten Rentenversicherung.

Solche Renditezahlen beziehen sich aber nur auf den Teil der Beiträge, der nach Abzug der Kosten in die Fonds fließt. Die Versicherer lassen sich ihre Arbeit gut bezahlen. Deshalb können rückblickend in 20 oder 30 Jahren auch Verluste auftreten.

In jedem Fall hängt die Renditechance stark vom Anbieter ab. Die Unterschiede zwischen den Angeboten bei den Kosten, dem Fondsangebot und den Möglichkeiten der Kapitalanlage sind riesig. Und bei manchen Policen steht zwar Fonds drauf, wie viel und welche Fonds drin sind, muss der Kunde aber mühsam herausfinden.

Und auch die besten Angebote in unserem Test haben unterschiedliche Stärken und Schwächen. Dies zeigen die fünf Produktporträts auf den folgenden Seiten.

Die Untersuchung

Wir haben Angebote für zwei Modellfälle mit jeweils zwei Laufzeiten untersucht. Einmal sind die Kunden bei Beginn des Vertrags 52 Jahre alt und wollen monatlich 200 Euro bis 67 Jahre einzahlen. Im anderen Fall sind sie 37 Jahre alt und schließen einen Vertrag über 30 Jahre mit einem monatlichen Beitrag von 100 Euro ab. Ab 67 Jahren soll eine Rente fließen oder aber eine Einmalzahlung erfolgen.

Bei den Angeboten im Markt unterscheiden sich die Leistungen bei Tod des Kunden in der Ansparphase. Das haben wir durch die beiden Modellfälle berücksichtigt. In den Tarifen in der Tabelle „Angebote mit Beitragsrückgewähr im Todesfall“ gilt jeweils eine Beitragsrückgewähr. Im Todesfall erhalten die Angehörigen des Kunden dann mindestens die eingezahlten Beiträge zurück.

Bei den Fondspolicen (Tabelle „Policen mit 60 Prozent Beitragssumme im Todesfall“) werden im Todesfall 60 Prozent der vereinbarten Beitragssumme an die begünstigten Hinterbliebenen ausgezahlt.

Die beiden unterstellten Todesfallleistungen sind die gängigsten. Manches Unternehmen bietet nur eine an, andere haben beide im Programm und tauchen deshalb in beiden Tabellen auf.

Welche Leistung besser ist, hängt von der Situation des Kunden ab. Eine Mutter oder ein Vater will zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses vielleicht auch die Kinder absichern. Deshalb wählt sie oder er eher die zu Beginn höhere Leistung im Todesfall mit 60 Prozent der Beitragssumme.

In jedem Fall wären in der Not beide Leistungen nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Eine Rentenversicherung eignet sich nicht als Vorsorge für eine Familie. Dafür empfiehlt sich der Abschluss einer preiswerten Risikolebensversicherung mit einer ausreichend hohen Versicherungssumme.

Drei Komponenten

Wir haben drei wesentliche Punkte bewertet: die Kostenbelastung für den Kunden (50 Prozent), seine Anlagemöglichkeiten (40 Prozent) und die Transparenz der vor Vertragsschluss ausgehändigten Unterlagen (10 Prozent).

Aus den drei Gruppenurteilen ergab sich das Finanztest-Qualitätsurteil. Kein Angebot bekam in unserem Test ein „Sehr gut“, nur wenige ein „Gut“. Die Mehrzahl der Tarife landete im Mittelfeld. Einige Angebote waren „mangelhaft“.

Bei der Untersuchung der Kosten ging es vor allem um das Geld, das die Versicherungsgesellschaft für den Abschluss und die Verwaltung des Vertrags sowie für den Versicherungsschutz abzweigt. Davon hängt maßgeblich ab, wie viel vom Beitrag überhaupt für den Kunden investiert wird.

Bei der Anlagemöglichkeit haben wir die Anzahl der überdurchschnittlichen und stark überdurchschnittlichen Fonds entsprechend unseres Fondstests (siehe S. 86) geprüft und untersucht, welche Anlageschwerpunkte der Kunde wählen kann.

Außerdem kam es darauf an, wie gut er die Anlagen aufteilen kann. Wichtig war auch, dass er den Fondsankauf mindestens einmal im Jahr kostenlos verändern und das Vermögen umschichten kann. Ferner betrachteten wir die Art der Vermögenssicherung, die gegen Ende der Ansparphase Erträge sichern soll.

Im Punkt Transparenz ging es einerseits um die Übersichtlichkeit der Kostenbelastung. Hier achteten wir auch darauf, ob ein Kunde brauchbare Informationen über die Verteilung der Kosten in den Anfangsjahren bekommt. Ins Visier nahmen wir andererseits, wie die Unternehmen ihre Kunden über das Fondsinvestment aufklären.

Die Kostenbelastung

Für ihre eigene Leistung bitten die Unternehmen unterschiedlich zur Kasse. Die Kosten schwanken enorm. Am wenigsten verlangen bei den untersuchten Laufzeiten von 15 und 30 Jahren die Hannoversche Leben und die CosmosDirekt.

Bei der Variante mit Beitragsrückgewähr im Todesfall ist das finanzielle Risiko des Versicherers relativ gering. Nur wenn der Kunde in den ersten Vertragsjahren stirbt, müsste er wahrscheinlich zubuttern. Denn dann sind die Abschlusskosten noch nicht bezahlt. Später legt er nur noch drauf, wenn die Fondsrendite unter null liegt. Für einen 15- Jahres-Vertrag mit Beitragsrückgewähr im Todesfall zahlen Kunden zum Beispiel bei der Hannoverschen Leben unter 3 Prozent vom Beitrag. Bei einem ungünstigen Anbieter wie der Barmenia sind es über 16 Prozent.

Das Gruppenurteil „sehr gut“ gab es, wenn die Kosten für den Kunden höchstens 3 Prozent vom Beitrag ausmachten.

Bei den Verträgen, die im Todesfall 60 Prozent der Beitragssumme auszahlen, ­haben wir die Kostenbelastung für den Kunden anders bewertet. Denn mit dieser Variante gehen die Versicherer ein höheres Risiko ein als bei den Policen in der vorangegangenen Gruppe.

Ein „Sehr gut“ für die Kosten erhielten alle, die höchstens 5 Prozent vom Beitrag abzweigen. Das erreicht nur die CosmosDirekt bei beiden Laufzeiten. Ungünstige Anbieter wie die Barmenia nehmen von­ ­ihren Kunden dagegen bei 15-Jahres-Verträgen über 17 Prozent und bei 30-Jahres-Verträgen sogar über 22 Prozent vom Beitrag für ihre Kosten.

Angebotene Fonds

Der Name Fondspolice sagt noch nichts über mögliche Renditechancen durch Börseninvestments. Das beweist unser Test.

Es gibt Angebote mit einem sehr breiten Spektrum an Anlagemöglichkeiten in überdurchschnittliche und stark überdurchschnittliche Fonds. Oft können Kunden den Beitrag auch auf viele Fonds aufteilen. Andere Anbieter haben fast nur schwache Fonds im Angebot oder wenig Auswahl. Oder ihre Kunden können viele gute Investments nicht nutzen, weil sie ­eine Mindestsumme in jeden Fonds investieren müssen.

Mit das breiteste Angebot stark überdurchschnittlicher und überdurchschnittlicher Fonds können Kunden bei der Gothaer, Skandia, universa, Vorsorge und WWK nutzen. Vor allem wegen hoher Kosten ist das Angebot insgesamt dennoch nur befriedigend. Auch die Barmenia muss sich bei den Fonds nicht verstecken. Doch auch hier verderben die Kosten den Brei.

300 Euro Rente

Wir nennen in den Tabellen keine Renten, weil diese nicht garantiert sind. Ihre Höhe hängt neben den üblichen Faktoren (Höhe des eingezahlten Beitrags, Geschlecht, ­Alter bei Rentenbeginn, Garantiezeiten, Überschusssystem) vor allem von Kursgewinnen oder -verlusten im Fondsinvestment ab. Eine ebenfalls wichtige Rolle spielt die Höhe der Kosten, die der Versicherer vom Beitrag abzweigt.

Bei einer durchschnittlichen Wertentwicklung der Fonds von 6 Prozent pro Jahr könnte eine 37-jährige Frau, die 30 Jahre lang 100 Euro in eine der untersuchten Fondspolicen einzahlt, je nach Anbieter mit 75 000 bis 95  000 Euro Vermögen rechnen. Sie kann sich das Geld auszahlen lassen, die Fondsanteile übernehmen oder eine lebenslange Rente beziehen.

Hätte sie zum Beispiel 80 000 Euro zusammen, erhielte die Frau daraus anfangs etwa 300 Euro Rente im Monat, wenn sie sich für eine volldynamische Auszahlungsform entscheidet. Diese empfehlen wir. Nach zehn Jahren wäre diese Rente auf ­etwa 400 Euro gestiegen.

Bei der volldynamischen Auszahlungsform werden Überschüsse dafür verwendet, die Rente peu à peu zu erhöhen. Unter eine einmal erreichte Höhe kann der ­monatliche Betrag nicht mehr sinken. So droht auch in Zeiten schlechter Überschüsse keine Rentenkürzung.

Bei Vertragsbeginn 52 Jahre alte Kunden, die 200 Euro über 15 Jahre einzahlen, schaffen ebenso wie die 37-Jährigen mit 100 Euro über 30 Jahre insgesamt 36 000 Euro Beitragssumme.

Wegen ihres kürzeren Anlagezeitraums kommt für die älteren Kunden bei einer unterstellten Wertentwicklung von im Schnitt 6 Prozent im Jahr zum Vertragsende aber nur ein Vermögen von etwas über 50 000 Euro heraus.

Für eine dann 67-jährige Frau, die nun eine volldynamische Rente beziehen will, ergeben sich etwa 200 Euro Anfangsrente im Monat. Ein gleichaltriger Mann würde wegen seiner kürzeren Lebenserwartung ein paar Euro mehr erhalten.

Vertrag richtig gestalten

Wer sich für eine Fondspolice entscheidet, sollte auf einige wichtige Punkte im Vertrag achten. Vor allem sollte er sicher sein, dass er den vereinbarten Beitrag auch auf Dauer zahlen kann.

Daneben gibt es weitere Aspekte bei der Gestaltung des Vertrags. So ist ein jährlich steigender Beitrag nicht zu empfehlen. Bei jeder Erhöhung belastet die Versicherungsgesellschaft ihre Kunden nämlich durch Zusatzkosten.

Sinnvoll ist dagegen eine Abruf- und auch eine Aufschuboption. Mit einer Abrufoption kann der Rentenbeginn meist bis zu fünf Jahre vorgezogen werden, mit einer Aufschuboption kann der Kunde die Auszahlung hinausschieben. Beides ist bei einer Fondspolice wegen der Kursschwankungen um den eigentlichen Ablauftermin herum besonders wichtig.

Ein Kapitalwahlrecht sollte auf jeden Fall gewährt sein. Das ist bei allen Policen in unserem Test der Fall. Kunden können dann am Ende der Einzahlung oder kurz zuvor erklären, dass sie statt einer Rente lieber eine Einmalzahlung oder die Übertragung der Fondsanteile in ihr eigenes Depot wünschen.

Die meisten Versicherungsgesellschaften bieten ihren Kunden auch bei Fondspolicen einen kleinen Berufsunfähigkeitsschutz. Kann der Kunde seinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben, übernimmt der Versicherer an seiner Stelle die Beitragszahlung für die Rentenversicherung. Diese Option ist für jüngere Kunden nicht sehr teuer und eine Überlegung wert.

Auch eine kurze Garantiezeit von bis zu zehn Jahren kostet nicht viel Rente. Die Rente wird dann von der Versicherungsgesellschaft ab Rentenbeginn mindestens bis zum Ende dieser vereinbarten Frist überwiesen, auch wenn der Versicherte schon vorher stirbt. Darauf sollten nur echte Singles verzichten.

Dieser Artikel ist hilfreich. 4255 Nutzer finden das hilfreich.