In der Finanzkrise merken viele Kunden, dass sie statt einer sicheren Lebens­versicherung eine riskante Fondspolice haben.

Die Beispielrechnungen überzeugten. Kurz vor seinem Ruhestand wollte Detlef Störl noch rasch ein kleines Vermögen sparen. Dafür schien das Angebot, das der damals 59-Jährige von dem Makler Moneymaxx erhielt, genau das Richtige. Was ihm aber nicht klar war: Er schloss eine Kapitallebensversicherung ab, die sein Geld in Fonds investiert. Eine Garantie gibt es hier nicht, und er selbst trägt das volle Anlagerisiko. Geködert wurde er mit attraktiven Vergangenheitswerten des Fondsinvestments.

Nach zehn Jahren Vertrag hat Detlef Störl hohe Kosten und Gebühren an den Versicherungsmakler gezahlt. Bis Dezember 2008 waren es insgesamt 1 235 Euro von bis dahin überwiesenen 5 726 Euro. Das sind knapp 22 Prozent.

Sein Guthaben belief sich zu diesem Zeitpunkt statt auf einst avisierte rund 8 800 Euro auf nur 3 100 Euro. Der aktuelle Rückkaufswert, den Störl bei einer Kündigung des Vertrags erhalten würde, betrug 3 300 Euro. Der Ruheständler ist entsetzt: „Das geht doch nicht mit rechten Dingen zu!“

Leider doch. Hohe Vertragskosten sind ärgerlich, aber nicht verboten, und das Fondsinvestment in Störls Vertrag ist nicht schlechter als viele. Der ausgewählte Fonds ging nur wie alle Aktieninvestments derzeit in den Keller.

In welche Fonds genau sein Geld fließt, ist für Störl aus den Unterlagen nicht zu ersehen. Das konnte Finanztest erst durch Nachfrage bei Moneymaxx klären.

Am Bedarf vorbei

Die „exorbitanten“ Renditechancen führte auch ein von einem Freund empfohlener Versicherungsvertreter ins Feld, als er ­Susanne Fettweiß eine über 34 Jahre lau­fende Fondspolice aufschwatzte. Fünfmal besuchte er die Kölnerin 2004, bis sie den ­Vertrag unterschrieb.

Beim ersten Besuch hatte der Vermittler der damals 41-jährigen Tonassistentin eine „Versorgungslücke“ im Alter ausgerechnet, die sie angeblich nur mit einer monat­lichen Sparrate von 300 Euro bis zum ­Ruhestand füllen könne. Weil das Susanne Fettweiß zu viel Geld war, präsentierte der Vermittler flugs eine Alternative: Sie käme mit 150 Euro hin, wenn sie auf eine ertragsstarke fondsgebundene Lebensversicherung setze. Und sie erhalte eine Wahlmöglichkeit, sodass ihr Vertrag auch bis zu ihrem 75. Lebensjahr laufen könne.

Die 34 Jahre Laufzeit wurden allerdings fester Bestandteil, wie Susanne Fettweiß später bemerkte: „Ich habe bei dem Mann noch zwei andere Versicherungen abgeschlossen. Mir fiel in dem Durcheinander nicht auf, wie endlos der Vertrag läuft.“

Bald ärgert sie sich. In den ersten zehn Jahren ihres Ruhestands würde sie weiter Beiträge einzahlen müssen, statt über eine zusätzliche Geldsumme zu verfügen. Als Fettweiß eine kaufmännische Umschulung macht, rechnet sie ihren Vertrag durch: „Gute Fonds, aber Kosten über Kosten.“

Mitte 2008, kurz vor dem Aktiensturz, kündigt Fettweiß die Police. 2 055 Euro von etwa 8 000 Euro bekommt sie zurück. Ihr Fazit: „6 000 Euro in den Sand gesetzt.“

Enttäuschte Kunden

Susanne Fettweiß schämt sich für ihre Naivität. Detlef Störl ist es peinlich, dass ihm vor zehn Jahren nicht einmal auffiel, dass er in eine Aktienfondspolice investierte. Auch ein Ehepaar, das sich an Finanztest wandte und anonym bleiben will, kann heute nicht mehr nachvollziehen, was es auf Anraten eines „Finanzexperten“ tat: Um ein Haus zu finanzieren, zahlen die beiden in eine ausländische Fondspolice ein, statt mit dem Tilgen des Kredits zu beginnen.

Ein Hauskauf per Lebensversicherung ist schon mit einem klassischen Produkt riskant. Dabei ist zwar ein Garantiezins auf den Sparanteil sicher. Bei neuen Verträgen beträgt er 2,25 Prozent. Doch erst per Überschussbeteiligung kann daraus eine gute Geldanlage werden.

Die Überschussbeteiligung ist niemals sicher. In den letzten Jahren ging sie bei den Lebensversicherern stetig bergab. Die aktuelle Finanzkrise wird die Situation nicht verbessern. Bei der Ablösung einer Kreditsumme aber auf hohe Erträge von Fonds zu setzen, ist geradezu fahrlässig.

Meistens Mittelmaß

Weil die Börsen gut liefen, haben sich Fondspolicen in den letzten Jahren sehr gut verkauft. Für gut abgesicherte, gutverdienende Sparer kann eine „gute“ Fondspolice manchmal aus steuerlichen Gründen auch interessant sein. Theoretisch können Kunden hier in überdurchschnittliche und stark überdurchschnittliche Fonds investieren und steuerfrei wechseln. Abgeltungsteuer fällt nicht an.

Doch meist sind die Angebote zu teuer oder bieten zu schlechte Fonds, wie unsere Untersuchungen von Rentenversicherungen mit Fonds zeigte. Keines der 127 Angebote in unserem Test im September 2007 erhielt ein „Sehr gut“. Die meisten waren bezüglich Kosten, Anlagemöglichkeit und Transparenz Mittelmaß oder schlechter.

Fondsgebundene Lebens- oder Rentenversicherungen sind ein Kombiprodukt aus Risikolebens- oder Rentenversicherung und Fondssparplan. Die Sparanteile des Beitrags werden in einem oder in mehreren Investmentfonds angelegt. Dieses Vermögen wird von externen oder konzerneigenen Kapitalanlagegesellschaften verwaltet und in einem gesonderten Anlagestock der Versicherer geführt.

Die Fonds, in die das Geld der Kunden in der Ansparphase fließt, investieren vor ­allem in Aktien, aber auch in Anleihen oder Immobilien. Weil die Wertentwicklung nicht vorhersehbar ist, wird keine feste Mindestauszahlung garantiert. Bei guter Wertentwicklung der gewählten Fonds winken hohe Gewinne, bei schlechter Verluste.

Wer wenig Geld hat, sollte keine Fondspolice abschließen. Niedrige oder unregelmäßige Einnahmen vertragen sich nicht mit der meist langjährigen Zahlungspflicht. Das gilt auch für die klassische Variante einer ansparenden Lebensversicherung. Denn klamme Kunden können auch hier nicht wissen, ob sie die vereinbarten Beiträge immer aufbringen können. Steigen sie aus, drohen Verluste.

Bei den Fondsvarianten der Lebensversicherungen kommt hinzu, dass die Höhe der Auszahlung völlig unsicher ist. Hinter vorgehaltener Hand geben sogar Versicherungslobbyisten zu, dass das mit Altersvorsorge nichts mehr zu tun hat.

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