Fonds­gebundene Renten­versicherung: Wenn Zweifel kommen

Rund 4,4 Millionen Menschen haben eine fonds­gebundene Renten­versicherung. Viele wären sie gern wieder los.

Die Deutschen haben sich offen­bar noch nicht von der Finanz­krise erholt. Ließen sie sich vorher auch ohne spezielle Kennt­nisse dazu hinreißen, eine Renten­versicherung mit Fonds zu kaufen, sind sie jetzt zurück­haltend. Die Versicherer spüren das.

Fonds­policen sind nicht grund­sätzlich schlecht, doch sie eignen sich nur für Leute, die dieses Investment aktiv gestalten und zwischen­durch auch schlechte Nach­richten verkraften. Wegen hoher Kosten sind nur wenige Angebote zu empfehlen, wie unser Test zeigt.

Witali Grabowski, 31 (Foto), schloss 2004 beim Versicherer Gerling eine Fonds­police ab. Die hohen Abschluss­kosten, die anfangs abge­zogen wurden, haben das Zwischener­gebnis verdorben. Doch Grabowski hat sie inzwischen bezahlt. Das Investment kann wachsen. Gut wäre, wenn er mit seinen Beiträgen immer die jeweils besten Fonds kauft.

Sebastian Jokmin, 29 (Foto), aus Hamburg war so unzufrieden mit seiner Police von der Skandia, begonnen 2004 , dass er sie kürzlich kündigte. Dabei waren die Fonds gut, und er hatte die Abschluss­kosten hinter sich. Jokmin hätte sein Geld wie Grabowski bei Wahl einer Einmalzahlung statt Rente steuerfrei bekommen. Erst bei Verträgen ab 2005 ist die Hälfte der Erträge dann steuer­pflichtig.

Rund 4 200 Euro zahlte der junge Mann über die Jahre ein. 1 900 Euro bekam er als Rück­kaufs­wert wieder. Er halte Fonds­policen nur noch ausnahms­weise für eine sinn­volle Sparform, schrieb er Finanztest.

Steuer­vorteil retten

Trotz unserer schlechten Noten für Fonds­policen ist ein Ausstieg selten zu empfehlen, besonders wenn der Vertrag wie bei Jokmin aus der Zeit vor 2005 stammt. Einem anderen Leser, der uns fragte, raten wir unbe­dingt, an seinen fünf Fonds­policen bei der Aspekta fest­zuhalten. Auch er schloss alle Verträge vor 2005 ab, einen für seine Frau, einen für seine Tochter, drei für sich selbst.

Statt vieler kleiner Policen wären vermutlich eine oder zwei größere besser gewesen, denn die Kosten sind in Klein­verträgen im Verhältnis meistens höher. Deswegen die steuerfreie Auszahlung der Policen aufzugeben, wäre aber falsch. Wer weiß schon heute, ob er später nicht doch eine Einmalzahlung statt einer Rente will? Nur bei Wahl einer Rente sind die Steuer­regeln vor und nach 2005 gleich günstig.

Außerdem hat auch der Familien­vater die Haupt­kosten inzwischen getilgt und kann jetzt verdienen. Die aktuelle Fonds­auswahl sollte er in Abständen kritisch über­prüfen.

Früher Wechsel

Bei Verträgen ohne den Steuer­vorteil kann sich manchmal auch ein Wechsel zu einer besseren Police lohnen, sogar nach vier Jahren noch. Das haben wir an einem Beispiel (siehe Tabelle „Manchmal lohnt sich der Wechsel doch“) errechnet.

Am ehesten kommt ein Wechsel aber für Verträge ab 2008 infrage. Die Versicherer dürfen ihre Abschluss­kosten seither nicht mehr anfangs komplett in Rechnung stellen. Sie müssen sie über fünf Jahre verteilen. Kündigt jemand nach zwei Jahren, hat er erst zwei Fünftel dieser Kosten bezahlt.

Nach mehr als fünf Jahren wird es auch künftig fast immer besser sein, selbst eine schlechte Fonds­police zu Ende zu führen, weil viele Kosten dann bezahlt sind. Es sei denn, das Fonds­angebot ist katastrophal.

Auch die kleinere Lösung, nicht weiter einzuzahlen (Beitrags­frei­stellung) ist keine Alternative. Die hohen Anfangs­kosten hat der Kunde nach fünf Jahren ebenfalls verloren. Vermehren kann sich im beitrags­freien Vertrag nur noch der kleine „Rück­kaufs­wert“.

Vor der Unter­schrift nach­denken

Am besten, man sucht sich gleich einen guten Vertrag aus und prüft vor allem, ob eine Fonds­police über­haupt das Richtige ist. Als Alters­vorsorge eignet sie sich nur in Ergän­zung zu sicheren Anlagen.

Zuerst sollte ein Riester-Vertrag kommen. Den gibt es als Bank- und Fonds­sparplan, als Renten­versicherung mit und ohne Fonds oder zum Bausparen. Über­all winken staatliche Zulagen und Steuer­vorteile und eine Garantie auf alle Einzahlungen – in diesem Fall selbst für die Fonds­verträge.

Danach wäre eine Betriebs­rente gut. Erst dann kommen andere Anlagen ins Spiel, auch eine Fonds­police.

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