Fonds­besteuerung ab 2018 Special

Anfang 2018 wird sich für viele Fonds­anleger Grund­legendes ändern. Die Neuerungen betreffen Besitzer deutscher und ausländischer Fonds und diejenigen, die in Immobilienfonds investiert haben. Wir beant­worten häufige Leserfragen zur Reform der Fonds­besteuerung und sagen, was sich ab 2018 ändert.

Neue Steuer für Investmentfonds

Für Fonds­anleger bedeutet der Jahres­wechsel eine Zäsur: Alle Fonds­anteile gelten am 31. Dezember 2017 als fiktiv verkauft und an Neujahr als neu ange­schafft. Ab diesem Zeit­punkt beginnt eine neue Ära der Investmentfonds­besteuerung mit geänderten Spiel­regeln. Die wichtigsten sind:

  • Deutsche Fonds zahlen künftig auf bestimmte Erträge 15 Prozent Körper­schaft­steuer und können daher weniger ausschütten oder reinvestieren.
  • Sparer bekommen zum Ausgleich Frei­stel­lungen von der Abgeltung­steuer. Sie gelten für deutsche und für ausländische Fonds.
  • Vor 2009 gekaufte Anteile verlieren ihre Steuerfreiheit.

Die Reform gilt für alle Fonds­anleger, also auch diejenigen, die nach dem Konzept des Finanztest-Pantoffel-Portfolios ein ETF-Depot mit börsen­gehandelten Indexfonds aufgebaut haben.

Weniger Aufwand für Anleger

Der Aufwand für Anleger soll sich künftig reduzieren. Viele Aufgaben, die ihnen bisher zufielen, erledigen nun Depot­banken. Sparer sollten sich aber nicht blind auf ihre Depot­bank verlassen, sondern wissen, was die Reform für sie und ihre Geld­anlage bedeutet.

Unser Rat

Umschichten. Für die meisten Fonds­anleger bringt die Reform keine nennens­werten Nachteile. Wer viel Vermögen hat, das derzeit steuerfrei ist, aber in Zukunft steuer­pflichtig wird, kann über­legen, sich von schlecht laufenden Fonds im Portfolio zu trennen.

Verschenken. Sie können Ihre Altbestände in 2017 und auch in kommenden Jahren abgeltung­steuerfrei verschenken. Für Verkaufs­gewinne aus Anteilen, die Sie vor 2009 erworben haben, gilt ab 2018 ein Frei­betrag von 100 000 Euro. Bei einer ordentlichen Schenkung geht insbesondere der bestands­geschützte Status der Altanteile auf den Beschenkten so über, sodass auch er einen eigenen Frei­betrag nutzen kann.

Wider­sprechen. Haben Sie kein gesondertes Verrechnungs­konto bei der Depot­bank einge­richtet, darf sie künftig fällige Steuern vom Giro­konto einziehen, auch wenn es dadurch ins Minus rutschen könnte. Dem können Sie ausdrück­lich wider­sprechen. Dann müssen Sie allerdings wie heute eine Steuererklärung machen und Ihre Erträge dem Finanz­amt selbst mitteilen.

Frei­stellen. Denken Sie jedes Jahr an den Frei­stellungs­auftrag für Ihre Bank. Im Rahmen des Sparerpausch­betrags von 801 Euro (1 602 Euro für Paare) müssen Sie keine Steuern zahlen.

Fonds­gesell­schaften zahlen Steuer direkt aus dem Fonds­vermögen

Erst­mals sicht­bar wirkt sich die Reform ab 2018 bei den regel­mäßigen Ausschüttungen eines Fonds aus. Auf den Konten der Anleger landet künftig weniger Geld, denn der Fiskus besteuert nicht mehr nur die Erträge des Sparers. Nun zahlen bereits die Fonds­gesell­schaften direkt aus dem Fonds­vermögen Körper­schaft­steuer auf deutsche Dividenden, deutsche Miet­erträge und auf Gewinne aus dem Verkauf deutscher Immobilien. Erst der Rest wird an den Anleger ausgezahlt.

Alters­vorsorge bleibt verschont

Von dieser Körper­schaft­steuer verschont bleiben ausländische Dividenden und Immobilien­erträge, Gewinne aus Wert­papier­verkäufen, aus Termin­geschäften sowie Zins­erträge. Reine Rentenfonds sind deshalb von der Reform nicht betroffen. Schutz genießen auch staatlich geförderte Alters­vorsorgepro­dukte: Bei Riester- und Rürup-Fonds­policen und -sparplänen fällt keine Körper­schaft­steuer an.

Teilfrei­stel­lungen entlasten Anleger

Als Ausgleich für geringere Erträge hält das Investment­steuerreformgesetz für Anleger eine Entschädigung bereit. Sie müssen nicht mehr für die gesamten Erträge Abgeltung­steuer abführen, sondern nur noch auf einen Teil. Die Höhe dieser Teilfrei­stellung hängt von der Fonds­art ab:

  • Bei einem Fonds, der mindestens 51 Prozent in Aktien anlegt, bekommt der Privat­anleger 30 Prozent der Ausschüttungen steuerfrei.
  • Bei einem Misch­fonds mit wenigs­tens 25 Prozent Aktien­anteil sind es 15 Prozent.
  • Besitzer von Immobilienfonds­anteilen bekommen eine Frei­stellung von 60 Prozent. Investiert der Fonds vor allem in ausländische Immobilien (zu mindestens 51 Prozent), sind sogar 80 Prozent steuerfrei.

Die Teilfrei­stel­lungen gelten für alle Erträge, also Dividenden und Verkaufs­gewinne – egal ob inländisch oder ausländisch. Gleich­zeitig ersetzt die neue Methode die Anrechnung der im Ausland gezahlten ausländischen Quellen­steuern im Rahmen der Steuererklärung. Für viele Anleger erübrigt sich so eine Menge Papierkrieg.

Keine Teilfrei­stellung für reine Swaps

Manche Investmentfonds nimmt das neue Gesetz aber von den Teilfrei­stel­lungen aus: Sogenannte fully-funded Swaps besitzen keine oder wenige echte Kapitalbe­teiligungen, sondern bilden den Markt über­wiegend durch Tausch­geschäfte künst­lich nach. Ihre Erträge werden künftig nicht frei­gestellt und sind steuerlich benach­teiligt. Sie sind auf dem Markt aber nur selten erhältlich. Die meisten Indexfonds (ETF) bilden nur einen aus steuerlicher Sicht unbe­denk­lich kleinen Teil ihrer Kapitalbe­teiligungen künst­lich nach, so auch alle von Finanztest empfohlenen ETF. Sie profitieren von den Teilfrei­stel­lungen, da sie mehr als die Hälfte ihrer Investitionen in echten Anlagen halten.

System der Abgeltung­steuer

Die neue Körper­schaft­steuer für Fonds­gesell­schaften und die teil­weise frei­gestellten Erträge beim Sparer brechen das 2009 einge­führte System der Abgeltung­steuer auf: Bisher werden nur aufseiten der Anleger Kapital­erträge wie Zinsen, Dividenden und Verkaufs­gewinne mit 25 Prozent Abgeltung­steuer belastet. Hinzu kommen Solidaritäts­zuschlag und gegebenenfalls Kirchen­steuer. Die pauschale Besteuerung ist bequem für Sparer, weil Depot­banken Steuern auto­matisch einbehalten und an das Finanz­amt abführen, ohne den persönlichen Steu­ersatz der Sparer kennen zu müssen. Das verschont den Anleger grund­sätzlich davor, Erträge in der Steuererklärung angeben zu müssen.

Von ETF-Erträgen erfährt das Finanz­amt bisher oft nichts

Bei Fonds, die Erträge nicht oder nur teil­weise ausschütten, gerät die auto­matische Besteuerung an ihre Grenzen: Wenn sogenannte thesaurierende Investmentfonds Erträge im Vermögen wieder ansammeln, landet beim Anleger zunächst kein Geld. Steuer­pflichtig ist es trotzdem. Deutsche Fonds weisen deshalb bereits „ausschüttungs­gleiche Erträge“ aus und führen dafür Steuern ab. Anders ausländische Fonds wie viele derzeit populäre Indexfonds (ETF): Von ihren Erträgen erfährt das Finanz­amt bisher nichts auto­matisch. Es ist auf die Ehrlich­keit der Anleger angewiesen, die von Hand ihren „ausschüttungs­gleichen Ertrag“ in der Steuererklärung angeben müssen. Oft geschieht das nicht. Manche Anleger decken Erträge verbotener­weise erst bei Verkauf auf und zahlen somit auch erst dann Steuern.

Vorabpauschale für thesaurierende Fonds

Die Reform stopft dieses Schlupf­loch und führt für alle thesaurierenden Fonds die sogenannte Vorabpauschale ein (So werden Fondserträge künftig versteuert). Diesen fiktiven Ertrag ermittelt die depotführende Stelle und rechnet ihn dem Anleger am ersten Werk­tag des Folge­jahres zu – für 2018 erst­mals am 2. Januar 2019. Er ist Grund­lage dafür, wie viel Steuern der Sparer jähr­lich zahlen muss. Die Höhe der Vorabpauschale berechnet sich nach dem Wert des Fonds­anteils am Jahres­anfang. Dieser wird mit 70 Prozent des Basiszins­satzes multipliziert, den die Deutsche Bundes­bank zum Jahres­anfang errechnet. Für 2016 betrug er 1,1 Prozent.

Berechnung von Vorabpauschale und Steuer

Wert des Aktienfonds­anteils am 1.1.2018

20 000 Euro

Wert des Aktienfonds­anteils am 31.12.2018

20 500 Euro

Wert­steigerung

500 Euro

      Vorabpauschale

      Vorabpauschale (20 000 x 0,011 x 0,7)

      154,00 Euro

      Zu versteuernder Betrag nach 30 Prozent Teilfrei­stellung

      107,80 Euro

      zu zahlende Abgeltung­steuer plus Soli (26,375 Prozent)

      28,43 Euro

        Unterstellter Basiszins: 1,1 Prozent. Keine Ausschüttungen . Sparerpausch­betrag bereits verbraucht.

          Die Vorabpauschale wird jedoch nur angesetzt, wenn sie geringer als die Wert­steigerung ist, die der Fonds inner­halb des Jahres erzielt. Vorteil: Hat der Fonds keinen Wert­zuwachs, entstehen für das Jahr weder Vorabpauschale noch Steuern. Ist die entsprechende Teilfrei­stellung berück­sichtigt, fallen auf den Endbetrag Abgeltung­steuer und Soli an. Zahlt ein Fonds Erträge teil­weise an Anleger aus und spart nur den Rest im Vermögen an, mindern Teil­ausschüttungen die Vorabpauschale maximal bis auf 0 Euro.

          Depot­banken führen Steuern ans Finanz­amt ab

          Deutsche Depot­banken sollen also künftig auch bei ausländischen thesaurierenden Fonds auto­matisch das tun, was bisher Sache des Anlegers ist: Steuern für wieder­angelegte Erträge ausländischer Fonds an den Fiskus abführen. Da die Fonds­gesell­schaft vorab zu zahlende Steuern nicht aus dem Fonds­vermögen entnimmt, sondern der Anleger sie zahlt, muss er künftig ein Verrechnungs­konto hierfür bereithalten. Banken haben das Recht, davon fällige Steuern einzuziehen – oder vom Giro­konto, auch wenn es dadurch in den Dispo rutschen sollte. Der Anleger kann dem Einzug wider­sprechen, muss dann allerdings wie heute eine Steuererklärung machen.

          Frei­stellungs­auftrag für die Bank

          Es gibt künftig nur eine Möglich­keit zu verhindern, dass Steuern unter Umständen vom Giro­konto einge­zogen werden: Sparer müssen ihrer Depot­bank einen Frei­stellungs­auftrag erteilen. Nur dann zieht sie keine Steuern von Dividenden oder Gewinnen ab, solange der Sparerpausch­betrag von 801 Euro (1 602 Euro für Ehepaare) nicht ausgeschöpft ist. Ohne Frei­stellung lässt sich zu viel gezahlte Steuer nur über die Steuererklärung zurück­holen.

          Abge­rechnet wird zum Schluss

          Der Fiskus kann Sparer ausschüttender und thesaurierender Fonds im Laufe der Haltedauer verschieden stark mit Abgeltung­steuer belasten. Das gleicht sich aber am Ende wieder aus. Denn mit der Reform ändern sich auch die Regeln für den Verkauf von Anteilen: Bei ausschüttenden Fonds erhalten Anleger über die Jahre Erträge aus dem Fonds­vermögen, die sie versteuern. Wert­steigerung, Verkaufs­gewinn und die darauf zu zahlende Steuer fallen dann kleiner aus. Anders bei thesaurierenden Fonds. Insbesondere ein nied­riger Basiszins führt während der Haltedauer zu geringen Vorabpauschalen und entsprechend wenig Steuer – ein zeitlicher Vorteil gegen­über ausschüttenden Fonds. Da wieder­angelegte Erträge den Wert des Fonds steigern, ist beim Verkauf ein größerer Betrag zu versteuern. Die Vorabpauschalen werden aber auf den späteren Verkaufs­gewinn ange­rechnet, damit es nicht zu einer Doppel­besteuerung kommt.

          Verkaufs­gewinne durch Teilfrei­stellung begüns­tigt

          Beim Verkauf gleicht sich bei beiden Fonds­arten die unterschiedliche Steuerbelastung im Verhältnis zum Gesamt­ertrag aus. Alle Verkaufs­gewinne sind – egal ob aus ausschüttenden oder thesaurierenden Fonds – zusätzlich durch Teilfrei­stellung begüns­tigt. Wird ein Fonds mit Verlust verkauft, erhöht sich dieser Verlust­betrag durch die Anrechnung bereits versteuerter Vorabpauschalen. Über eine Steuererklärung kann der Anleger seinen Verlust fest­stellen und im gleichen oder in folgenden Jahren mit anderen Kapital­erträgen verrechnen lassen.

          Altbestände nicht länger steuerfrei

          Klare Nachteile entfaltet die Reform für Sparer, die ihre Anteile vor 2009 erworben haben. Solche „Altanteile“ genießen bisher Bestands­schutz und bleiben von der Abgeltung­steuer bei Verkauf verschont. Nur laufende Erträge wie Dividenden unterliegen ihr. Das garan­tierte Sparern, dass sich die 2009 einge­führte Steuer nicht zu ihrem Nachteil auswirkt. Das Versprechen ist ab dem kommenden Jahr zum Teil gebrochen: Für künftige Kurs­gewinne gibt es fortan nur noch einen persönlichen Frei­betrag von 100 000 Euro. Alles darüber hinaus wird besteuert.

          Kein Grund zur Panik

          Grund­sätzlich besteht aber kein Grund zur Panik: Erst ab 2018 wird gerechnet, es werden nicht über Nacht Steuern fällig. Bis Ende 2017 aufgelaufene Kurs­gewinne bleiben endgültig steuerfrei. Es müssen schon einige Hundert­tausend Euro im Depot liegen, um in den nächsten Jahren tatsäch­lich Steuern zu zahlen. Ehepaare haben zudem für das gemein­same Depot die doppelte Summe, 200 000 Euro, frei. Bei Verkauf behält die Depot­bank allerdings zunächst Steuern ein. Das Finanz­amt gewährt anschließend den Frei­betrag, wenn der Verkauf in der Steuererklärung mitgeteilt wird, und erstattet den zu viel gezahlten Betrag. Im Rahmen des Frei­betrags lassen sich auch Verluste geltend machen: Falls in einem Jahr Anteile mit Gewinn verkauft werden und in einem späteren mit Verlust, erhöht das den restlichen Frei­betrag um den Verlust­betrag so lange, bis alle Altbestände verkauft sind.

          Altanteile verschenken

          Vermögende haben 2017 noch Spielräume. Wer damit rechnet, den Frei­betrag bald zu sprengen, könnte Teile des Vermögens an Verwandte verteilen und so den Frei­betrag von 100 000 Euro vervielfachen. Bei der ordentlichen Schenkung eines Depots geht nämlich auch der Bestands­schutz für Altanteile über. So können auch Kinder oder Enkel in Zukunft in den Genuss des Frei­betrags kommen. Eile ist aber unnötig: Das Bundes­finanz­ministerium hat mitt­lerweile auf Anfrage von Finanztest klar­gestellt, dass eine Schenkung auch in kommenden Jahren so möglich ist, dass Beschenkte ein Recht auf den Frei­betrag erhalten.

          Schenkung schriftlich dokumentieren

          Probleme mit dem Finanz­amt bekommt, wer Vermögen zum Schein verschenkt, aber weiterhin darüber verfügt oder es sich später zurück­holt. Der Fiskus kann dann einen Gestaltungs­miss­brauch unterstellen, Gewinne dem Schenker zuschlagen und Steuern nach­fordern. So wie bei einem Ehepaar aus Rhein­land-Pfalz, das seinen minderjäh­rigen Kindern Aktien schenkte, danach aber Teile des Bestands in deren Namen verkaufte, um ihre Ausbildung zu finanzieren (Az. 2 K 2395/15). Zwar geht dieser Fall noch vor den Bundes­finanzhof (Az. IX R 19/17), doch wer sicher­gehen will, sollte die Schenkung schriftlich in einem Schenkungs­vertrag fest­halten und sich klarmachen: Geschenkt ist geschenkt. Es ist notwendig, der Depot­bank mitzuteilen, dass es sich um eine Schenkung handelt. Jede Bank sollte dafür ein Formular bereithalten, mit dem die „unentgeltliche Depot­über­tragung“ beantragt wird. Wird das versäumt, greift der Fiskus gleich zu.

          Klar Schiff im Depot

          Die Reform kann Anlass sein, das eigene Depot auszumisten. Wer einen schlecht laufenden Fonds hat, sollte sich davon endlich trennen, egal ob die Steuer­regeln jetzt besser oder schlechter für ihn sind. Eine gute Geld­anlage rechnet sich unabhängig von der Besteuerung. Das Steuerrecht kann sich auch wieder ändern.

          Tipp: Mehr zum Thema finden Sie in unserem Vergleich Fonds und ETF im Test und in unseren FAQ Fondsbesteuerung ab 2018.

          Die Reform kann ein guter Anlass sein, das Depot auszumisten und schlecht laufende Investmentfonds zu verkaufen.

          Dieses Special ist erst­mals am 27. Januar 2017 auf test.de erschienen. Es wurde seitdem mehr­fach aktualisiert, zuletzt am 12. Dezember 2017.

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