Vermittler bieten gerne Fonds­policen an, weil sich Kunden mit Rendite­chancen ködern lassen. Gute Angebote machen aber nur 3 von 22 Versicherern im Test.

Mit Aktienfonds für das Alter zu sparen, ist prinzipiell keine schlechte Idee. Schon gar nicht für Menschen, die das Nötigste finanziell schon abge­sichert haben. Gewinne freuen sie, Verluste können sie wegstecken. Wert­schwankungen, denen Aktienfonds durch das Auf und Ab der Börsen ausgesetzt sind, können diese Anleger verschmerzen.

Auch junge Leute können Tief­schläge durch Crashs verkraften, wenn sie ihr Geld nicht zwischen­durch brauchen und auch die nötigen Nerven haben. Sie haben bis zum Ruhe­stand viel Zeit. Bis dahin sollten sich die Aktien­kurse erholen. Die Chancen, dass diese Sparer nachher deutlich mehr Geld angehäuft haben, als wenn sie auf Zinsen setzen, sind gut.

Sparplan kontra Police

Lang­fristig mit Fonds sparen können Anleger auf zwei Wegen. Entweder sie kaufen ihre Fonds­anteile selbst oder sie schließen eine fonds­gebundene Renten­versicherung ab. Das ist ein Fonds­sparplan im Versicherungs­mantel. Was für wen besser ist, hängt von einigen Kriterien ab:

  • Muss der Kunde zwischen­durch an sein Erspartes heran? Dann sind nur Fonds­sparpläne geeignet. Sie können jeder­zeit aufgelöst werden. Fonds­sparen per Police ist nur etwas für Menschen, die ihren Vertrag dauer­haft bedienen. Ein Ausstieg oder ein Zahlungs­stopp verdirbt das Ergebnis, weil die Versicherer in den ersten Jahren sehr viel mehr Kosten abziehen als später.
  • Welche Fonds will der Kunde? Das Fonds­angebot der Policen ist unterschiedlich breit und gut. Für Fonds­sparpläne sind sehr viele Publikums­fonds zu haben.
  • Sollen kleinere Beträge über viele Fonds verteilt werden? Mit einer Fonds­police funk­tioniert das. Meistens reichen 10 Euro pro Fonds. Beim Direktkauf per Sparplan sind oft mindestens 50 Euro nötig.
  • Soll die Fonds­anlage gelegentlich oder häufig umge­schichtet werden? Über eine Police geht das je nach Vertrag sogar mehr­mals monatlich kostenlos und steuerfrei. Beim Verkauf aus einem Fonds­sparplan fallen jedes Mal 25 Prozent Abgeltung­steuer auf mögliche Kurs­gewinne an. Hinzu können neue Kauf­kosten für den Ausgabe­aufschlag pro Fonds­anteil kommen, den die Investmentgesell­schaft einstreicht.
  • Ist später eine steuerlich güns­tige Rente aus der Fonds­anlage gewünscht? Das bietet die Police. Ein Anleger mit Sparplan kann zwar auch seine Fonds verkaufen und eine steuerlich güns­tige Sofortrente erwerben. Vorher müsste er aber seine Kurs­gewinne versteuern.

Kaum gute Policen

Das Für und Wider einer Fonds­police sollten Interes­senten für sich gut abklären. Steht am Ende die Police als bessere Option fest, folgt die nächste Hürde: eine gute Auswahl.

Leider sind die meisten Fonds­policen nicht zu empfehlen. Das ist das Ergebnis unserer aktuellen Unter­suchung (siehe Tabelle „Fondsgebundene Rentenversicherungen“). Wir haben 58 Angebote für fonds­gebundene Renten­versicherungen von 22 Anbietern untersucht und bewertet. Es ging nur um Policen ohne Riester- oder Rürup-Förderung.

Spitzenreiter in den jeweiligen Modell­gruppen sind die Interrisk, die Hanno­versche Leben und die Condor.

Das Angebot der Hanno­verschen gibt es nur direkt beim Unternehmen – per Telefon, online oder per Post. Die Hanno­versche Leben hatte schon in unserer Unter­suchung im September 2007 mit ihrem Tarif FR3 ein Gut erreicht (siehe „Fondsgebundene Rentenversicherungen“ aus Finanztest 09/2007). Der Anbieter hob sich bereits damals durch geringe Kosten bei gutem Fonds­angebot hervor. Heute heißt der Tarif noch immer FR3. Das Gut kam wieder wegen güns­tiger Kosten und eines noch etwas besseren Fonds­angebots heraus.

Bei der Interrisk sollten Kunden den Tarif SFRV nur telefo­nisch anfordern. Über einen Versicherungs­makler bekommen sie ihn zwar auch. Hier müssen sie aber ein Beratungs­honorar zahlen. Im Internet und über Vermittler bietet die Interrisk ansonsten den viel teureren Tarif AFRV an. Er ist im Test nur ausreichend.

Auch alle anderen bewerteten Tarife im Test erreichten nur ein Ausreichend oder schafften allenfalls ein Befriedigend.

Policen ohne Garantie

Bewertet haben wir ausschließ­lich Vertrags­varianten ohne Garan­tien, bei denen Kunden ihre Fonds­anlage eigenhändig steuern. Wir empfehlen jedem, sein Investment selbst in die Hand zu nehmen. Dann ist sicher, dass das Geld dort landet, wo es hin soll.

Viele Anbieter haben auch eine gemanagte Variante ihres Tarifs im Programm. Hier verwaltet das Versicherungs­unternehmen das Investment. Häufig kann der Kunde dann eine Anlage­richtung zwischen Wachs­tum, Chance und Risiko mit unterschiedlich hohem Aktienfonds­anteil wählen.

In gemanagten Policen vertrauen Kunden alle Investment­entscheidungen dem Versicherer an. Vielleicht steckt das Unternehmen das Geld aber nicht in die besten Fonds, sondern in konzern­eigene Spezialfonds, um sie zu fördern. Wer selbst handelt, richtet die Fonds­anlage nach seinen Wünschen aus.

Ob ein Kunde selbst über die Fonds­anlage entscheidet oder das seinem Versicherer über­lässt, entscheidet er im Antrag. Ist der Weg zum frei gestalt­baren Investment nicht klar erkenn­bar, muss er nach­fragen.

Unterschiedliche Todes­fall­leistungen

Die Tabelle „Fondsgebundene Rentenversicherungen“ ist nach der vereinbarten Mindest­leistung im Todes­fall unterteilt. Diese Leistung bekommen die Erben eines Kunden, der in der Anspar­phase stirbt. Grund für unsere Einteilung sind die unterschiedlichen Kosten der Leistungen.

Bei der Todes­fall­leistung „Beitrags­rück­gewähr“ bekommen die Erben des Sparers mindestens das zurück, was dieser bis dahin einzahlte. Das kann mehr sein als der „Policen­wert“, bei dem das Unternehmen nur das aktuelle Fonds­vermögen auszahlt. Kurs­verluste und Kosten werden hier nicht erstattet.

Eine höhere Zusage, jedenfalls bis etwa zur Vertrags­mitte, ist die Auszahlung von 60 Prozent der Beitrags­summe. Die Summe bei Tod beläuft sich hier auf 60 Prozent aller geplanten Beiträge. Häufig gilt das allerdings erst ab Jahr vier (vorher nur Policen­wert).

Der Tarif SFRV der Interrisk schneidet sowohl mit der Todes­fall­leistung Policen­wert als auch mit der Auszahlung von 60 Prozent der Beitrags­summe gut ab.

Einen echten Hinterbliebenen­schutz bietet ohnehin keine der Zusagen, aber eine Renten­versicherung ist auch der falsche Vertrag, um Angehörige abzu­sichern. Dafür ist eine Risiko­lebens­versicherung richtig.

Kosten oft zu hoch

Die mäßige bis schlechte Bewertung der vielen Angebote in unserem Test ist über­wiegend auf hohe Kosten der Versicherung zurück­zuführen. Je höher diese Kosten, desto weniger Geld vom Beitrag fließt in Fonds.

Unser Urteil über die Kosten floss mit 50 Prozent in das Qualitäts­urteil ein. Bei den Anbietern mit Außen­dienst – den Unternehmen, die nicht im Direkt­vertrieb arbeiten – bestehen sie zum Groß­teil aus Abschluss­kosten, mit denen zum Beispiel die Provision des Vermitt­lers bezahlt wird.

Weitere Kosten können unter dem Begriff Verwaltungs­kosten zusammengefasst werden. Die Verwaltungs­kosten sind bei den meisten Anbietern in etwa gleich hoch.

Fonds­kosten wie Management­gebühren fallen fast immer extra an, aber keine Ausgabe­aufschläge für den Fonds­kauf. Die Versicherungs­unternehmen vereinbaren mit den Investmentgesell­schaften üblicher­weise einen kostenlosen Fonds­ankauf.

Berück­sichtigt haben wir auch mögliche Erstattungen aus Über­schüssen. Sie entstehen, wenn die tatsäch­lichen Kosten nied­riger sind als die kalkulierten. Die Versicherer müssen ihren Kunden davon mindestens die Hälfte erstatten.

Männer und Frauen

Die Kosten haben wir über einen Modell­fall berechnet: Männer und Frauen, die mit 37 Jahren einen über 30 Jahre laufenden Vertrag beginnen und monatlich 100 Euro einzahlen. Die monatliche Zahlungs­weise empfiehlt sich bei Fonds­policen wegen der Kurs­schwankungen an den Börsen .

Um die Kosten zu berechnen, haben wir unterstellt, dass der Kunde am Ende der Vertrags­lauf­zeit statt einer Rente eine einmalige Kapital­leistung vom Versicherer erhält. Für die Fonds nahmen wir eine Wert­entwick­lung von 6 Prozent pro Jahr an.

Werden Beitrags­rück­gewähr oder Policen­wert als Todes­fall­leistung vereinbart, sind die Rang­folgen für Männer und Frauen gleich. Soll der Versicherer im Todes­fall mindestens 60 Prozent der Beitrags­summe zahlen, wirkt sich die unterschiedliche Lebens­erwartung von Männern und Frauen etwas stärker aus. Das beein­flusst die Bewertung. Deshalb gibt es für Tarife mit dieser Vereinbarung für Männer und Frauen jeweils eine eigene Tabelle. Erst ab dem 21. Dezember 2012 dürfen Versicherer ihre Tarife nicht mehr nach dem Geschlecht unterscheiden.

Auch die Fonds müssen passen

Die Kosten haben einen großen Anteil an der Bewertung, weil sich über sie maßgeblich entscheidet, ob eine gute Fonds­auswahl auch zu einem guten Ergebnis führen kann. Sind die Kosten der Police insgesamt hoch, nutzt der beste Kurs­gewinn nichts. Für den Sparer bleibt am Ende wenig übrig.

Umge­kehrt gilt das genauso: Geringe Kosten allein machen aus einer Fonds­police noch keine gute Geld­anlage. Wir haben dem Fonds­angebot mit 40 Prozent ein ebenfalls großes Gewicht in der Bewertung gegeben. Dabei kam es auf die Qualität und die Flexibilität der Anlage an.

Wenig gute Fonds im Angebot

Für die Flexibilität spielt die Zahl der Aktienfonds einer Police eine Rolle. Hinzu kommt die Chance, den Beitrag auf die Fonds zu verteilen und die Anlage zu verändern.

Interes­sant: In diesem Punkt schneiden alle Unternehmen außer der Cosmos wegen eines Mindest­beitrags von 25 Euro pro Fonds gut bis sehr gut ab. Alle bieten eine breite Fond­spalette an. Kunden können ihr Geld gut streuen. Außerdem dürfen sie die anfäng­liche Fonds­verteilung mehr oder weniger häufig kostenlos ändern. In der Fonds­sprache heißt das shiften (Eng­lisch für verschieben) und switchen (austauschen).

Trotzdem fällt das Gesamt­urteil für das Fonds­angebot für viele Policen mittel­mäßig bis schlecht aus. Grund ist das dürftige Angebot an guten bis sehr guten Aktienfonds.

Maßstab für die Qualität ist unser Fonds­dauertest, in dem wir monatlich mehrere tausend Fonds bewerten. Die besten veröffent­lichen wir (siehe Produktfinder Investmentfonds). Wir prüften, wie viele der Aktienfonds, die in einer Police in unserem Test zugäng­lich sind, besser oder deutlich besser als der Markt sind.

Die Aktienfonds haben wir heraus­gegriffen, weil nur sie wirk­lich höhere Rendite­chancen liefern. Will jemand in Rentenfonds investieren, also in Zins­papiere, liegt er mit einer Fonds­police falsch. Für die mäßige Rendi­teerwartung von Rentenfonds wäre die lang­fristige Bindung an eine Police bei oft hohen Kosten unsinnig. Rentenfonds sind bei Fonds­policen nur in der Endphase vor Renten­beginn wichtig, wenn das Vermögen vor Ablauf gesichert werden soll.

Kunden sollten vereinbaren, dass sie auch auf Fonds zurück­greifen können, die ein Versicherer erst nach Vertrags­beginn in sein Programm aufnimmt. Eine Fonds­anlage darf nie statisch sein. Werden einzelne Fonds im Laufe der Jahre geschlossen, wird die Auswahl ansonsten immer kleiner.

Renten­faktor ist Pflicht

Seit kurzem müssen Versicherer ihren Kunden einen Renten­faktor garan­tieren. Sonst wird ihre Police steuerlich nicht mehr gefördert (siehe „Nicht verwechseln“). Dieser garan­tierte Renten­faktor sagt Kunden verbindlich zu, wie viel lebens­lange Rente sie ab 67 Jahren für jeweils 10 000 Euro ihres Spar­vermögens mindestens bekommen werden.

Den nied­rigsten Renten­faktor garan­tiert die Allianz mit gerade einmal 20,43 Euro pro 10 000 Euro Kapital (Modell­kunde Mann). Viele Unternehmen sagen ihren Kunden Renten­faktoren zwischen 30 und 35 Euro zu.

Würden die Verträge der Modell­kunden heute fällig und die Rente begänne, bekämen sie von den meisten Versicherern, auch von der Allianz, mindestens 40 Euro Rente pro 10 000 Euro Vermögen. Der genannte Faktor gibt also nur ein Minimum an.

Außerdem ist eine andere, viel entscheidendere Größe unbe­kannt: Der Wert des Fonds­vermögens bei Ablauf. Ein vergleichs­weise hoher Renten­faktor sollte die Auswahl deshalb nicht bestimmen.

Hinzu kommt, dass der Vertrag auch mit einer einmaligen Auszahlung ausgehen kann, wenn der Kunde das möchte. Dann ist der Renten­faktor egal. Wir haben den garan­tierten Renten­faktor nicht bewertet.

Gute Informationen für die Kunden

Mit 10 Prozent ins Qualitäts­urteil floss die „Trans­parenz“ ein. Hier ging es uns darum, ob die Unterlagen, die den Kunden vor Vertrags­beginn ausgehändigt werden, so voll­ständig sind, dass sie ein Bild von den Leistungen der Police abgeben.

Die meisten Versicherer schnitten hier gut bis sehr gut ab. Wichtig war uns eine Tabelle, die durch­gängig für alle Vertrags­jahre zeigt, bei welcher Wert­entwick­lung wann welche Leistungen und Kosten anfallen. Nur so kann ein Kunde erkennen, wie die Kosten über die Lauf­zeit verteilt sind und wie viel er bei vorzeitigem Ausstieg verliert.

Zusätzlich haben wir auf gute Informationen über die angebotenen Investmentfonds geachtet. Hier sollte der Anbieter voll­ständige Listen mit allen Fonds und den zugehörigen laufenden Kosten, Risiken und Anla­geschwer­punkten vorlegen.

Vergleichs­weise schlecht informieren nur die Unternehmen HanseMerkur, Skandia, neue leben, und Münchener Verein.

Informationen während der Lauf­zeit

Ob und wie die Unternehmen ihre Kunden nach dem Vertrags­schluss über den Zwischen­stand ihrer Police informieren, haben wir nicht untersucht. Vor allem von Direktanbietern wissen wir aber, dass Kunden ihr Depot meistens laufend online über ein geschütztes Portal über­prüfen können. Eine gute Entscheidung beim Abschluss einer Police lässt sich weiter verbessern, wenn man seine Fonds­anlage regel­mäßig über­prüft.

Kürzlich schrieb uns ein Leser, er habe 2007 die gut bewertete Police der Hanno­verschen Leben abge­schlossen. In der Finanz­krise und danach habe er sich zusätzlich für seine Auswahl aus dem Fonds­angebot dieser Police an die laufenden Finanztest-Tipps gehalten. Sein Fazit: Wer eine fonds­gebundene Renten­versicherung abschließt, muss die Entwick­lung aktiv beob­achten und die Fonds­auswahl bei Bedarf recht­zeitig ändern.

Wir stimmen zu und sagen klar, eine Fonds­police ist nichts für Bequeme.

Dieser Artikel ist hilfreich. 2506 Nutzer finden das hilfreich.