FAQ Fonds­besteuerung: Antworten auf die wichtigsten Fragen

Hier lesen Sie alles Wichtige rund um die neue Fonds­steuer. Bewertungen von Investmentfonds finden Sie im Produktfinder Fonds, Hintergründe zu offenen Immobilienfonds im Special Immobilienfonds. Und wer mittels Fonds­investment für die Enkel spart, für den haben wir wertvolle Steuertipps.

Körper­schaft­steuer auf deutsche Fonds

Was bedeutet es für mich als ­Anleger, dass mein Fonds nun Körper­schaft­steuer zahlen muss?

Ihr Fonds schüttet nun weniger an Sie aus, weil er vorab 15 Prozent Körper­schaft­steuer für deutsche Dividenden und deutsche Immobilien­erträge abführen muss. Im Gegen­zug bekommen Sie eine sogenannte Teilfrei­stellung von der Abgeltung­steuer, je nach Art des Fonds: Bei ­einem Aktienfonds bleiben 30 Prozent der Erträge steuerfrei. Bei einem Immobilienfonds 60 bis 80 Prozent.

Wäre es angesichts der neuen Steuer auf deutsche Fonds besser, in ausländische Fonds zu investieren?

Nein. Denn interna­tional sind solche Steuern üblich und teil­weise höher, als sie es in Deutsch­land nun sind. In den USA zum Beispiel beträgt die Körper­schaft­steuer bis zu 35 Prozent. In diesem Fall zahlen Sie also bereits Steuern auf Ihre ausländischen Investments, bevor die Abgeltung­steuer in Deutsch­land fällig wird.

Gelten die Teilfrei­stel­lungen nur für deutsche Fonds?

Nein. Es werden alle Ihre Fonds­erträge teil­weise von der Abgeltung­steuer frei­gestellt – ganz gleich, wo der Fonds aufgelegt wurde.

Kann ich die Steuern auf Fonds­ebene verrechnen, wenn ich meinen Sparerpausch­betrag nicht ausgeschöpft habe?

Nein, leider nicht. Die Körper­schaft­steuer, die der Fonds zahlen muss, senkt Ihre ­Erträge, ohne dass Sie etwas dagegen tun ­können. Weil Sie inner­halb der Grenzen des Sparerpausch­betrags ohnehin keine Abgeltung­steuer zahlen, können Sie auch nichts verrechnen. Die Teilfrei­stel­lungen nützen Ihnen als Klein­anleger nichts.

Was gilt bei offenen Immobilienfonds?

Ein offener Immobilienfonds muss für Einnahmen aus inländischer Vermietung und Verpachtung oder für Veräußerungs­gewinne ebenfalls Körper­schaft­steuer zuzüglich Solidaritäts­zuschlag von insgesamt 15,825 Prozent zahlen. Eine zehnjäh­rige Halte­frist für Immobilien gibt es für den Fonds nicht mehr. Nur wenn die Halte­frist für eine Immobilie am 1. Januar 2018 abge­laufen ist, fallen für das Objekt auch künftig keine Steuern an.

Der versprochene Bestands­schutz für Altanteile fällt

Muss ich nun auf meine Altanteile Steuer zahlen?

Ja, aber erst wenn Ihr neuer persönlicher Frei­betrag von 100 000 Euro ausgeschöpft ist. Mit der Abgeltung­steuer sollten eigentlich alle vor 2009 erworbenen Anteile steuerfrei bleiben. Diesen Bestands­schutz hat die Bundes­regierung nun abge­schafft. Steuerfrei bleiben ab 2018 nur noch Erträge bis 100 000 Euro. Wichtig ist aber: Gerechnet wird erst ab Januar 2018. Das heißt, alle Gewinne, die bis dahin bei Ihnen aufgelaufen sind, werden nicht berück­sichtigt und bleiben steuerfrei. Viele Anleger werden einige Jahre mit dem Frei­betrag auskommen. Außerdem können Sie Gewinne und Verluste miteinander verrechnen. Falls Sie also einen Teil Ihrer Altbestände ab 2018 mit Verlust verkaufen, vergrößert das den Betrag, der Ihnen steuerfrei bleibt. So lange, bis Sie die 100 000 Euro erreichen.

Kann ich den Frei­betrag mit meinem Partner teilen oder an meine Kinder vererben oder verschenken?

Wenn Sie damit rechnen, den Frei­betrag bald zu sprengen, könnten Sie Teile Ihres Vermögens an Verwandte verschenken. So vervielfachen Sie den Frei­betrag von 100 000 Euro, denn bei der ordentlichen Schenkung eines Depots geht auch der Bestands­schutz für Altanteile über. So können auch Kinder oder Enkel in Zukunft in den Genuss des Frei­betrags kommen.

Halten Sie die Schenkung schriftlich in einem Schenkungs­vertrag fest. Wer Vermögen zum Schein verschenkt, aber weiterhin darüber verfügt oder es sich später zurück­holt, bekommt Probleme mit dem Finanz­amt. Es kann dann einen Gestaltungs­miss­brauch unterstellen, Gewinne dem Schenker zuschlagen und Steuern nach­fordern.

Ich halte Fonds­anteile aus der Zeit von vor 2009. Können wir als Ehepaar den doppelten Frei­betrag für künftige Kurs­gewinne nutzen?

Nein, der Frei­betrag in Höhe von 100 000 Euro für den Verkauf von sogenannten Altanteilen, die vor 2009 gekauft wurden, ist personenbezogen. Auch Ehepartner, die ihre Fonds in einem Gemein­schafts­depot lagern, erhalten aber jeweils einen eigenen Frei­betrag – unabhängig davon, ob sie Einzel- oder Zusammen­ver­anlagung wählen. Der Frei­betrag ist unter­einander nicht über­trag­bar, jeder Ehegatte kann nur seinen eigenen geltend machen. Deshalb müssen Ehepaare dem Finanz­amt erklären, welche Fonds­anteile wem gehören und in welchem Umfang sich der Gewinn aus dem Verkauf von Altanteilen auf beide verteilt.

Wert­steigerungen von Altanteilen, die bis zum 31. Dezember 2017 entstanden sind, bleiben steuerfrei. Erst der Wert­zuwachs ab 2018 ist steuer­pflichtig, wenn ein späterer Verkauf der Fonds­anteile den Gewinn bringt. Eigentümer von Altanteilen können dafür in ihrer Steuererklärung den Frei­betrag von 100 000 Euro geltend machen, der nach und nach von Verkaufs­gewinnen aufgezehrt werden kann.

Erhalte ich für verschiedene Anlagen jeweils eigene Frei­beträge?

Nein, es ist Ihr persönlicher Frei­betrag, der für Ihren gesamten Bestand an Altfonds gilt. Der Frei­betrag bezieht sich auf eine Person und nicht auf eine Anlage.

Im Voraus Steuern zahlen bei ausländischen Fonds

Was ist die Vorabpauschale und warum wurde sie einge­führt?

Mit der Vorabpauschale möchte der Staat ­sicher­stellen, dass er seine Steuern auch bei ausländischen thesaurierenden Fonds zeit­nah bekommt. Auf die Erträge von ausländischen Fonds, die diese wieder anlegen (thesaurieren) statt sie auszuschütten, hat der Fiskus zuvor nämlich keinen Zugriff gehabt. Bisher musste das Finanz­amt bis zum Verkauf der Anteile warten, erst dann führt die Bank auto­matisch Abgeltung­steuer ab. Allerdings waren Anleger verpflichtet, diese Erträge in der Steuererklärung anzu­geben. Für Klein­anleger konnte es ohnehin nach­teilig sein, ihre Erträge nicht jähr­lich dem Finanz­amt zu melden. Denn kleine Beträge ließen sich aufgrund des Sparerpausch­betrags steuerfrei verbuchen und würden später nur zu einer größeren Summe auflaufen.

Wann und wie muss ich Steuern auf die Vorabpauschale bezahlen?

Um zu verhindern, dass Sie als Anleger Ihre Steuerschuld unter Umständen über Jahre ­hinaus­zögern können, müssen Sie nun jähr­lich eine fiktive Steuer auf die Wert­steigerungen Ihres Fonds während der Haltedauer bezahlen – auf die Vorabpauschale. Dabei wird vom Wert am Jahres­anfang ausgegangen und am Jahres­ende über­prüft, wie sich der Fonds entwickelt hat. Die Vorabpauschale kann nämlich maximal so hoch sein, wie die tatsäch­liche Wert­steigerung eines Fonds. Sie als Anleger zahlen zu Beginn des Folge­jahres Steuern auf die Vorabpauschale. Diese Steuer wird direkt von Ihrem angegebenen Konto abge­bucht. Das ist meist das Verrechnungs­konto der Depot­bank, kann aber auch Ihr Giro­konto sein. Sollte das Konto keine Deckung aufweisen, darf die Bank für die Steuer auch Ihren Dispokredit nutzen. Sobald Sie den Fonds­anteil tatsäch­lich verkaufen, wird die gezahlte Steuer auf die Vorabpauschale mit der bei Verkauf fälligen Abgeltung­steuer verrechnet (so funktioniert die Vorabpauschale).

Muss ich mich als Anleger mit der Vorabpauschale beschäftigen oder irgend­etwas nach­rechnen?

Das hängt von Ihnen ab. Wenn Sie keine Lust haben, sich damit zu beschäftigen, können Sie darauf vertrauen, dass Bank und Finanz­amt jedes Jahr korrekt abrechnen und bereits gezahlte Pauschalen auch bis zum Verkauf speichern, damit Sie am Ende nicht doppelt Steuern zahlen. Falls Sie eher zu den Vorsichtigen gehören, empfehlen wir Ihnen, weiterhin alle Ihre Steuer­unterlagen von der Bank aufzubewahren. Dort sollte vermerkt sein, in welcher Höhe Sie bereits Steuern gezahlt haben. Vor allem, wenn Sie in den nächsten Jahren die Bank wechseln oder sich nach einem Umzug Ihr zuständiges Finanz­amt ändert, kann es hilf­reich sein, die Unterlagen zur Hand zu haben. Damit können Sie im Notfall auch Jahre später noch die korrekten Werte nach­weisen. Zwar sind Bank und Finanz­amt gesetzlich dazu verpflichtet, alle Daten bis zum Verkauf zu speichern, aber niemand kann derzeit absehen, wie gut das neue System in der Praxis funk­tionieren wird.

Muss ich Steuern auf die Vorabpauschale zahlen, wenn ich der Bank einen Frei­stellungs­auftrag erteilt habe und der nicht ausgeschöpft ist?

Nein. Wie bei allen anderen Kapital­erträgen auch zieht die Bank nicht auto­matisch die Abgeltung­steuer ab, wenn Sie ihr einen Frei­stellungs­auftrag erteilt haben und Ihr Sparerpausch­betrag von derzeit 801 Euro (1 602 Euro für Paare) noch nicht ausgeschöpft ist. Solange Sie darunter­bleiben, müssen Sie nämlich gar keine Steuern zahlen. Gleiches gilt bei der Nicht­ver­anlagungs­bescheinigung für Anleger mit geringen oder gar keinen anderen Einnahmen, wie Studenten, Kinder und oft auch Rentner. Wenn Ihre gesamten Einnahmen den Grund­frei­betrag von derzeit 8 820 Euro im Jahr nicht über­schreiten, müssen Sie auch keine Steuern zahlen.

Verringert die Vorabpauschale meinen Sparerpausch­betrag?

Ja, so ist es. Denn es fallen auch bei ausländischen thesaurierenden Fonds während der Haltedauer jähr­lich Steuern an. Sobald der Pausch­betrag über­schritten ist, führt die Bank auto­matisch Steuern ab.

Was passiert eigentlich mit den versteuerten Vorabpauschalen, wenn ich Fonds­anteile erbe?

Es ist davon auszugehen, dass der Status der Fonds­anteile mitsamt den gespeicherten Anschaffungs­kosten sowie den versteuerten Vorabpauschalen auf den oder die Erben übergeht und nicht als Verkauf gilt. Eine verbindliche Verwaltungs­anweisung dazu steht noch aus.

Sie empfehlen den Lyxor MSCI World Ucits ETF (FR 001 031 577 0). Gibt es bei diesem synthetischen Fonds künftig Steuer­nachteile?

In Ihrem ETF liegen haupt­sächlich Aktien, allerdings in anderer Zusammenset­zung als beim MSCI World. Ein Tausch­geschäft (Swap) sorgt dafür, dass der ETF sich so entwickelt wie der Index. Der Swap macht nie mehr als 10 Prozent des Fonds­vermögens aus. Die 30-prozentige Teilfrei­stellung, die es seit 2018 für Erträge aus Aktienfonds gibt, gilt daher auch für Ihren Fonds. Nur für ETF, die ausschließ­lich aus einem Swap bestehen, gilt die Teilfrei­stellung nicht. Solche Fonds gibt es aber kaum noch.

Meine ausländische Fonds­gesell­schaft hat ihre Produkte von französischen Fonds auf Luxemburger Fonds verschmolzen. Was bedeutet das für mich?

Für Sie als Anleger kann das miss­lich sein. Denn steuerlich wird solch ein Vorgang wie ein Verkauf der alten Anteile und ein gleich­zeitiger Kauf von neuen Anteilen behandelt. Sie haben daher womöglich unfreiwil­lig Kurs­gewinne realisiert und möglicher­weise Abgeltung­steuer bezahlt. Verhindern können Sie das nicht.

Erträge nicht in der Steuererklärung

Wirken sich die neuen Regeln bereits auf die Steuererklärung 2017 aus?

Bei der Jahres­abrechnung für 2017 gelten noch die alten Vorgaben zur Besteuerung von Investmentfonds. Bei Fonds­gesell­schaften und Depot­banken häuft sich durch die Reform aber Arbeit an: Sie stellen aktuell Steuer­bescheinigung über die Kapital­einkünfte 2017 aus. In einigen Bescheinigungen steht aber, dass bestimmte Fonds­erträge noch nicht bekannt sind. Den Depot­banken bleibt sogar bis Ende 2018 Zeit, um die korrekten Werte im Sinne der neuen Steuer­regeln zu ermitteln. Für Anleger, die zur Zeit ihre Steuererklärung machen müssen oder wollen, ist das ärgerlich: Sie können ihre Kapital­erträge dann nicht ohne Weiteres erklären.

Steuerzahler sollten die Erklärung trotzdem erst einmal einreichen. Auf der Anlage KAP machen sie zunächst die Angaben, die ihnen bis dahin bekannt sind – zum Beispiel aus der Steuer­bescheinigung oder sogenannten Thesaurierungs­meldungen, die manche Banken ausstellen. Lässt die Bank auf sich warten, können Anleger versuchen, benötigte Daten aus dem elektronischen Bundesanzeiger selbst heraus­zusuchen. Dazu geben sie die Kenn­nummer Isin in die Suchmaske auf der Start­seite ein. In der Ergeb­nisliste öffnen sie das Dokument zu den Besteuerungs­grund­lagen und suchen darin ihren Fonds. Ziel ist es, die thesaurierten Erträge zu finden, die im Bundes­anzeiger ausschüttungs­gleiche Erträge heißen.

Tipp: Steuerzahler können die Seite aus dem Bundes­anzeiger ausdrucken und ihrer Steuererklärung auf Papier beilegen – auch wenn Belege eigentlich nicht mehr nötig sind. Geben Sie online ab, weisen Sie darauf hin, dass Sie die Belege nach­reichen. So kann der Sach­bearbeiter im Finanz­amt Eintragungen im Zweifel nach­voll­ziehen.

Stellt die Depot­bank doch irgend­wann korrigierte Bescheinigungen aus, können Anleger diese jeder­zeit nach­reichen. Das Finanz­amt ändert dann die Steuer­fest­setzung entsprechend der tatsäch­lichen wieder­angelegten Erträge der ausländischen Fonds.

Ich bespare einen Riester-Fonds­sparplan. Betrifft mich die Fonds-Steuerreform über­haupt? Und was ist mit meiner fonds­gebundenen Lebens­versicherung?

Nein, Riester- ebenso wie Rürup-Fonds­spar­pläne bleiben in der Anspar­phase weiter steuerbefreit. In der Auszahlungs­phase gelten bei diesen staatlich geförderten Alters­vorsor­gepro­dukten eigene Steuer­regeln.

Sparer mit fonds­gebundenen oder klassischen Lebens- oder Renten­versicherungen sind von der Reform negativ betroffen. Bei diesen Produkten schlägt die Steuerbelastung auf Fonds­ebene durch und mindert die Ertrags­aussichten.

Zum Ausgleich sind Erträge aus fonds­gebundenen Lebens­versicherungen in Höhe von 15 Prozent steuerfrei, sofern sie aus der Fonds­anlage stammen und seit Anfang 2018 entstanden sind. Das gilt für Erträge aus deutschen und aus ausländischen Fonds.

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