Investment­steuerreform

Steuer­änderungen beachten beim Sparen für Enkel

271
Investment­steuerreform - Das müssen Sie über die Fonds­steuer wissen
© Getty Images / Jacobs Stock Photography Ltd

Sparen für die Enkel ist gar nicht so einfach. Hier beant­worten die Experten von Finanztest eine Leserfrage, die sicherlich viele Sparer beschäftigt: „Ich habe für meinen Enkel einen Wert­papiersparplan eröffnet und spare jähr­lich gut 1 000 Euro auf einen ETF, der auf den MSCI World setzt. Nun frage ich mich: Muss mein Enkel tatsäch­lich eine Steuererklärung machen? Ändert sich ab 2018 etwas daran?“

Die Pflicht zur Steuererklärung

Grund­sätzlich lautet die Antwort auf die erste Frage: Ja, für 2017 gibt es bei dieser Anlageform noch eine Pflicht zur Steuererklärung. Der Hintergrund: Wer Kapital­einkünfte hat, muss diese versteuern – und zwar unabhängig davon, wie alt er ist. Bei dem ETF Ihres Enkels handelt es sich um einen ausländischen thesaurierenden Fonds. Bislang hat das Finanz­amt gar nicht gemerkt, dass bei diesen ETF Steuern angefallen sind, nämlich für die Erträge, die der Fonds nicht ausgeschüttet, sondern wieder­angelegt (thesauriert) hat. Wichtig ist für Sie: Wem gehört das Depot – Ihnen oder Ihrem Enkel? Davon hängt ab, was Sie tun müssen.

Auf wen läuft das Depot?

Wenn Sie auf Ihren Namen für den Enkel sparen und über die Verwendung der Erträge entscheiden, sind es Ihre Einkünfte, die Sie versteuern müssen. Sie geben diese in der Anlage KAP Ihrer Steuererklärung an. Läuft das Depot dagegen auf den Namen des Enkels und er kann jeder­zeit entscheiden, was er damit macht, sind es seine. In diesem Fall müssen Sie das Finanz­amt davon über­zeugen, dass das Vermögen wirk­lich Ihrem Enkel gehört und Sie nicht auf diesem Wege Erträge verschleiern wollen. Dazu setzen Sie einen Schenkungs­vertrag auf und erklären darin, dass alle Erträge einzig dem Enkel gehören und Sie diese auch nicht irgend­wann zurück­fordern werden.

Eine Nicht­ver­anlagungs­bescheinigung muss her

Wenn die Erträge Ihrem Enkel gehören, können Sie verhindern, dass auto­matisch Steuern abge­zogen werden. Das klappt auch 2018 noch auf dieselbe Weise. Bitten Sie die Eltern Ihres Enkels, eine sogenannte Nicht­ver­anlagungs­bescheinigung (NV-Bescheinigung) beim Finanz­amt zu beantragen und legen Sie diese der Bank vor. Die Bescheinigung bekommen alle, die so geringe Einkünfte haben, dass sie keine Steuern zahlen müssen. Im Jahr 2017 bleiben inklusive Sparerpausch­betrag und Sonder­ausgabenpauschale bis zu 9 657 Euro steuerfrei. Die NV-Bescheinigung gilt für bis zu drei Jahre. Sie brauchen dann auch keinen Frei­stellungs­auftrag bei der Bank mehr zu beantragen und Ihr Enkel muss auch keine Steuererklärung machen.

Das Problem bei thesaurierenden Fonds

Nun zu Ihrer zweiten Frage: Die NV-Bescheinigung für Ihren Enkel bleibt auch 2018 wichtig. Ohne sie passiert sonst nämlich folgendes: Anders als bisher behält die Bank ab 2018 auto­matisch Steuern für wieder­angelegte Erträge des ETF ein. Das Problem: Bei einem thesaurierenden Fonds gibt es keine Ausschüttungen, von denen einfach Steuern abge­zogen werden können. Ersatz­weise wird die so genannte Vorabpauschale besteuert (so funktioniert die Vorabpauschale).

271

Mehr zum Thema

  • Fonds­besteuerung Abrechnungen verstehen, Gewinne ermitteln

    - Seit 2018 gilt neues Recht bei der Besteuerung von Investmentfonds. Viele Anleger verstehen seitdem ihre Abrechnungen nicht mehr. Wir erklären sie Schritt für Schritt.

  • Sparen für Kinder Warum sich Anlegen für den Nach­wuchs gerade jetzt lohnt

    - Es ist die Frage, die sich die meisten Eltern irgend­wann stellen: Was ist die beste Geld­anlage für Kinder? Die Experten von Finanztest empfehlen eine einfache Mischung.

  • Zins­erträge Diese Banken tricksen bei den Zinsen

    - Manche Lese­rinnen und Leser wundern sich vielleicht, warum relativ attraktive mehr­jährige Fest­geld­angebote bestimmter Banken nicht in unserem Festgeldvergleich...

271 Kommentare Diskutieren Sie mit

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Bitte melden Sie sich an. Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice.

Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Profilbild Stiftung_Warentest am 07.06.2022 um 09:59 Uhr
Sparerpauschbetrag jährlich nutzen

@Helmut.K: Wer den jährlichen Sparerpauschbetrag nutzen möchte, um Fondserträge im Veranlagungsjahr freizustellen, muss diese im Veranlagungsjahr selbst erzielen. Das kann über die Ausschüttung der Erträge oder den Verkauf von Fondsanteilen im Veranlagungsjahr selbst geschehen oder über die Versteuerung der Vorabpauschale für thesaurierte Erträge des Vorjahres. Eine nicht genutzte Steuerfreistellung kann nicht in zukünftige Veranlagungszeiträume übertragen werden.
Liegt beim Verkauf eines thesaurierenden Fonds die zu bezahlende Abgeltungssteuer auf die tatsächlich erzielten Erträge über der Höhe der Steuervorauszahlungen für die Vorabschale, ist die Differenz zu versteuern (wenn die Fondserträge insgesamt im Verkaufsjahr über dem Sparerpauschbetrag liegen).
Ob das allein ein Grund dafür ist, den Kauf ausschüttenden Fonds vorzuziehen, ist fraglich. Zwei Gründe können dagegensprechen.
- Nicht immer ist die Wiederanlage der Ausschüttungen kostenfrei. Erneute Ausgabeaufschlägen können den Vorteil wieder zu Nichte machen.
- Jahr für Jahr müssen sich die Anleger um die Wiederanlage kümmern. So bequem wie die Pantoffelstrategie von Finanztest ist das nicht mehr: www.test.de/pantoffelmethode

Helmut.K am 05.06.2022 um 22:39 Uhr
Sind ausschüttende Fonds steuerlich günstiger ?

Wenn ich den Artikel zur Fondsbesteuerung richtig verstanden habe, werden thesaurierende Fonds mit einer Vorabpauschale belegt und besteuert, die oft niedriger ist als die tatsächlich thesaurierten Erträge. Beim Verkauf des Fonds werden die tatsächlichen thesaurierten Erträge ermittelt und besteuert.
Bei ausschüttenden Fonds wird hingegen jährlich der tatsächliche Ertrag besteuert.
Also kommt bei thesaurierenden Fonds der große "Steuerhammer" erst beim Verkauf , gemindert um die auf die Vorabpauschalen gezahlte Steuervorauszahlungen, die mutmaßlich zu niedrig angesetzt sind.
In dem Verkaufsjahr kann der Sparerpauschbetrag bei einem thesaurierenden Fonds daher m.E. leicht überschritten werden.
Unter steuerlichen Aspekten gesehen wären ausschüttende Fonds also günstiger als thesaurierende Fonds. Stimmt meine Überlegung?
Wird beim Verkauf von thesaurierenden Fonds der Sparerpauschbetrag berücksichtigt, den man in den Jahren vor dem Verkauf hinterlegt hatte ?

Profilbild Stiftung_Warentest am 27.12.2021 um 14:01 Uhr
Abgeltungsteuer auf Vorbpauschale

@klauskschulz: Bitte beachten Sie, dass die Abgeltungssteuer auf die Vorabpauschale nicht den Wertzuwachs des Fonds im laufenden Jahr besteuert, sondern nur einen Ersatz für die Besteuerung der unterjährig thesaurierten Erträge. Die thesaurierten Erträge liegen bei steigenden Kursen in der Regel weit unter den Kursgewinnen. (Für im Veranlagungsjahr 2021 erzielte Thesaurierungen fällt keine Abgeltungssteuer auf die Vorabpauschale an, weil der Basiszinssatz negativ ist.)
Ein Ertrag kann nur einmalig thesauriert werden. Die Erträge, die der Fonds thesauriert, stammen zum Beispiel aus den Dividendenzahlungen der gehaltenen Aktien. Es handelt sich dabei nicht um den Kursgewinn des Fonds aufgrund des Wertzuwachses an der Börse.
Die Abführung der Abgeltungssteuer auf die Vorabpauschale stellt nur eine Steuervorauszahlung statt. Beim Verkauf des Fonds wird die bezahlte Abgeltungssteuer vom Betrag der tatsächlich zu zahlen Abgeltungssteuer abgezogen. Zuvor wird aufgrund der tatsächlichen Höhe der Thesaurierungen und der tatsächlichen Kursgewinnen die Steuerschuld berechnet.

klauskschulz am 20.12.2021 um 18:43 Uhr
Mehrfache Besteuerung

Leider habe ich noch nicht verstanden, wie die Besteuerung funktioniert wenn der Wert in einem Jahr zunimmt, im folgenden Jahr wieder sinkt und im darauffolgenden Jahr wieder steigt.
Folgendes Beispiel:
- Im 1. Jahr findet eine Wertsteigerung von 500 € statt. Daraus errechnet sich die Vorabpauschale mit der entsprechend zu zahlenden Abgeltungssteuer.
- Im 2. Jahr ergibt sich jedoch ein Wertverlust von 500 €. Folglich fällt somit keine Abgeltungssteuer an.
- Im 3. ergibt sich nun wieder eine Wertsteigerung von 500 €.
Wenn nun dafür aber wieder Abgeltungssteuer fällig wird, würde dies doch bedeuten, dass für die dieselbe Wersteigerung 2 mal Steuern berechnet würden.

Profilbild Stiftung_Warentest am 17.08.2021 um 17:24 Uhr
Teilfreistellung + Familienversicherung

@Clockwork79: Nein. Für die Berechnung, ob ein familienversichertes Mitglied zu viel verdient, um weiterhin kostenfrei familienversichert zu sein, bleibt die Teilfreistellung von Kapitaleinnahmen für die Ermittlung der Summe der Einkünfte (nach § 2 Abs. 5 a EStG, GKV Spitzenverband Grundsätzliche Hinweise Gesamteinkommen im Rahmen der Prüfung der Voraussetzungen der Familienversicherung vom 12 Juni 2019, Seite 9) außen vor.