Investment­steuerreform

So funk­tioniert die Vorabpauschale

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Investment­steuerreform - Das müssen Sie über die Fonds­steuer wissen
© Getty Images / Voitus

Anfang 2019 wurde zum ersten Mal die Steuer auf die neue Vorabpauschale abge­zogen. test.de hat sich bei den Banken und Fonds­gesell­schaften umge­hört, wie sie dabei vorgehen, und sagt, was Anleger jetzt wissen müssen.

Berechnung der Vorabpauschale

Für Fonds, die keine oder nur geringe Erträge ausschütten, wird seit 2019 ein fiktiver Betrag versteuert, die sogenannte Vorabpauschale. Die Höhe der Vorabpauschale ergibt sich aus dem Wert des Fonds­anteils zum Jahres­beginn , multipliziert mit 70 Prozent des Basiszinses. Für 2018 betrug dieser 0,87 Prozent. Hier eine Beispiel­rechnung.

Berechnung von Vorabpauschale und Steuer

Wert des Aktienfonds­anteils am 1.1.2018

20 000 Euro

Wert des Aktienfonds­anteils am 31.12.2018

20 500 Euro

Wert­steigerung

500 Euro

Vorabpauschale

Vorabpauschale (20 000 x 0,0087 x 0,7)

121,80 Euro

Zu versteuernder Betrag nach 30 Prozent Teilfrei­stellung

85,26 Euro

zu zahlende Abgeltung­steuer plus Soli (26,375 Prozent)

22,49 Euro

Basiszins: 0,87 Prozent. Keine Ausschüttungen . Sparerpausch­betrag bereits verbraucht.

Die Vorabpauschale wird jedoch nur angesetzt, wenn sie geringer als die Wert­steigerung ist, die der Fonds inner­halb des Jahres erzielt. Vorteil: Hat der Fonds keinen Wert­zuwachs, entstehen für das Jahr weder Vorabpauschale noch Steuern. Ist die entsprechende Teilfrei­stellung berück­sichtigt, fallen auf den Endbetrag Abgeltung­steuer und Soli an. Zahlt ein Fonds Erträge teil­weise an Anleger aus und spart nur den Rest im Vermögen an, mindern Teil­ausschüttungen die Vorabpauschale maximal bis auf 0 Euro.

Übrigens: Sie zahlen nicht die Vorabpauschale ans Finanz­amt, vielmehr ist die Vorabpauschale die Grund­lage für die Besteuerung!

Deutsche Depot­banken führen Steuern ans Finanz­amt ab

Den Steuer­abzug nimmt die depotführende Stelle vor. Das Problem: Anders als bei einer Ausschüttung der Erträge durch den Fonds fließt bei der Berechnung der fiktiven Erträge kein Geld. Banken und Fonds­gesell­schaften müssen sich die Mittel für den Steuer­abzug daher erst beschaffen. Die einzelnen Institute gehen dabei unterschiedlich vor, wie Finanztest in einer Umfrage heraus­gefunden hat.

Filial­banken und Direkt­banken

Sparkassen, Volks- und Raiff­eisen­banken sowie Commerz­bank, Deutsche Bank, Hypo­ver­eins­bank, Post­bank und Targo­bank buchen die Steuer vom Verrechnungs­konto des Depots ab – zum Teil funk­tioniert das auch mit Konten bei fremden Instituten. Die Direkt­banken Comdirect, Consors­bank, DKB, ING-Diba, Maxblue und Onvista Bank buchen ebenfalls vom Verrechnungs­konto ab.

Nicht wegen der Steuer ins Minus rutschen

Wenn Anleger kein Geld auf dem Konto haben, kann es sein, dass die Banken sie anschreiben und sie bitten, für Deckung zu sorgen. Die Banken können die Steuer auch inner­halb eines einge­räumten Disporahmens abbuchen. Wenn die depotführende Stelle das Geld für die Steuer nicht beschaffen kann, meldet sie es dem Finanz­amt.

Tipp: Der Abbuchung aus dem Dispo können Sie vorab wider­sprechen.

Fonds­banken und Fonds­gesell­schaften

Die Fonds­gesell­schaft Deka bucht die Steuer ebenfalls von einem Konto ab. Union Investment und DWS verkaufen Fonds­anteile. Die Fonds­bank Ebase verkauft ebenfalls Fonds­anteile. Auch die Fonds­depot­bank macht das, alternativ können Anleger hier jedoch Konto­abbuchung vereinbaren.

Tipp: Der Verkauf von Fonds­anteilen ist ärgerlich, wenn man sie zuvor mit Ausgabe­aufschlag gekauft hat. Bei Union können Sie den abge­zogenen Betrag in der Regel binnen sechs Wochen kostenlos wieder anlegen. Bei der DWS können Sie für den Steuer­abzug zum Beispiel einen Geldmarkt­fonds ohne Ausgabe­aufschlag einrichten.

Frei­stellungs­auftrag für die depotführende Stelle

Es gibt nur eine Möglich­keit zu verhindern, dass für den Steuer­abzug unter Umständen Fonds­anteile verkauft werden: Sparer müssen ihrer depotführenden Stelle einen Frei­stellungs­auftrag erteilen. Nur dann zieht sie keine Steuern von Dividenden oder Gewinnen ab, solange der Sparerpausch­betrag von 801 Euro (1 602 Euro für Ehepaare) nicht ausgeschöpft ist.

Tipp: Wer keinen Frei­stellungs­auftrag erteilt, obwohl sein Pausch­betrag nicht ausgeschöpft ist, kann zu viel gezahlte Steuer über die Steuererklärung zurück­holen.

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Profilbild Stiftung_Warentest am 07.06.2022 um 09:59 Uhr
Sparerpauschbetrag jährlich nutzen

@Helmut.K: Wer den jährlichen Sparerpauschbetrag nutzen möchte, um Fondserträge im Veranlagungsjahr freizustellen, muss diese im Veranlagungsjahr selbst erzielen. Das kann über die Ausschüttung der Erträge oder den Verkauf von Fondsanteilen im Veranlagungsjahr selbst geschehen oder über die Versteuerung der Vorabpauschale für thesaurierte Erträge des Vorjahres. Eine nicht genutzte Steuerfreistellung kann nicht in zukünftige Veranlagungszeiträume übertragen werden.
Liegt beim Verkauf eines thesaurierenden Fonds die zu bezahlende Abgeltungssteuer auf die tatsächlich erzielten Erträge über der Höhe der Steuervorauszahlungen für die Vorabschale, ist die Differenz zu versteuern (wenn die Fondserträge insgesamt im Verkaufsjahr über dem Sparerpauschbetrag liegen).
Ob das allein ein Grund dafür ist, den Kauf ausschüttenden Fonds vorzuziehen, ist fraglich. Zwei Gründe können dagegensprechen.
- Nicht immer ist die Wiederanlage der Ausschüttungen kostenfrei. Erneute Ausgabeaufschlägen können den Vorteil wieder zu Nichte machen.
- Jahr für Jahr müssen sich die Anleger um die Wiederanlage kümmern. So bequem wie die Pantoffelstrategie von Finanztest ist das nicht mehr: www.test.de/pantoffelmethode

Helmut.K am 05.06.2022 um 22:39 Uhr
Sind ausschüttende Fonds steuerlich günstiger ?

Wenn ich den Artikel zur Fondsbesteuerung richtig verstanden habe, werden thesaurierende Fonds mit einer Vorabpauschale belegt und besteuert, die oft niedriger ist als die tatsächlich thesaurierten Erträge. Beim Verkauf des Fonds werden die tatsächlichen thesaurierten Erträge ermittelt und besteuert.
Bei ausschüttenden Fonds wird hingegen jährlich der tatsächliche Ertrag besteuert.
Also kommt bei thesaurierenden Fonds der große "Steuerhammer" erst beim Verkauf , gemindert um die auf die Vorabpauschalen gezahlte Steuervorauszahlungen, die mutmaßlich zu niedrig angesetzt sind.
In dem Verkaufsjahr kann der Sparerpauschbetrag bei einem thesaurierenden Fonds daher m.E. leicht überschritten werden.
Unter steuerlichen Aspekten gesehen wären ausschüttende Fonds also günstiger als thesaurierende Fonds. Stimmt meine Überlegung?
Wird beim Verkauf von thesaurierenden Fonds der Sparerpauschbetrag berücksichtigt, den man in den Jahren vor dem Verkauf hinterlegt hatte ?

Profilbild Stiftung_Warentest am 27.12.2021 um 14:01 Uhr
Abgeltungsteuer auf Vorbpauschale

@klauskschulz: Bitte beachten Sie, dass die Abgeltungssteuer auf die Vorabpauschale nicht den Wertzuwachs des Fonds im laufenden Jahr besteuert, sondern nur einen Ersatz für die Besteuerung der unterjährig thesaurierten Erträge. Die thesaurierten Erträge liegen bei steigenden Kursen in der Regel weit unter den Kursgewinnen. (Für im Veranlagungsjahr 2021 erzielte Thesaurierungen fällt keine Abgeltungssteuer auf die Vorabpauschale an, weil der Basiszinssatz negativ ist.)
Ein Ertrag kann nur einmalig thesauriert werden. Die Erträge, die der Fonds thesauriert, stammen zum Beispiel aus den Dividendenzahlungen der gehaltenen Aktien. Es handelt sich dabei nicht um den Kursgewinn des Fonds aufgrund des Wertzuwachses an der Börse.
Die Abführung der Abgeltungssteuer auf die Vorabpauschale stellt nur eine Steuervorauszahlung statt. Beim Verkauf des Fonds wird die bezahlte Abgeltungssteuer vom Betrag der tatsächlich zu zahlen Abgeltungssteuer abgezogen. Zuvor wird aufgrund der tatsächlichen Höhe der Thesaurierungen und der tatsächlichen Kursgewinnen die Steuerschuld berechnet.

klauskschulz am 20.12.2021 um 18:43 Uhr
Mehrfache Besteuerung

Leider habe ich noch nicht verstanden, wie die Besteuerung funktioniert wenn der Wert in einem Jahr zunimmt, im folgenden Jahr wieder sinkt und im darauffolgenden Jahr wieder steigt.
Folgendes Beispiel:
- Im 1. Jahr findet eine Wertsteigerung von 500 € statt. Daraus errechnet sich die Vorabpauschale mit der entsprechend zu zahlenden Abgeltungssteuer.
- Im 2. Jahr ergibt sich jedoch ein Wertverlust von 500 €. Folglich fällt somit keine Abgeltungssteuer an.
- Im 3. ergibt sich nun wieder eine Wertsteigerung von 500 €.
Wenn nun dafür aber wieder Abgeltungssteuer fällig wird, würde dies doch bedeuten, dass für die dieselbe Wersteigerung 2 mal Steuern berechnet würden.

Profilbild Stiftung_Warentest am 17.08.2021 um 17:24 Uhr
Teilfreistellung + Familienversicherung

@Clockwork79: Nein. Für die Berechnung, ob ein familienversichertes Mitglied zu viel verdient, um weiterhin kostenfrei familienversichert zu sein, bleibt die Teilfreistellung von Kapitaleinnahmen für die Ermittlung der Summe der Einkünfte (nach § 2 Abs. 5 a EStG, GKV Spitzenverband Grundsätzliche Hinweise Gesamteinkommen im Rahmen der Prüfung der Voraussetzungen der Familienversicherung vom 12 Juni 2019, Seite 9) außen vor.