Perfekt sparen für die Enkel

Sparen für die Enkel ist gar nicht so einfach. Hier beant­worten die Experten von Finanztest eine Leserfrage, die sicherlich viele Sparer beschäftigt: „Ich habe für meinen Enkel einen Wert­papiersparplan eröffnet und spare jähr­lich gut 1 000 Euro auf einen ETF von Coms­tage, der auf den MSCI World setzt. Nun frage ich mich: Muss mein Enkel tatsäch­lich eine Steuererklärung machen? Ändert sich ab nächstem Jahr etwas daran?“

Die Pflicht zur Steuererklärung

Grund­sätzlich lautet die Antwort auf die erste Frage: Ja, für 2017 gibt es bei dieser Anlageform noch eine Pflicht zur Steuererklärung. Der Hintergrund: Wer Kapital­einkünfte hat, muss diese versteuern – und zwar unabhängig davon, wie alt er ist. Bei dem ETF Ihres Enkels handelt es sich um einen ausländischen thesaurierenden Fonds. Bislang hat das Finanz­amt gar nicht gemerkt, dass bei diesen ETF Steuern angefallen sind, nämlich für die Erträge, die der Fonds nicht ausgeschüttet, sondern wieder­angelegt (thesauriert) hat. Wichtig ist für Sie: Wem gehört das Depot – Ihnen oder Ihrem Enkel? Davon hängt ab, was Sie tun müssen.

Auf wen läuft das Depot?

Wenn Sie auf Ihren Namen für den Enkel sparen und über die Verwendung der Erträge entscheiden, sind es Ihre Einkünfte, die Sie versteuern müssen. Sie geben diese in der Anlage KAP Ihrer Steuererklärung an. Läuft das Depot dagegen auf den Namen des Enkels und er kann jeder­zeit entscheiden, was er damit macht, sind es seine. In diesem Fall müssen Sie das Finanz­amt davon über­zeugen, dass das Vermögen wirk­lich Ihrem Enkel gehört und Sie nicht auf diesem Wege Erträge verschleiern wollen. Dazu setzen Sie einen Schenkungs­vertrag auf und erklären darin, dass alle Erträge einzig dem Enkel gehören und Sie diese auch nicht irgend­wann zurück­fordern werden.

Eine Nicht­ver­anlagungs­bescheinigung muss her

Wenn die Erträge Ihrem Enkel gehören, können Sie verhindern, dass auto­matisch Steuern abge­zogen werden. Das klappt auch 2018 noch auf dieselbe Weise. Bitten Sie die Eltern Ihres Enkels, eine sogenannte Nicht­ver­anlagungs­bescheinigung (NV-Bescheinigung) beim Finanz­amt zu beantragen und legen Sie diese der Bank vor. Die Bescheinigung bekommen alle, die so geringe Einkünfte haben, dass sie keine Steuern zahlen müssen. Im Jahr 2017 bleiben inklusive Sparerpausch­betrag und Sonder­ausgabenpauschale bis zu 9 657 Euro steuerfrei. Die NV-Bescheinigung gilt für bis zu drei Jahre. Sie brauchen dann auch keinen Frei­stellungs­auftrag bei der Bank mehr zu beantragen und Ihr Enkel muss auch keine Steuererklärung machen.

Das Problem bei thesaurierenden Fonds

Nun zu Ihrer zweiten Frage: Die NV-Bescheinigung für Ihren Enkel bleibt auch 2018 wichtig. Ohne sie passiert sonst nämlich folgendes: Anders als bisher behält die Bank ab 2018 auto­matisch Steuern für wieder­angelegte Erträge des ETF ein. Das Problem: Bei einem thesaurierenden Fonds gibt es keine Ausschüttungen, von denen einfach Steuern abge­zogen werden können. Deshalb müssen die Anleger die Steuer vorstre­cken. Die Bank darf dafür den entsprechenden Betrag vom Verrechnungs- oder Giro­konto einziehen. Dagegen könnte Ihr Enkel zwar wider­sprechen, müsste dann aber eine Steuererklärung machen und die Erträge selbst versteuern.

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