Europäische Aktienfonds: Von Mitläufern und Machern

Fondsauswahl Test

Fondsmanager nutzen die europäische Aktienvielfalt. Sie investieren das Anlegergeld manchmal in Aktien, die nur Experten kennen.

Schon mal etwas von den Framtidsfabriken gehört? Der schwedische Multimedia-Dienstleister ist in Deutschland wenig bekannt. Das liegt sicher nicht am unaussprechlichen Namen. Trotzdem wurde der jetzt für den internationalen Gebrauch in Framfab geändert. Das soll die Ausweitung des Geschäfts in andere europäische Länder erleichtern. Bei Elizabeth Wells, der leitenden Fondsmanagerin des Invesco GT Pan European Enterprise stehen unbekannte Namen häufiger auf dem Kurszettel. Sie sucht nicht nur unter den großen Unternehmen wie BMW, Fiat, Nestlé oder Philips nach ihren Aktienfavoriten. Mit dieser Strategie war sie in den vergangenen fünf Jahren ebenso erfolgreich wie andere Kollegen, die sich vor allem unter den großen Aktiengesellschaften nach Kursraketen umsahen.

Gute Wahl

Fondsauswahl Test

Ob unbekannte Namen oder große Aktientitel, Anleger, die in den vergangenen Jahren auf einen europäischen Aktienfonds gesetzt hatten, lagen damit goldrichtig. Der Aktienindex MSCI-Europa, ein Barometer für den Markt, stieg in den vergangenen fünf Jahren um 28,3 Prozent pro Jahr.

Bei der Wahl des richtigen Fonds konnten Anleger auch nicht völlig danebengreifen. Die beste Wertentwicklung hatte der Spitzenreiter Gartmore CSF-Continental Europe mit 38,3 Prozent pro Jahr. Doch sogar bei dem Templeton European, der an letzter Stelle in der Tabelle steht, blieb immerhin noch eine Wertentwicklung von durchschnittlich 16,6 Prozent pro Jahr.

Ein kleines Stück Europa

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Es gab aber bei den Fonds ganz unterschiedliche Strategien, um von dem rasanten Marktwachstum zu profitieren. An Europas Börsen werden nicht nur Blue-Chips gehandelt. Neben den Aktien aus den großen und bekannten Aktienindizes der Länder gibt es viele andere Marktsegmente. Die Fondsmanager können auch so genannte Nebenwerte bevorzugen. Manchmal steckt dann viel vom beliebten Neuen Markt im Fonds. Einige Aktien aus dem so genannten Wachstumssegment der Deutschen Börse oder ähnlichen Börsensegmenten in europäischen Ländern machten in der Vergangenheit mit spektakulären Kursgewinnen von sich reden. Fonds, die solche Aktien im Fondsvermögen hielten, profitierten ebenfalls davon. Im Gegensatz zu den großen Aktien entwickeln sich die Aktienkurse der kleinen und vielfach sehr jungen Unternehmen schwungvoller auf- und abwärts.

Die Standardwerte sind dagegen wie schwere Tanker. Sie bleiben auch bei Turbulenzen ruhiger. Das macht sie vor allem dann beliebt, wenn die wirtschaftlichen Prognosen nicht rosig sind. Ihnen wird eher als kleinen jungen Unternehmen zugetraut, dass sie auch schwächere Geschäftsjahre aushalten und ihr Bestehen dadurch nicht gefährdet wird. Außerdem hängt die Wirtschaftskraft international tätiger Unternehmen nicht so stark von der Konjunktur im Heimatland ab.

Wie die Fondsmanager mit den unterschiedlichen Aktiensegmenten zurechtgekommen sind, zeigt ein Blick auf die Finanztest-Tabellen. Anhand der Stabilität der Wertentwicklung können Anleger beurteilen, ob sie bereit sind, die Risiken eines Fonds in Kauf zu nehmen. Bei Fonds mit einem langen roten Balken sind die Verlustrisiken größer. Ist der Balken insgesamt sehr groß, dann muss der Anleger mit stärkeren Kursschwankungen rechnen. Das ist aber nicht nach jedermanns Geschmack. Anleger, die etwas mehr Kontinuität bevorzugen, finden auch Fonds, bei denen es den Managern gelungen ist, die Risiken im Verhältnis zu den Chancen gering zu halten. Der rote Balkenteil ist in diesem Fall kurz.

Aktien wechseln, Strategie bleibt

Fondsauswahl Test

Wie kommen die Risikoabweichungen und die unterschiedlichen Fondsergebnisse überhaupt zustande?

Fonds, die auf Standardwerte setzen, bewegen sich damit gewöhnlich in ruhigerem Fahrwasser. Vor Kursverlusten kann der Fondsmanager seine Aktien ebenfalls durch einen geschickten Einsatz von Sicherungsinstrumenten wie Optionen schützen. Diese Möglichkeit besteht bei kleinen Aktienwerten kaum.

Abweichung vom Markt

Ein Fondsmanager, der sich auf eine Mischung mit kleinen Aktienwerten einlässt, geht das Risiko ein, mit dieser Strategie falsch zu liegen. Wie stark die Abweichungen eines Fonds vom Kernmarkt sind, lässt sich ebenfalls in den Fondstabellen ablesen. Je weniger sich der Fonds im Takt des Index bewegt (Abweichung vom Markt), desto größere Freiheiten hat das Fondsmanagement ausgenutzt

Es kann sich beispielsweise bei einem europäischen Aktienfonds dafür entscheiden, eine Branche oder ein Land besonders stark im Fondsvermögen zu gewichten. Einige Experten versprechen sich von der Steuerreform der Bundesregierung Vorteile für die Unternehmen. Steuererleichterungen würden vielleicht auch den Aktienkursen deutscher Unternehmen einen Schub geben.

Eine Abweichung vom MSCI-Index kommt aber auch dann zustande, wenn der Manager seine Anlagestrategie an anderen Vergleichsmaßstäben orientiert, zum Beispiel einem Small-Cap-Index.

Die Zusammensetzung eines Investmentfonds kann sich zwar ständig verändern. Ihren Strategien bleiben Fondsmanager aber gewöhnlich lange treu. Ob die Fondsstrategie dem Geschmack des Anlegers entspricht, erfährt er aus dem Fondsprospekt. Er kann bei der Fondsgesellschaft angefordert werden. Eine kurze Beschreibung finden Anleger zumeist auch im Internet.

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