Fondsbeteiligungen Meldung

Am Bahnhof Zoo in Berlin soll sich schon ab 2009 ein Riesenrad drehen und für Privatinvestoren attraktive Renditen einfahren.

Langfristige Beteiligungen an geschlossenen Fonds wie dem Riesenrad-Projekt sind riskant. Wer ordentlich prüft, kann das Risiko senken und im besten Fall eine gute Rendite einfahren.

Die Berliner sind umtriebig: Wenn etwas los ist, machen sie sich auf den Weg. Erfreulich schätzt ein Gutachten im Auftrag des Berliner Senats die Aussichten ein, mit einem Riesenrad am Bahnhof Zoo nicht nur Touristen, sondern auch Hunderttausende Berliner anzulocken. 2 Millionen Besucher pro Jahr sollen ab Ende 2009 für etwa 10 Euro Riesenrad fahren.

Wer will, kann damit selbst Geld verdienen und ab einem Betrag von 10 000 Euro über die Beteiligungsgesellschaft Great Berlin Wheel GmbH & Co. KG für knapp zwölf Jahre mit am ganz großen Rad drehen. Denn das Riesenrad in Berlin und drei weitere in China und Dubai werden mithilfe eines geschlossenen Fonds der DBM Fonds Invest finanziert.

Die DBM Fonds Invest ist eine Tochter der Privatbank Delbrück Bethmann Maffai, die zur ABN Amro Gruppe gehört. Bis Mitte 2007 will sie für die Riesenräder zwischen 250 und 300 Millionen Euro zusammenbekommen. Dann soll der Fonds geschlossen werden, neue Anteile werden nicht mehr ausgegeben.

Läuft alles wie geplant, bringen die Aussichtsräder den Anlegern viel Geld. Mindestens das Doppelte ihrer Einzahlung sollen sie Ende 2018 zurückerhalten. Obendrauf soll es eine schöne Rendite von 10,2 Prozent im Jahr nach Steuern geben.

Doch was sich gut anhört, ist nicht ohne Risiko für Anleger. Wie bei jedem geschlossenen Fonds, egal ob Immobilien-, Schiffs-, Film-, Wind-, Solar- oder Private-Equity-Fonds, handelt es sich um eine unternehmerische Beteiligung. Anleger werden Mitunternehmer und sind nicht nur an Gewinnen, sondern auch an Verlusten ihrer Anlagegesellschaft beteiligt.

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt, heißt also die Devise bei geschlossenen Fonds. Finanztest empfiehlt Anlegern deshalb, nur einen sehr kleinen Teil ihres Vermögens zu investieren. So sind mögliche Verluste besser zu verkraften. Außerdem sollten sie Anbieter und Fonds einem einfachen Risikocheck unterziehen.

Auf vergangene Erfolge schauen

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In Peking finanzieren Anleger das weltgrößte Riesenrad. Es geht zur Olympiade 2008 in Betrieb.

Die kleine Prüfung beginnt mit einem Blick in die Leistungsbilanz, die Anleger sich vom Initiator schicken lassen. Hat der Anbieter in der Vergangenheit alle Fondsprojekte erfolgreich zu Ende gebracht, ist das ein gutes Zeichen.

Riesenradinitiator DBM Fonds Invest landet beim Finanztest-Risikocheck nur in der mittleren Risikoklasse. Denn 2 von 23 geschlossenen Fonds liefen schlechter als geplant.

Läuft ein Fonds schlecht, können Anleger nicht einfach aussteigen. Geschlossene Fonds sind fast immer langfristige Anlagen, die erst am Ende der Laufzeit gekündigt werden können. Wer vorher aussteigt, muss mit hohen Verlusten rechnen.

Zwar gibt es Zweitmärkte für Anteile an geschlossenen Fonds. Doch längst nicht jedes Angebot wird dort gehandelt. Und gehandelte Fonds lassen sich – wenn sie schlecht laufen – meist gar nicht oder nur mit großen Verlusten verkaufen.

Geld für unbekannte Investitionen

Viele geschlossene Fonds sind „Blindpools“. Anleger wissen bei Vertragsbeginn nicht, in welche Immobilien, Schiffe oder Filme ihr Geld gesteckt wird. Beim Riesenradfonds ist nur das Projekt in Peking genehmigt, die Räder für Berlin, Tsingtao und Dubai sind erst in der Planung. Es können noch viele Probleme auftreten.

Initiatoren sprechen gerne von einer Vertrauensinvestition in den Vorstand der Gesellschaft. Doch längst nicht jeder Vorstand hat ein Händchen bei Auswahl und Umsetzung geplanter Investitionen.

Gut ist es, wenn ein Fonds in mehrere Objekte investiert und das Risiko wie der Riesenradfonds auf vier Standorte verteilt.

Die Riesenräder sollen vollständig mit dem Eigenkapital finanziert werden, das von den Anlegern kommt. Andere Fonds wollen ihre Investitionsobjekte überwiegend auf Pump bezahlen. Je höher der Anteil von Krediten an der Investitionssumme, desto riskanter ist die Beteiligung.

Anbieter werben um Vertrauen, indem sie Garantien geben, auch für den Riesenradfonds. Die Garantiegeber springen ein, falls der Fonds schlecht läuft. Anleger denken dann, dass mit ihrer Geldanlage nichts passieren kann. Doch das klappt nur, wenn der Garant auch zahlen kann.

Das Beispiel der Landesbank Berlin (LBB) zeigt, dass auf Garantien nicht unbedingt Verlass ist. Die LBB gab in den 90er Jahren für zahlreiche Immobilienfonds eine Mietgarantie über 25 Jahre und eine Rückkaufgarantie zum Nominalwert der Anlage aus. Inzwischen bot sie 53 000 Anlegern einen Rückkauf ihrer Anteile zu weit schlechteren Konditionen an.

Auf die Kosten achten

Auch bei den Kosten müssen Fondskäufer genau hinsehen. Mehr als 12 Prozent inklusive Verwaltungsgebühr (Agio) sollten sie nicht betragen. Der DBM Fonds Invest zieht 12,2 Prozent der Anlagesumme als Sofortgebühr ab und liegt damit knapp über der akzeptablen Quote. Die laufenden Kosten liegen mit rund 0,4 Prozent im Normalbereich, der bei 0,5 Prozent liegt.

Leider ist es für Anleger schwer, die einzelnen Kostenpositionen etwa für Beratung, Prospektherstellung, Geschäftsführung, Verwaltung und für Vergütungen an Konzerntöchter zusammenzurechnen. Die Angaben werden in den Prospekten über viele Seiten verteilt. Zudem vergessen Anbieter gern das Agio, eine Art Abschlussgebühr, mit zu den Kosten zu zählen.

Überhaupt sind die Kosten für geschlossene Fonds meist höher als bei anderen Geldanlagen. Das liegt vor allem an den hohen Provisionen, die Anbieter an die Vermittler der Fonds zahlen und deren Höhe sie im Prospekt oft verschweigen. Aber auch die Honorare, die sich das Fondsmanagement genehmigt, sind nicht ohne. So kassierte die Münchner Fondsgesellschaft Europleasing 110 000 Euro pro Monat für ihre Geschäftsführung, bevor die Fondsinitiatorin insolvent wurde.

„Europleasing ist kein Einzelfall“, sagt Wirtschaftsdetektiv Medard Fuchsgruber aus Ottweiler. „In diesem Anlagebereich herrscht Selbstbedienungsmentalität, da es keine staatliche Kontrolle gibt.“

Tatsächlich hilft die 2005 eingeführte Prospektprüfung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht Anlegern wenig. Die Aufsicht kontrolliert lediglich formal, ob die nötigen Angaben im Prospekt stehen. Ob sie wahr sind und die Qualität des Fonds stimmt, prüft sie nicht.

Risiken im Prospekt lesen

Anbieter müssen im Prospekt ähnlich wie Pharmaunternehmen auf Risiken und Nebenwirkungen hinweisen. Auch wenn Berater erklären, die stünden nur für den Fall der Fälle dort, sollten Anleger das nicht glauben und das Kapitel ernst nehmen.

Denn der Fall der Fälle ist bei geschlossenen Fonds oft schneller da als gedacht. Das mussten zuletzt Anleger der Münchner Falk-Gruppe erleben, als ein Immobilienfonds nach dem anderen Pleite ging. Und auch wer im Riesenrad-Projekt des DBM Fonds Invest einsteigt, sollte schwindelfrei sein. Anleger gehen hier unterm Strich immerhin ein mittleres Risiko ein.

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