Fonds­besteuerung Special

Die Umstellung auf das neue Steuerrecht ist für Anleger ein Geduld­spiel. Spätestens Ende des Jahres soll alles über die Bühne sein.

Viele Anleger verstehen ihre Fonds­über­sichten nicht mehr. Wir geben Antworten auf die häufigsten Fragen zum neuen Steuerrecht. Grund­legende Informationen zur neuen Fonds­besteuerung finden Sie im Special Fondsbesteuerung ab 2018. Bewertungen von über 8 000 Fonds und ETF finden Sie in der Test-Datenbank Fonds auf test.de.

Umstellung

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Es sollte alles einfacher werden. Jetzt ist alles verwirrender. Was passiert da in meinem Depot?

Sie haben recht, der Über­gang vom alten zum neuen Steuerrecht verläuft holp­rig. Die Banken müssen die Kundendepots von der alten auf die neue Besteuerung umstellen. Dazu werden alle Fonds fiktiv verkauft und wieder ange­schafft. Diese Umstellung sollte zum Jahres­wechsel erfolgen, ist aber teil­weise noch im Gange, weil für einige Fonds die erforderlichen Daten noch nicht vorliegen. Die Mehr­heit der Fonds ist jedoch schon umge­stellt.

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Warum weist die Bank ein Veräußerungs­ergebnis zum 31. Dezember 2017 aus? Ich habe nichts verkauft.

Die Bank macht sich damit einen Merk­posten. Die bis Ende 2017 aufgelaufenen Erträge und Kurs­gewinne müssen Sie nach altem Recht versteuern, danach gelten die neuen Regeln. Der Steuer­abzug erfolgt, wenn Sie den Fonds wirk­lich verkaufen.

Schätz­wert

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In meiner Aufstellung von der DKB steht nicht nur ein Veräußerungs­ergebnis, sondern auch ein Schätz­wert. Was bedeutet das?

Bei der Umstellung zum Jahres­ende werden die Fonds nicht nur fiktiv verkauft und wieder ange­schafft, auch die bis zum 31. Dezember aufgelaufenen Erträge müssen abge­rechnet werden. Bis die Fonds­gesell­schaften die entsprechenden Daten vorlegen, müssen die Erträge geschätzt werden. Endet das reguläre Geschäfts­jahr zum Beispiel am 30. Juni, wird ein Rumpf­geschäfts­jahr gebildet. In diesem Fall bezieht sich die Schät­zung auf die sechs Monate bis Dezember. Einige Banken weisen den Schätz­wert nicht extra aus, sondern zählen ihn zum Veräußerungs­erlös dazu. ING-Diba zum Beispiel veröffent­licht einen Gesamt­wert. Bei anderen Banken wie der Consors­bank können Anleger den Veräußerungs­erlös bislang nicht einsehen.

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Wie funk­tioniert diese Schät­zung genau?

Es wird dabei angenommen, dass die Erträge eines Jahres 6 Prozent vom Rück­nahme­preis des Fonds betragen. Beträgt der Rück­nahme­preis des Fonds am 31. Dezember 2017 zum Beispiel 100 Euro, dann beläuft sich die Schät­zung auf 6 Euro. Das gilt aber nur dann, wenn das Geschäfts­jahr genau dem Kalender­jahr entspricht. Wenn das Geschäfts­jahr Ihres Fonds am 30. Juni endet, dann beträgt der Schätz­wert nur die Hälfte: 3 Euro.

Wenn Sie Fonds, die noch nicht umge­stellt sind, verkaufen, setzt die Bank die Schät­zung bei 30 Prozent des Rück­nahme­preises an. Dann warten Sie besser mit dem Verkauf. Die meisten Fonds sind jedoch umge­stellt.

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Wird der Steuer­abzug auf die Schätz­werte auto­matisch korrigiert oder muss ich das erledigen?

Das sollten die Banken machen. Solange die Daten nur als Merk­posten im System stehen, passiert steuerlich ja nichts. Verkaufen Sie einen Fonds, bevor die Schätz­werte korrigiert wurden, würden Sie zu viel oder womöglich auch zu wenig Steuern zahlen. Nach Angaben des Bundes­finanz­ministeriums ist es Sache der depotführenden Stelle, zu viel gezahlte Steuern zu erstatten. Comdirect etwa wird so vorgehen: „Werden die Ertrags­daten von der Gesell­schaft gemeldet, stornieren wir den Verkauf und rechnen neu ab.“ Das heißt, auch der Steuer­abzug wird storniert und neu berechnet, der Kunde muss sich nicht kümmern.

Das kann allerdings noch dauern: Die Fonds­gesell­schaften haben bis zum Jahres­ende Zeit, die korrekten Werte nach­zuliefern. Coms­tage zum Beispiel rechnet damit, die Daten im April zu veröffent­lichen, Xtra­ckers plant mit Ende März. In der Steuer­bescheinigung für 2017 taucht der Schätz­wert übrigens nicht auf. Hier steht lediglich, dass die Erträge dieser Fonds nicht bekannt waren.

Vorabpauschale

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Was ist die Vorabpauschale und wann muss ich sie zahlen?

Die Vorabpauschale ist eine Art fiktive Ausschüttung. Sie wird berechnet, wenn der Fonds selbst keine oder nur eine geringe Ausschüttung tätigt. Der Fiskus will damit sicher­stellen, dass Anleger auf Zins­erträge und Dividenden regel­mäßig Steuern zahlen. Sie müssen aber nicht die Vorabpauschale ans Finanz­amt zahlen, sondern nur die Kapital­ertrag­steuer darauf. Wird eine Vorabpauschale von 10 Euro angesetzt, beläuft sich Ihre Steuer­pflicht auf 2,67 Euro inklusive Soli.

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Muss ich die Vorabpauschale in der Steuererklärung angeben?

Nein, Ihre depotführende Stelle in Deutsch­land kümmert sich darum. Wie das genau ablaufen wird, ist häufig noch offen, die Vorabpauschalen werden erst 2019 relevant. Einige Direkt­banken haben vor, sich die für den Steuer­abzug erforderlichen Beträge vom Verrechnungs­konto ihrer Kunden zu holen. ING-Diba plant das, ebenso Consors­bank und Onvista Bank.

Union Investment, die Fonds­gesell­schaft der Volks­banken, will Fonds­anteile verkaufen, um den Steuer­abzug sicher­zustellen. Deka, Fondsanbieter der Sparkassen, will die Steuer vom Korrespondenz­konto des Kunden einziehen, meist ein Giro­konto bei einer Sparkasse. Wenn kein Geld auf dem Konto ist, sollen ersatz­weise Fonds­anteile verkauft werden.

Klappt der Steuer­abzug nicht, müssen die depotführenden Stellen das ans Finanz­amt melden und der Anleger muss die Daten in der Steuererklärung nach­reichen.

Ausschüttende Fonds

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Ist es nicht besser, nur noch ausschüttende Fonds zu kaufen?

Bei ausschüttenden Fonds ist der Steuer­abzug einfacher, weil Geld aus dem Fonds an die depotführende Stelle fließt. Davon kann die Steuer abge­zwackt werden. Union und Deka haben schon zahlreiche Fonds, die die Erträge zuvor ange­sammelt (thesauriert) haben, auf ausschüttend umge­stellt, bei Deka-ETF ist das nicht vorgesehen. Bei Coms­tage sind jetzt alle ETF ausschüttend, auch Swap-ETF auf Indizes, die keine Erträge, sondern nur Kurs­gewinne erwirt­schaften. Die Ausschüttung dieser Swap-ETF soll dann aber nur so hoch wie die Vorabpauschale sein. Ob ein thesaurierender oder ausschüttender Fonds besser passt, hängt nicht nur von der Steuer ab, sondern etwa auch der Sparform (siehe Meldung Comstage stellt ETF um).

Offene Immobilienfonds

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Wie läuft der Steuer­abzug bei offenen Immobilienfonds?

Für Fonds, die über­wiegend in inländische Immobilien investieren, beträgt die Teilfrei­stellung 60 Prozent, bei Schwer­punkt auf ausländischen Immobilien sind 80 Prozent der Erträge steuerfrei. Anders als 2017 sind auch Substanz­ausschüttungen steuer­pflichtig.

Das betrifft allerdings nicht die offenen Immobilienfonds in Auflösung, die Gebäude verkaufen und den Erlös an die Anleger zurück­zahlen. Hier sind die Substanz­ausschüttungen – das Geld aus Immobilien­verkäufen – für eine mehr­jährige Über­gangs­frist noch steuerfrei.*

Auch Anleger des nach wie vor offenen Wert­grund Wohn­select haben kurz vor Weih­nachten eine hohe Ausschüttung bekommen, bei der sich das Fonds­vermögen um rund ein Drittel reduzierte. Teil­weise handelte es sich hierbei um Verkaufs­erlöse aus Immobilien­geschäften, die als Substanz­auskehrung steuerfrei waren. Künftig müssen Anleger alles, was sie ausgezahlt bekommen, versteuern – nach Abzug der Teilfrei­stellung.

Passage am 27. Juli 2018 geändert.

Fiktive Veräußerung

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Mein Fonds wurde zu einem anderen Kurs verkauft als wieder ange­schafft. Wie kann das sein?

Eigentlich kann das nicht sein, weil es sich bei der Zeit zwischen der fiktiven Veräußerung und der fiktiven Anschaffung der Anteile um eine juristische Sekunde handelt. Wenn doch, haken Sie bei Ihrer Bank nach.

Teilfrei­stellung

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Ich habe den Frank­lin Income Fund, einen Misch­fonds mit derzeit über 45 Prozent Aktienquote. Die erste Ausschüttung 2018 wurde voll versteuert, ich hatte jedoch mit einer Teilfrei­stellung gerechnet.

Bei Misch­fonds mit mindestens 25 Prozent Aktienquote sollte die Teilfrei­stellungs­quote 15 Prozent betragen. Sie müssten nicht auf alle, sondern nur auf 85 Prozent der Erträge Steuern zahlen. Die Teilfrei­stellung wurde dieses Jahr einge­führt, weil auf Fonds­ebene anders als früher Körper­schaft­steuer abge­zogen wird, etwa auf Dividenden. Bei Aktienfonds mit mindestens 51 Prozent Aktienquote gilt sogar eine Teilfrei­stellung von 30 Prozent. Für die Teilfrei­stellung müssen die Quoten dauer­haft erfüllt sein.

Für den Nach­weis reicht es nicht, sich die aktuelle Aktienquote anzu­schauen. Entscheidend für die Höhe der Teilfrei­stellung sind die Anla­gebedingungen des Fonds. Über­gangs­weise, bis Ende 2018, reicht eine Eigen­erklärung der Fonds­gesell­schaft. Ihr Misch­fonds von Frank­lin Templeton zum Beispiel hat keine Teilfrei­stellung, weil er flexibel sein möchte. War die Aktienquote das gesamte Jahr über hoch genug für eine Teilfrei­stellung, können Anleger zu viel gezahlte Steuern auch über das Finanz­amt zurück­holen. Das dürfte in der Praxis aber kaum funk­tionieren, weil man dazu sämtliche Fonds­daten vorlegen müsste.

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