Fonds sind so verschieden wie die Anlegertypen. Nicht immer finden sich die richtigen Paare. Der Finanztest-Fondsvergleich macht den Weg zum Wunschfonds frei.

Ein kurzer Blick und die Liebe fürs Leben beginnt? Das soll vorkommen, doch nüchtern betrachtet, ist es wohl eher die Ausnahme.

Auch bei der Suche nach dem idealen Fonds genügt ein kurzer Blick selten. Denn wie bei der Partnersuche gehen die Vorstellungen der Anleger weit auseinander. Dem einen Anleger ist der Kursgewinn zu mickrig, einem anderen rauben bei demselben Fonds heftige Kursschwankungen den Verstand.

Offensichtlich fehlten beiden Anlegern wichtige Informationen, als sie sich für den Fonds entschieden haben. Sonst hätten sie vielleicht eine andere Wahl getroffen.

Mehr über den Fondscharakter

Lässt sich aus dem Datenmaterial zu den Investmentfonds noch mehr über den Fondscharakter herausfiltern? Diese Frage stellten sich die Fondsexperten der Stiftung Warentest.

Indem sie alle Kursbewegungen der Fonds mit den Bewegungen des jeweiligen Markts verglichen, kamen sie den speziellen Fondsmerkmalen auf die Spur. Das Ergebnis hilft sowohl den Anlegern, die aggressiv auf Rendite setzen, wie auch denen, die eher vorsichtig anlegen und große Verluste scheuen, aber die Chancen des Markts doch nutzen wollen.

Wie bereits in vorangegangenen Fondstests werden die Fonds danach sortiert, wie konstant ihre Wertentwicklung im fünfjährigen Untersuchungszeitraum vom 31. Dezember 1994 bis zum 31. Dezember 1999 war. Bei den Fonds, die in den Tabellen oben stehen, holten die Manager aus den Möglichkeiten des Markts das Beste heraus. Sie nutzten die Chancen, konnten aber auch Risiken begrenzen. Für den Anleger sprang meist eine gute Wertentwicklung dabei heraus. Fonds, die im Vergleich gut abschneiden, wurden insgesamt besser gemanagt als die übrigen. Wenn sich im Fondsmanagement keine gewaltigen Veränderungen ergeben, dann sind sie auch die Favoriten für die Zukunft. Langfristige Erfolge sind kein Zufall.

Standard oder Spezialitäten

Zwar investieren alle europäischen Aktienfonds in die Beteiligungspapiere der Unternehmen. Doch diese Gemeinsamkeit führt keinesfalls zu gleichen Ergebnissen. Die Mischung der verschiedensten Aktien macht den Unterschied. Wie groß der jeweils ist, hängt auch vom Konzept ab, das der Fondsmanager verfolgt.

In den vergangenen Jahren hat sich an der Börse einiges getan. In Deutschland wurden beispielsweise zwei neue Märkte aus der Taufe gehoben, an denen jeweils ganz spezielle Aktien gehandelt werden: der Neue Markt für junge innovative Unternehmen und der Smax für traditionsreiche kleine Unternehmen. Damit kamen auch neue Investmentfonds auf den Markt, die diese speziellen Börsenbereiche abdecken. Aber auch viele ältere Fonds passten ihre Anlagestrategie dem gewandelten Umfeld an.

Ein Anleger, der nach dem passenden Fonds sucht, muss sich also nicht nur zwischen Aktien- und Rentenfonds entscheiden. Er muss vielmehr auch Aktienfonds daraufhin prüfen, wo ihr Anlageschwerpunkt liegt. Es gibt Regionen-, Branchen- und Länderfonds; zusätzlich in jeder Gruppe auch noch Fonds, die nur in Aktien kleinerer Unternehmen investieren.

Vertrauen zu Markt und Manager

Der Erfolg eines Fonds wird zunächst immer von der allgemeinen Börsenlage beeinflusst. Die wird gemessen an Börsenindizes, in denen sich auch die Marktschwankungen widerspiegeln. Bei den europäischen Aktienfonds hat Finanztest als Vergleichsindex den MSCI Europa zugrunde gelegt. Durch einen Vergleich der Wertentwicklung des Fonds mit der des Marktindexes lässt sich ermitteln, wie viel Prozent der Schwankungen eines Fonds durch Aktivitäten des Managers oder eine spezielle Fondsstrategie verursacht worden sind. Dieses Managementrisiko stellt Finanztest in den Tabellen als "Abweichung vom Markt" mit einem Balken dar.

Fonds, die sehr marktnah anlegen, sich also weitgehend am Index orientieren, haben nur einen kurzen Balken. Ist der Balken sehr lang, dann hat der Fonds hohe fondsspezifische Schwankungen, die durch Managemententscheidungen entstehen. Diese Fonds sind für ungeübte Anleger weniger geeignet. Denn sie setzen ein gutes Verständnis für die Zusammenhänge zwischen der Marktentwicklung und der Managemententscheidung voraus. Deswegen liefert Finanztest in den einzelnen Aktienfondsgruppen immer zwei Tabellen. Einmal für Fonds mit einem geringen Managementrisiko und dann für die Sonderkonzepte mit einer Marktabweichung von über 30 Prozent.

Auch sie müssen sich an den vorgegebenen Marktindizes messen, obwohl die Fondsmanager vielleicht ganz andere Maßstäbe haben. Doch wenn sich ein Anleger für Europa entscheidet, egal ob Laie oder Profi, dann will er dort gut punkten. Einen angemessenen Vergleich bietet ihm daher nur der Blick auf den Gesamtmarkt.

Finanztest wird monatlich eine andere Fondsgruppe detaillierter vorstellen. Darunter beispielsweise auch Spezialitäten wie Branchen- oder Emerging-Market-Fonds. Die Basis für ein sinnvoll kombiniertes Fondsdepot sind Standard-Fondsgruppen wie Aktienfonds International oder Aktienfonds Europa. In den Gruppen lässt Finanztest jetzt erstmals die Fonds mit Sonderkonzepten neben den traditionellen Fonds im Vergleich antreten. Denn beim Fondskauf wird der Anleger oft mit den verschiedenen Fondsarten konfrontiert. Doch in einer Beratung wird nicht immer ganz klar, worauf sich der Anleger bei den unterschiedlichen Konzepten einlässt. Hinter den Sonderkonzepten verbergen sich beispielsweise Managementstrategien, die sich auf kleinere Aktienwerte oder bestimmte Länder und Regionen konzentrieren.

Bei den Sonderkonzepten Aktienfonds Europa steht der Invesco GT Pan European Fund an der Spitze. Die Marktabweichung ist mit fast 45 Prozent allerdings sehr hoch. Das heißt: Nur etwa die Hälfte der Kursschwankungen des Fonds gehen auf Bewegungen des europäischen Aktienmarkts zurück.

Im schlimmsten Fall erfährt der Anleger von einem Kursfeuerwerk an den europäischen Börsen, während sein Fonds auf der Stelle tritt oder sogar Verluste macht.

Besonders für die speziellen Fondskonzepte gibt es eine Konjunktur. Sie zu beobachten und hier den richtigen Ein- und Ausstieg zu schaffen, ist für den Normalanleger schwierig.

Bequeme bleiben am Markt

Wenn dieser Anlegertyp einen europäischen Aktienfonds kauft, erwartet er, dass sich sein Fonds ähnlich entwickelt wie dieser Markt. Was sich da tut, kann er täglich in seiner Tageszeitung mit verfolgen. Dort findet er beispielsweise den Dow Jones Stoxx 50, einen Index für die 50 größten europäischen Aktienwerte.

An seinen Fonds stellt er gewöhnlich folgende Anforderungen: In Boomphasen läuft der Fonds gut mit und in unsicheren Börsenphasen erzielt er immer noch ein passables Kurswachstum. Der Anleger weiß aber auch, dass sein Vermögen durchaus mal unter den ursprünglichen Einzahlungsbetrag fallen kann.

Aktienfonds Europa kommen ebenso wie Aktienfonds International für den Normalanleger ohne große Fondskenntnisse infrage. Denn er sucht meist eine langfristige lukrative Anlageform, die nicht viel Mühe macht. Er findet zu seinem Wunschfonds, indem er unter den Standardfonds einen sucht, der seiner Risikoneigung entspricht. Wenn er am Markt anlegen und starke Kursverluste vermeiden möchte, dann sucht er sich einen Fonds aus dem oberen Feld, der eine geringere Marktabweichung und ebenfalls einen kurzen roten Balken hat. In diesem Fall schwankten die Ein-Jahres-Renditen des Fonds nämlich nur wenig um eine mittlere Wertentwicklung. Je länger der rote Balken ist, desto größer wird das Risiko für den Anleger.

Im vorderen Feld der Europa-Fonds sind der ABN Amro European Equity und der Industria für den Anleger erste Wahl. Von der Gesamtpunktzahl liegen die beiden Fonds gar nicht so weit auseinander und die Marktabweichung liegt bei ihnen unter 10 Prozent. Wer ohnehin Kunde bei der Dresdner Bank ist, sollte sich für den Industria entscheiden. Die Fondsgesellschaft DIT gehört zu dieser Bank und Anleger bekommen den Investmentfonds dort ohne Probleme.

Erfahrene Anleger können mehr

Erfahrenen Anlegern reicht dieser Standard nicht. Sie wollen vielleicht mehr wagen, weil sie sich mit der Fondsanlage bereits auskennen und auch munter einige Fonds ins Depot mischen, ohne den Überblick zu verlieren. Für sie sind auch Fonds mit großer Marktabweichung geeignet.

Die kommen dann zum Zuge, wenn der Anleger eine spezielle Marktmeinung vertritt. Er glaubt beispielsweise, dass beim angekündigten Konjunkturaufschwung die Small-Cap-Fonds mit Aktien kleinerer Unternehmen ihre große Stunde haben werden. Dann sucht er gezielt nach einem solchen Fonds mit einer guten Wertentwicklung und einem aktiven Management, das auch Abweichungen vom Index akzeptiert. Wie die Abweichung genau aussieht, das erfahren Anleger aus den Fondsprospekten. Nach der Lektüre legt er in diesen Fonds einen kleinen Teil seines Vermögens an.

Den größeren Teil hat er beispielsweise schon auf drei Fonds verteilt, die jeweils in den Regionen Pazifik, Nordamerika und Europa anlegen. So hat er sich selbst einen internationalen Fondskorb zusammengestellt, dessen jeweilige Regionengewichtung er nach eigenen Vorstellungen verändern kann. Er sucht sich für die Märkte drei Standardfonds, die jeweils sehr indextreu anlegen, und achtet zusätzlich auf geringes Risiko.

Wer beispielsweise speziell dem deutschen Aktienmarkt weiterhin viel zutraut, der sollte einen indexnahen Fonds wählen. Die Wahl könnte auf den DWS Deutsche Aktien Typ 0 oder den Adifonds fallen.

Nach dem Ja-Wort für ein bestimmtes Produkt verharrt der Anleger zunächst noch in der Prüfungsphase. Richtig glücklich wird er erst, wenn sich sein Fonds im Wettlauf mit der Konkurrenz wacker schlägt. Sonst läufts am Ende wie in vielen modernen Beziehungen auf die Trennung hinaus.

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