Fonds­besteuerung Abrechnungen verstehen, Gewinne ermitteln

Fonds­besteuerung - Abrechnungen verstehen, Gewinne ermitteln
Schwer zu entwirren. Die Regeln für die Fonds­besteuerung sind erklärungs­bedürftig. © Getty Images

Seit 2018 gilt neues Recht bei der Besteuerung von Investmentfonds. Viele Anleger verstehen seitdem ihre Abrechnungen nicht mehr. Wir erklären sie Schritt für Schritt.

Inhalt

Unver­ständliche Abrechnungen bei Investmentfonds

Das Steuerrecht bei Investmentfonds setzt auf den ersten Blick allgemeine Rechen­regeln außer Kraft. Ein Beispiel: Ein Anleger kaufte im Jahr 2010 Anteile für 7 963,58 Euro und verkaufte sie im Jahr 2019 für 12 549,18 Euro. Das macht einen Kurs­gewinn von 4 585,60 Euro – aber nicht für das Finanz­amt. Es will Steuern auf 5 022,86 Euro Kurs­gewinn haben, also auf 437,26 Euro zusätzlich. Schuld ist der Anfang 2018 voll­zogene Wechsel der Besteuerungs­regeln.

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Anhand der Abrechnung einer Fonds­gesell­schaft bekommen Sie Punkt für Punkt erläutert, welche Steuer­regeln für Investmentfonds gelten und wie Sie Ihre eigene Abrechnung lesen müssen.
Recht­licher Hintergrund.
Die Steuer­experten der Stiftung Warentest erklären, wie Abgeltung­steuer und Teilfrei­stellung funk­tionieren, was ein „steuerlicher Ruck­sack“ ist, warum der Steuerzah­lerbund gegen die neuen Steuer­regeln vor Gericht zieht – und wie sich Anleger in die Musterklage einklinken können.
Heft­artikel.
Wenn Sie das Thema frei­schalten, erhalten Sie Zugriff auf das PDF zum Testbe­richt aus Finanztest 06/2021.

Steuer­pflichtigen Betrag ermitteln

Seit 2018 gelten neue Regeln bei der Fondsbesteuerung. Wurde ein Fonds vor 2018 gekauft und 2018 oder später verkauft, dürfen die Depot­banken nicht einfach Anschaffungs­kosten und Verkaufs­preis vergleichen. Sie müssen zuerst das Veräußerungs­ergebnis vom Kauf­datum bis zum 31. Dezember 2017, dem Stichtag der Fonds-Steuerreform, nach einem vorgegebenen Schema ermitteln. Dann berechnen sie das Veräußerungs­ergebnis ab 1. Januar 2018 bis zum Verkaufs­zeit­punkt, wie es seit der Reform vorgesehen ist. Zum Schluss werden die Ergeb­nisse aus beiden Teil­rechnungen zusammengeführt. Die Folge: Wenn Fonds bis zum Stichtag 31. Dezember 2017 Kurs­zuwächse erzielt haben, danach aber an Wert verloren haben, kann es passieren, dass das steuer­pflichtige Veräußerungs­ergebnis höher ausfällt als die tatsäch­lich erzielten Kurs­gewinne. Wie Sie das korrekte Veräußerungs­ergebnis ermitteln, zeigen wir anhand eines Beispiels.

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7 Kommentare Diskutieren Sie mit

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Profilbild Stiftung_Warentest am 27.12.2021 um 13:44 Uhr
Verluste bis 31.12.2017 / Altbestand

@Sparer mit Fondsanteilen aus der Zeit vor 2009, deren Anteile bis zum 31.12.2017 Verluste gemacht haben, haben den Nachteil, dass der fiktive Verlust nicht zu einer Senkung der Steuerschuld führt. Denn bis Ende 2017 erzielte Verluste aus dem Verkauf von Altfonds (Kauf vor 2008) konnten auch damals nicht mit Kapitalerträgen verrechnet werden.
Das Musterverfahren, zu dem wir hier berichten, bezieht sich, zwar auf einen etwas anderen Fall. Aber Sie können versuchen, erst einmal Einspruch einzulegen und das Ruhen des Verfahrens zu beantragen. Lässt das Finanzamt sich darauf nicht ein, müssen Sie selbst die Rechtsfrage vor Gericht klären lassen, um die Bestandskraft des Steuerbescheides zu verhindern.
Es bleibt abzuwarten, ob das Finanzgericht und / oder in Zukunft der BFH (?) in seinem Urteil auch auf diese Fälle eingeht. Weder das Finanzgericht noch der BFH ist verpflichtet, zugleich eine Entscheidung für ähnlich gelagerte Fälle zu treffen.

stsch am 20.12.2021 um 16:20 Uhr
Altbestände

Meine Frage war doch allgemein formuliert: Was geschieht mit bestandsgeschützten Alt-Anteilen bei denen zwischen dem Anschaffungszeitpunkt und dem 31. Dezember 2017 (fiktive) Verluste eingetreten sind?

Profilbild Stiftung_Warentest am 20.12.2021 um 11:12 Uhr
Altbestände

@stsch: Wir bitten um Verständnis, hier ist nicht der Ort für eine individuelle Beratung. Sie können uns gerne einmal Ihre Abrechnungen zusenden, dann schauen wir uns das an. finanztest@stiftung-warentest.de.

stsch am 18.12.2021 um 09:47 Uhr
Altbestände (Fortsetzung)

Anschaffungskosten vor 2009 = 20.000 Euro, Kurswert am 31.12.2017 = 10.000 Euro, Verkaufserlös in 2021 = 14.000 Euro. Für den Anleger entstand also ein Verlust i.H.v. 6.000 Euro, den er aber als Gewinn i.H.v. 4.000 Euro versteuern soll. Das wäre schon ein wenig absurd. Was geschieht bei Altbeständen mit fiktiven Verlusten zum 31.12.2017?

stsch am 18.12.2021 um 09:46 Uhr
Altbestände

In der Beispielrechnung aus dem Artikel wurden die Fondsanteile im November 2010 angeschafft. Wie sieht die Rechnung bei Altbeständen aus? Also bei Investments, die bereits vor 2009 getätigt wurden? Findet dort ebenfalls eine Teilrechnung vom Kauf bis zum 31.12.2017 statt? Mir liegt eine Abrechnung meiner Depotbank über einen Verkauf von Fondsanteilen im Oktober 2019 vor, in der ich diese Teilrechnung vermisse. Die Fondsanteile wurden im Juni 2008 erworben. Der Verkaufserlös in 2019 liegt unter den ursprünglichen Anschaffungskosten aus 2008, ermittelt wurde jedoch ein Gewinn, da der Verkaufserlös höher war als der Kurswert zum 31.12.2017. Der Kursverlust zwischen Anschaffung und 31.12.2017 bleibt vollkommen unberücksichtigt. Ist das korrekt? Dann wäre folgende vereinfachte Konstellation denkbar: [Fortsetzung aufgrund begrenzter Zeichenanzahl im nächsten Kommentar]