Wer Indexfonds in seine Fonds­police steckt, muss sich wenig kümmern und segelt entspannt mit dem Markt.

Unser Test zeigt: Policen mit Fonds sind häufig teuer und unrentabel. Wer aber lange Zeit für eine Zusatz­rente sparen will, findet einzelne güns­tige Tarife mit guten Fonds.

Ärgerliche Kostenfalle oder Rendite­bringer für die Alters­vorsorge? Fonds­gebundene Renten­versicherungen, auch Fonds­policen genannt, sind umstritten. Zu teuer und zu unflexibel sind die meisten Angebote.

Ihr Prinzip ist schnell erklärt: Der Versicherungs­kunde spart mit Fonds für die Alters­vorsorge. Anders als bei einem flexiblen Fonds­sparplan kann er sein angespartes Vermögen später direkt in eine lebens­lange Rente umwandeln lassen. Der Unterschied zur klassischen Renten­versicherung: Der Kunde trägt das gesamte Anlagerisiko, hat aber auch höhere Rendite­chancen.

Viele Sparer haben in den vergangenen Jahren Fonds­policen abge­schlossen. Zum einen, weil Versicherungs­vertreter sie wegen hoher Provisionen gerne verkaufen, zum anderen sind Alternativen aktuell wenig attraktiv. Für Sparer, die das Anlagerisiko eingehen wollen und noch mindestens 20, besser 30 Jahre bis zum Renten­eintritt vor sich haben, kann eine güns­tige Fonds­police tatsäch­lich ein rendite­bringender Baustein in der Alters­vorsorge sein.

Kosten schmälern Rendite

Unsere Unter­suchung von 37 Angeboten zeigt aber, dass immer noch viele Verträge viel zu teuer sind. Selbst wenn die Fonds gut laufen und der Vertrag vor Kosten im Schnitt 6 Prozent Rendite abwerfen würde, käme bei einigen Verträgen bei einer Lauf­zeit von 30 Jahren nur knapp die Hälfte der Rendite beim Sparer an. Das ist zu wenig.

Doch es zeichnet sich ein positiver Trend ab: Bei immer mehr Tarifen lässt sich mit kostengüns­tigen börsen­gehandelten Indexfonds (ETF) sparen. Einige Anbieter haben ihre Kosten so weit im Griff, dass diese – Kosten von Versicherung und Fonds zusammenge­rechnet – das Ergebnis um weniger als 1 Prozent schmälern, kostengüns­tige Fonds voraus­gesetzt. Von 6 Prozent Rendite kommen hier 5 Prozent beim Sparer an.

Wer sich mit der Geld­anlage in Fonds auskennt und sich zutraut, das Produkt ohne Beratung abzu­schließen, findet etwa bei CosmosDirekt einen Vertrag, der im Vergleich sehr geringe Kosten hat und darüber hinaus eine große Fonds­auswahl bietet. Er kann aber nur im Internet abge­schlossen werden. Zwar sind hier, im Gegen­satz zu anderen Anbietern, die Trans­aktionen wie das Umschichten von Fonds nicht kostenfrei. Wer aber unserem Leitfaden links im Kasten folgt, muss nur sehr selten etwas ändern.

Beratung extra zahlen

Ebenfalls nur geringe Kosten haben Policen, die als sogenannte Nettotarife vertrieben werden. Hier bieten die Anbieter Interrisk und MyLife interes­sante Angebote. Diese Tarife gibt es nur bei Versicherungs­beratern und Honorarberatern, die keine Provisionen von den Anbietern nehmen. Bei diesen Nettotarifen werden die Kosten des Beraters nicht mit den Einzahlungen verrechnet. Kunden bezahlen die Beratungs­leistung direkt bei ihrem Berater. Dafür berät der Honorarberater im Ideal­fall im Sinne des Kunden – und nicht im Sinne der hohen Provisionen für sich selbst. Laut Verbund Deutscher Honorarberater (VDH) wird die Vergütung des Honorarberaters mit dem Kunden frei vereinbart. Im Durch­schnitt liegen die Kosten bei etwa 150 Euro die Stunde. Interes­sierte Sparer sollten in einem kostenlosen Erst­gespräch den Beratungs­bedarf abklären und sich darauf basierend einen Kosten­vor­anschlag geben lassen.

Renten­faktor als Minimum

Zur Berechnung der Rente werden die „Renten­faktoren“ genutzt, die schon bei Vertrags­abschluss fest­legen, wie viel Euro monatliche Rente Kunden mindestens pro 10 000 Euro Vertrags­guthaben bekommen.

Endgültig wird erst zu Beginn der Rentenzahlung fest­gelegt, mit welchem Renten­faktor das Guthaben umge­rechnet wird. Komplett über­raschen lassen müssen sich Kunden aber nicht. Die Anbieter nennen bei Abschluss garan­tierte Renten­faktoren, die nicht unter­schritten werden dürfen. Sie geben das Minimum an. Entwickelt sich der Renten­faktor positiv für die Kunden, bekommen sie eine höhere Rente.

Sparer, denen eine hohe, sichere Verrentung wichtig ist, sollten daher auf einen hohen Renten­faktor achten. Von den attraktiven Anbietern mit ETF-Angebot bieten Condor, DANV und Ergo für unseren Musterfall mit fast 32 Euro pro 10 000 Euro Vertrags­guthaben die höchste garan­tierte monatliche Mindest­rente für das Vermögen.

Viele Anbieter bieten jedoch garan­tierte Renten­faktoren, die kaum etwas bringen. Ein Renten­faktor von 25 bedeutet etwa: Erst nach über 33 Jahren Rentenbe­zug über­steigt die monatliche Rente das Vertrags­guthaben. Der Kunde muss hoffen, dass der Renten­faktor beim Renten­eintritt höher ist.

Fonds­sparplan meist erste Wahl

Wer sich für eine Fonds­anlage mit ETF entscheidet, kann zwischen einem Fonds­sparplan und einer Fonds­police wählen. Für die meisten Sparer ist der Fonds­sparplan die deutlich bessere Lösung: Nied­rige Kosten schmälern die Rendite kaum. Außerdem sind Sparpläne sehr flexibel: Wer eigentlich für die Alters­vorsorge spart, sich aber dann doch für einen Hauskauf entscheidet, kann seine Fonds immer problemlos verkaufen und über das Geld verfügen.

Allerdings: Ein Alters­vorsorgepro­dukt im eigentlichen Sinne ist ein Fonds­sparplan nicht. Sparer können mit ihm einfach und flexibel ein Vermögen aufbauen. Eine lebens­lange Rente können sie aus dem Sparplan nicht ziehen. Dazu müssten sie ihr Vermögen in eine Renten­versicherung umwandeln, was neue Kosten verursacht.

Mit einer Fonds­police geht das in einem Produkt. Der Kunde kann über Jahr­zehnte in rendite­starken Fonds für seine Alters­vorsorge sparen und sich dann das Vermögen ohne Steuer­abzüge und neue Kosten in eine monatliche Rente umrechnen lassen. Wer aber vor Vertrags­ende aussteigen muss, hat meist ein schlechtes Geschäft gemacht.

Stür­mische Zeiten kommen an Aktienmärkten vor. Sparer sollten sie aussitzen.

Steuererspar­nisse

Der Staat fördert Alters­vorsorgepro­dukte, die eine monatliche Rente vorsehen. Das macht auch Fonds­policen attraktiver.

Ein großer Vorteil ist, dass während der Anspar­phase im Versicherungs­mantel keine Steuern auf die Erträge der Fonds anfallen. Dadurch kann sich der Zinseszins-Effekt ungehindert entfalten. Beim Sparplan werden für Erträge jedes Mal 25 Prozent Abgeltung­steuer plus Soli fällig, wenn der jähr­liche Sparerpausch­betrag von 801 Euro über­schritten ist. Das ist nach vielen Jahren des Sparens bei vernünftiger Rendite nicht unüblich. Auch werden Steuern auf Kurs­gewinne fällig, wenn der Sparer Aktienfonds verkauft, um sie in sichere Rentenfonds umzu­schichten. Diese Steuern fallen bei Fonds­policen weg.

Vorteilhaft ist die steuerliche Behand­lung auch, wenn es zur Auszahlung kommt. Wählt der Kunde die Kapital­auszahlung, muss er nur die Hälfte der Erträge zum persönlichen Steu­ersatz versteuern. Dieser liegt gerade im Renten­alter häufig vergleichs­weise nied­rig. Voraus­setzung ist, dass der Kunde mindestens 62 Jahre alt ist und der Vertrag mindestens zwölf Jahre lief. Steuerlich noch güns­tiger kommt der spätere Rentner bei einer monatlichen Rentenzahlung weg. Dabei wird nur der sogenannte Ertrags­anteil versteuert. Dieser sinkt mit dem Renten­eintritts­alter. Für einen 67-Jährigen beträgt er nur 17 Prozent.

Falls der Inhaber der Versicherung während der Anspar­phase stirbt, ist die Auszahlung des Fonds­wertes an die Hinterbliebenen steuerfrei.

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