Fonds­besteuerung ab 2018 Special

Anfang 2018 wird sich für viele Fonds­anleger Grund­legendes ändern. Die Neuerungen betreffen Besitzer deutscher und ausländischer Fonds und diejenigen, die in Immobilienfonds investiert haben. Hier lesen Sie alles wichtige rund um die Steuer. Bewertungen von Investmentfonds finden Sie im Produktfinder Fonds, Hintergründe zu offenen Immobilienfonds im Special Immobilienfonds. Und wer mittels Fonds­investment für die Enkel spart, für den haben wir wertvolle Steuertipps.

Körper­schaft­steuer auf deutsche Fonds

Was bedeutet es für mich als ­Anleger, dass mein Fonds künftig Körper­schaft­steuer zahlen muss?

Ihr Fonds schüttet künftig weniger an Sie aus, weil er vorab 15 Prozent Körper­schaft­steuer abführen muss. Im Gegen­zug bekommen Sie eine sogenannte Teilfrei­stellung von der Abgeltung­steuer, je nach Art des Fonds: Bei ­einem Aktienfonds bleiben 30 Prozent der Erträge steuerfrei. Bei einem Immobilienfonds 60 bis 80 Prozent.

Wäre es angesichts der neuen Steuer auf deutsche Fonds besser, in ausländische Fonds zu investieren?

Nein. Denn interna­tional sind solche Steuern üblich und teil­weise höher, als sie es in Deutsch­land sein werden. In den USA zum Beispiel beträgt die Körper­schaft­steuer bis zu 35 Prozent. In diesem Fall zahlen Sie also bereits Steuern auf Ihre ausländischen Investments, bevor die Abgeltung­steuer in Deutsch­land fällig wird.

Gelten die Teilfrei­stel­lungen nur für deutsche Fonds?

Nein. Künftig werden alle Ihre Fonds­erträge teil­weise von der Abgeltung­steuer frei­gestellt – ganz gleich, wo der Fonds aufgelegt wurde.

Kann ich die Vorsteuern auf Fonds­ebene verrechnen, wenn ich meinen Sparerpausch­betrag nicht ausgeschöpft habe?

Nein, leider nicht. Die Körper­schaft­steuer, die der Fonds künftig zahlen muss, senkt Ihre ­Erträge, ohne dass Sie etwas dagegen tun ­können. Weil Sie inner­halb der Grenzen des Sparerpausch­betrags ohnehin keine Abgeltung­steuer zahlen, können Sie auch nichts verrechnen. Die Teilfrei­stel­lungen nützen Ihnen als Klein­anleger nichts.

Was gilt künftig bei offenen Immobilienfonds?

Ein offener Immobilienfonds muss in Zukunft für Einnahmen aus inländischer Vermietung und Verpachtung oder für Veräußerungs­gewinne ebenfalls Körper­schaft­steuer von 15 Prozent zahlen. Eine zehnjäh­rige Halte­frist für Immobilien gibt es für den Fonds nicht mehr. Nur wenn die Halte­frist für eine Immobilie bis zum 1. Januar 2018 abläuft, fallen für das Objekt auch künftig keine Steuern an.

Der versprochene Bestands­schutz für Altanteile fällt

Muss ich ab nächstem Jahr auf meine Altanteile Steuer zahlen?

Ja, aber erst wenn Ihr neuer persönlicher Frei­betrag von 100 000 Euro ausgeschöpft ist. Mit der vor acht Jahren einge­führten Abgeltung­steuer sollten eigentlich alle vor 2009 erworbenen Anteile steuerfrei bleiben. Diesen Bestands­schutz hat die Bundes­regierung nun abge­schafft. Steuerfrei bleiben ab 2018 nur noch Erträge bis 100 000 Euro. Wichtig ist aber: Gerechnet wird erst ab Januar 2018. Das heißt, alle Gewinne, die bis dahin bei Ihnen aufgelaufen sind, werden nicht berück­sichtigt und bleiben steuerfrei. Viele werden also aber einige Jahre mit dem Frei­betrag auskommen. Außerdem können Sie Gewinne und Verluste miteinander verrechnen. Falls Sie also einen Teil Ihrer Altbestände nach 2018 mit Verlust verkaufen, vergrößert das den Betrag, der Ihnen steuerfrei bleibt. So lange, bis Sie die 100 000 Euro erreichen.

Kann ich den Frei­betrag mit meinem Partner teilen oder an meine Kinder vererben oder verschenken?

Nach Aussage des Bundes­finanz­ministeriums soll eine Über­tragung des Frei­betrags nicht möglich sein. Steuer­experten gehen aber davon aus, dass bei Altbeständen im Zuge einer ordentliche Schenkung bis Ende 2017 der Frei­betrag noch auf den Beschenkten übergeht. Ab 2018 wird das aber nicht mehr möglich sein. Dennoch sollte eine Schenkung gut über­legt sein, da sie endgültig erfolgen muss, um den Frei­betrag zu erhalten (siehe unsere Meldung Investmentsteuerreform 2018: Vermögen verschenken? Ruhe bewahren!).

Sollte ich Altanteile verkaufen, ­bevor die Steuer einge­führt wird?

In einigen Fällen kann es sich auch lohnen, das eigene Depot auf über­teuerte und schlecht laufende Fonds zu prüfen. Damit würden Sie aber Ihren Frei­betrag verlieren, der wenigs­tens noch die ersten 100 000 Euro schützt. Wer die Altanteile verkauft und neu anlegt, zahlt dann ab dem ersten Euro Steuern auf Kurs­gewinne. Tatsäch­lich könnten Sie theoretisch Ihre Altanteile bis Ende 2017 noch steuerfrei verkaufen, wenn Sie Ihre Anlage ohnehin zu Geld machen und nicht wieder anlegen wollten. Alle anderen Anleger haben leider keine andere Wahl, als in den sauren Apfel zu beißen und Steuern zu zahlen. Wir raten Ihnen außerdem dazu, sich noch 2017 einen Über­blick über Ihren Altbestand zu verschaffen. So können Sie auch in Zukunft nach­weisen, welche Anteile aus der Zeit vor 2009 stammen. Damit sind Sie abge­sichert, falls Ihrer Bank oder dem Finanz­amt Fehler unter­laufen sollten, zum Beispiel bei einem Depot­über­trag oder Wohn­ortwechsel.

Erhalte ich für verschiedene Anlagen jeweils eigene Frei­beträge?

Nein, es ist Ihr persönlicher Frei­betrag, der für Ihren gesamten Bestand an Altfonds gilt. Der Frei­betrag bezieht sich auf eine Person und nicht auf eine Anlage.

Im Voraus Steuern zahlen bei ausländischen Fonds

Was ist die Vorabpauschale und warum wird sie einge­führt?

Mit der Vorabpauschale möchte der Staat ­sicher­stellen, dass er seine Steuern auch bei ausländischen thesaurierenden Fonds zeit­nah bekommt. Auf die Erträge von ausländischen Fonds, die diese wieder­anlegen (thesaurieren) statt sie auszuschütten, hat der Fiskus jetzt nämlich keinen Zugriff. Bisher muss das Finanz­amt bis zum Verkauf der Anteile warten, erst dann führt die Bank auto­matisch Abgeltung­steuer ab. Von dieser Regelung können vermögende Fonds­besitzer profitieren, weil sie ihre Steuerschuld so in die Zukunft verschieben können. Für Klein­anleger dagegen kann es nach­teilig sein, ihre Erträge nicht jähr­lich dem Finanz­amt zu melden. Denn kleine Beträge lassen sich aufgrund des Sparerpausch­betrags ohnehin steuerfrei verbuchen und würden später nur zu einer größeren Summe auflaufen.

Wann und wie muss ich Steuern auf die Vorabpauschale bezahlen?

Um zu verhindern, dass Sie als Anleger Ihre Steuerschuld unter Umständen über Jahre ­hinaus­zögern können, müssen Sie künftig jähr­lich eine fiktive Steuer auf die Wert­steigerungen Ihres Fonds während der Haltedauer bezahlen – die Vorabpauschale. Dabei wird vom Wert am Jahres­anfang ausgegangen und am Jahres­ende über­prüft, wie sich der Fonds entwickelt hat. Die Vorabpauschale kann nämlich maximal so hoch sein, wie die tatsäch­liche Wert­steigerung eines Fonds. Sie als Anleger zahlen zu Beginn des Folge­jahres Steuern auf die Vorabpauschale. Diese Steuer wird direkt von Ihrem angegebenen Konto abge­bucht. Das ist meist das Verrechnungs­konto der Depot­bank, kann aber auch Ihr Giro­konto sein. Sollte das Konto keine Deckung aufweisen, darf die Bank für die Steuer auch Ihren Dispokredit nutzen. Sobald Sie den Fonds­anteil tatsäch­lich verkaufen, wird die gezahlte Steuer auf die Vorabpauschale mit der bei Verkauf fälligen Abgeltung­steuer verrechnet.

Beispiel: Im Jahr 2016 fallen bei einem Basiszins von 1,1 Prozent maximal 0,77 Euro Vorabpauschale für einen Fonds­anteil im Wert von 100 Euro an. Angenommen, der Wert des Anteils steigt bis zum Jahres­ende um 10 Euro auf 110 Euro und der Fonds schüttet keine Erträge aus, sondern thesauriert alles: Dann wird die Vorabpauschale voll angesetzt. Bei einem Aktienfonds gehen von den 0,77 Euro noch 30 Prozent Teilfrei­stellung ab (verbleiben 0,54 Euro). Auf diesen Betrag werden dann Abgeltung­steuer plus Soli von 26,375 Prozent erhoben. Am Ende zieht die Bank pro Anteil 0,14 Euro vom angegebenen Konto ab.

Muss ich mich als Anleger künftig mit der Vorabpauschale beschäftigen oder irgend­etwas nach­rechnen?

Das hängt von Ihnen ab. Wenn Sie keine Lust haben, sich damit zu beschäftigen, können Sie darauf vertrauen, dass Bank und Finanz­amt jedes Jahr korrekt abrechnen und bereits gezahlte Pauschalen auch bis zum Verkauf speichern, damit Sie am Ende nicht doppelt Steuern zahlen. Falls Sie eher zu den Vorsichtigen gehören, empfehlen wir Ihnen, weiterhin alle Ihre Steuer­unterlagen von der Bank aufzubewahren. Dort sollte vermerkt sein, in welcher Höhe Sie bereits Steuern gezahlt haben. Vor allem, wenn Sie in den nächsten Jahren die Bank wechseln oder sich nach einem Umzug Ihr zuständiges Finanz­amt ändert, kann es hilf­reich sein, die Unterlagen zur Hand zu haben. Damit können Sie im Notfall auch Jahre später noch die korrekten Werte nach­weisen. Zwar sind Bank und Finanz­amt gesetzlich dazu verpflichtet, alle Daten bis zum Verkauf zu speichern, aber niemand kann derzeit absehen, wie gut das neue System in der Praxis funk­tionieren wird.

Muss ich Steuern auf die Vorabpauschale zahlen, wenn ich der Bank einen Frei­stellungs­auftrag erteilt habe und der nicht ausgeschöpft ist?

Nein. Wie bei allen anderen Kapital­erträgen auch zieht die Bank nicht auto­matisch die Abgeltung­steuer ab, wenn Sie ihr einen Frei­stellungs­auftrag erteilt haben und Ihr Sparerpausch­betrag von derzeit 801 Euro (1 602 Euro für Paare) noch nicht ausgeschöpft ist. Solange Sie darunter­bleiben, müssen Sie nämlich gar keine Steuern zahlen. Gleiches gilt bei der Nicht­ver­anlagungs­bescheinigung für Anleger mit geringen oder gar keinen anderen Einnahmen, wie Studenten, Kinder und oft auch Rentner. Wenn Ihre gesamten Einnahmen den Grund­frei­betrag von derzeit 8 820 Euro im Jahr nicht über­schreiten, müssen Sie auch keine Steuern zahlen.

Verringert die Vorabpauschale meinen Sparerpausch­betrag?

Ja, so ist es. In Zukunft müssen Sie damit rechnen, dass Ihr Pausch­betrag schneller ausgeschöpft wird als bisher. Denn künftig fallen eben auch bei ausländischen thesaurierenden Fonds während der Haltedauer jähr­lich Steuern an. Sobald der Pausch­betrag über­schritten ist, führt die Bank auto­matisch Steuern ab.

Dieses Special ist ursprüng­lich in Finanztest 2/2017 erschienen. Wir haben es am 12. Juli 2017 für test.de aktualisiert.

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