Fondsbank will Privatdepots loswerden Meldung

Attrax verabschiedet sich vom Geschäft mit Privatkunden. Wer über einen Fondsdiscount oder -vermittler ein Depot bei der luxemburgischen Fondsplattform der Genossenschaftsbanken eröffnet hat, bekommt in den nächsten Wochen Post. Anleger haben die Wahl zwischen einer Kündigung des Depots mit dem Verkauf aller Fondsanteile oder der Übertragung des Depots zu einer neuen Fondsplattform oder -bank. test.de sagt, was Attrax-Kunden beim Wechsel zu beachten haben und wie sie einen ungewollten Verkauf ihrer Fondsanteile verhindern.

Keine Lust auf Zinsbesteuerung

Hintergrund für die Entscheidung von Attrax: Anfang Juli treten die europäischen Vorschriften über die Zinsbesteuerung in Kraft. Für die Verwaltung von Privatdepots wäre dann neue Software nötig. Hinzu kommt: Das Geschäft mit Privatkunden blieb offenbar hinter den Erwartungen zurück. Nach Angaben der Attrax läuft das Geschäft mit institutionellen Anlegern dagegen gut. Das Unternehmen verwaltete Ende 2004 Depots im Wert von rund sechs Milliarden Euro. Noch ein Jahr zuvor war es weniger als die Hälfte.

Verhandlungen mit Vermittlern

Bislang hat Attrax Kunden direkt noch gar nicht informiert. Der Depotvertrag hat sechs Wochen Kündigungsfrist. Die Kündigungsschreiben will Attrax offenbar erst Ende April verschicken. Die Verhandlungen mit Vermittlern und Fondsdiscountern dagegen seien bereits zu einem guten Teil abgeschlossen, teilte ein Attrax-Sprecher mit. Der größte Teil der Vermittler habe sich entschieden, den Kunden den Wechsel zu verschiedenen anderen Fondsplattformen zu empfehlen. Der Wechsel lasse sich in solchen Fällen innerhalb von zwei Tagen abwickeln. Davor und danach können Kunden sofort wieder auf ihre Depot zugreifen, versprach Attrax-Vertriebsleiter Frank Pöpplow.

Wechsel mit Verzögerungen

Kunden, die unabhängig von ihrem Vermittler zu einer anderen Fondsplattform oder Bank wechseln wollen, müssen mit Verzögerungen rechnen. Der Wechsel könne sich - wie bei der Depotübertragung zwischen anderen Banken auch üblich - über mehrere Tage bis zu einer Woche hinziehen. Ursprünglich wollte Attrax in solchen Fällen sogar Depotübertragungsgebühren von 30 Euro je Fonds kassieren. Darauf werde das Unternehmen jedoch verzichten, kündigte Attrax-Manager Pöpplow an. Nach deutschem Recht sind solche Depotübertragungsgebühren unzulässig. Nach den allgemeinen Geschäftsbedingungen der Attrax SA gilt für die Depotverträge jedoch luxemburgisches Recht. Auf die Gebühren will Attrax erst verzichten, wenn die Kündigungsschreiben für die Depotverträge verschickt sind.

Zwangsübertragung oder Verkauf

Die Depots von Kunden, die sich auf die Kündigung der Attrax hin überhaupt nicht melden, werden nach Ablauf der sechswöchigen Kündigungsfrist entweder zur luxemburgischen Fondsplattform Moventum SA übertragen oder sämtliche Anteile zum aktuellen Wert verkauft und der Erlös an den Kunden überwiesen. Zur Moventum SA kommen Kunden, wenn ihr Vermittler entschieden hat, wiederum ein luxemburgisches Depot zu empfehlen. Bei Kunden, deren Vermittler den Wechsel zu einem Depot in Deutschland vorzieht, wird das Attrax-Depot aufgelöst, wenn die Kunden sich nicht melden und den Wechsel zu einem neuen Anbieter in die Wege leiten.

Tipps

  • Nachfragen. Wenn Sie als Attrax-Kunde bis jetzt noch nichts von Ihrem Fondsvermittler oder -discount gehört haben, fragen Sie nach. Grund zur Hektik besteht allerdings nicht. Schäden können Ihnen einstweilen nicht entstehen.
  • Alternativen. Prüfen Sie die Alternativangebote sorgfältig. Die Höhe der Gebühren hängt meist davon ab, über welchen Vermittler oder Fondsdiscounter Sie bei einer Fondsplattform oder -bank abschließen. Prüfen Sie auch die technischen Möglichkeiten zur Auftragserteilung. Bei Moventum SA etwa geht das nicht per Internet.
  • Wartezeit. Wenn Sie der Empfehlung Ihres Vermittlers folgen, haben Sie während des Wechsels für etwa zwei Tage keinen Zugriff auf Ihr Depot. Wenn Sie der Empfehlung Ihres Vermittlers nicht folgen wollen, kann sich der Wechsel verzögern und auch schon mal eine Woche oder noch länger dauern. Sie haben auch die Möglichkeit, Ihre Anteile bei Attrax zu verkaufen und sich beim Anbieter ihrer Wahl neu einzudecken. Sie behalten dann stets alles unter Kontrolle. Beachten Sie, dass auch bei Fondsdiscountern und -vermittlern je nach Fonds zuweilen noch unterschiedlich hohe Ausgabeaufschläge zu zaheln sind.

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