Fonds und Abgeltungsteuer Test

Aktienfonds sind eine gute Geldanlage für Dauersparer, trotz der jüngsten Krise an den Börsen. Wer noch im Jahr 2008 einsteigt, kassiert Kursgewinne später steuerfrei. Finanztest stellt die besten Strategien vor.

Glaubt man den Umfragen der Fernsehsender auf den Straßen, haben sich die Anleger von der jüngsten Börsenkrise kaum aus der Ruhe bringen lassen. „Auf und Abs gibts immer wieder“, sagen sie ins Mikrofon. Sie wollen ihre Aktienfonds jedenfalls nicht deshalb verkaufen.

Trotzdem wollen sich viele von ihren Fonds trennen. Der Grund: die Abgeltungsteuer. „Wenn die Steuer kommt, lohnen sich Fonds nicht mehr“, meinen sie.

Das ist falsch. Diese Anleger verkennen zwei Dinge. Erstens: Fonds werden sich auch dann noch lohnen, wenn die Steuer gilt. Zweitens: Kursgewinne von Fonds, die Anleger jetzt schon haben oder noch in diesem Jahr kaufen, sind von der Steuer nicht betroffen.

Für diese Fonds gilt weiter das alte Recht: Kursgewinne beim Verkauf bleiben steuerfrei, wenn seit dem Kauf mehr als ein Jahr vergangen ist. Das ist auch dann noch so, wenn Anleger die Fonds erst in 20 oder 30 Jahren verkaufen.

Die Abgeltungsteuer

Die Fonds von heute sind aber nicht komplett steuerfrei. Die regelmäßigen Ausschüttungen der Fonds wie Zinsen oder Dividenden sind steuerpflichtig, sofern sie über dem Sparerpauschbetrag liegen. Der Freibetrag beträgt 801 Euro für Alleinstehende und 1 602 Euro für Ehepaare.

Das galt bisher schon. Wer Zinsen oder Dividenden bekam, musste die Zinsen voll und die Dividenden zur Hälfte mit seinem persönlichen Steuersatz versteuern.

Künftig läuft es so: Von den Zinsen und Dividenden wird die Abgeltungsteuer abgezogen. Dividenden werden dann allerdings nicht mehr zur Hälfte, sondern voll angesetzt.

Der Satz für die Abgeltungsteuer beträgt 25 Prozent. Hinzu kommen der Solidaritätszuschlag und für Kirchgänger die Kirchensteuer, macht insgesamt rund 28 Prozent. Die Abgeltungsteuer muss der Anleger nicht selbst abführen, das übernehmen die Banken und Fondsgesellschaften. Sie ziehen die Steuer direkt von den Kapitalerträgen ab.

Depot aufräumen

Geld, das im kommenden Jahr angelegt wird, unterliegt der Abgeltungsteuer voll. Für diese Anlagen sind auch Kursgewinne steuerpflichtig.

Zahlreiche Anleger wollen deshalb das Jahr 2008 nutzen, um ihr Vermögen umzuschichten. Insbesondere das Fondsdepot sollten sie jetzt noch aufräumen. Für Fonds, die sie jetzt kaufen, können Anleger sich auf Jahrzehnte hinaus steuerfreie Kursgewinne sichern. Das lohnt sich vor allem für Aktienfonds.

Die Langfristanalyse

Die derzeit schlechte Börsenlage sollte den Blick auf die langfristig guten Renditechancen von Aktien nicht verstellen. Wichtig ist, wie sich die Märkte auf lange Sicht entwickeln. Wir haben uns deshalb die vergangenen zwei Jahrzehnte vorgenommen und die Börsen analysiert:

In Europa und Deutschland lagen in diesem Zeitraum die durchschnittlichen Renditen – in Euro gerechnet – bei über 11 Prozent pro Jahr, Krisen mitgezählt. Auf dem Weltaktienmarkt erreichten die deutschen Anleger mit Aktien ein Plus von im Schnitt 8,3 Prozent pro Jahr. Solche hohen Chancen bieten sichere verzinsliche Papiere nicht.

Was die Aktienanlage so schwierig macht, sind die Kursschwankungen. Das Vermögen wächst nicht gleichmäßig an, immer wieder kommt es zu Rückschlägen.

Unser Untersuchungsstichtag ist der 31. Dezember 2007. Daher sind die Kurseinbrüche vom Januar noch nicht erfasst. An der Aussage, dass Aktien auf lange Sicht die höchsten Renditechancen bieten, ändert die aktuelle Lage aber nichts, ebenso wenig an der langfristigen Qualität der Fonds.

Die derzeitige Schwächephase an den Börsen ist nicht annähernd so schlimm wie die Krise der New Economy zu Anfang des Jahrtausends. Damals brachen die Kurse auf dem internationalen Aktienmarkt um mehr als die Hälfte ein. Den höchsten Verlust gab es seinerzeit in Deutschland: Zwischen dem Hoch im Februar 2000 und dem Tief im März 2003 verloren die deutschen Aktien 67,9 Prozent – mehr als zwei Drittel ihres Wertes.

Aber selbst wer ausgerechnet Ende März ausgestiegen ist, lag nicht unbedingt im Minus. Anleger, die ihre Aktien da schon zehn Jahre im Depot liegen hatten, konnten selbst bei einem Ausstieg zu diesem schlechten Zeitpunkt noch ein Plus von 3,7 Prozent pro Jahr verbuchen.

Das Beispiel zeigt: Selbst größere Krisen konnten den Aufwärtstrend von Aktien nicht bremsen. Aktien sind eine langfristige Geldanlage, zwischenzeitliche Einbrüche lassen sich aussitzen. Auf zehn Jahre gesehen gab es in keinem der drei Aktienmärkte mehr einen Verlust. Wir haben dafür alle möglichen Zehnjahreszeiträume in den vergangenen 20 Jahren untersucht, jeweils zeitversetzt um einen Monat.

Die Strategien

Anleger bekommen derzeit viele Tipps, wie sie sich für die Abgeltungsteuer rüsten können. Wir greifen auf den folgenden Seiten drei davon auf und beurteilen sie.

Ein Tipp lautet, jetzt Indexfonds zu kaufen, die sich am Markt orientieren und nicht von den Fähigkeiten eines Managers abhängig sind (siehe „Fondsauswahl“). Eine weitere Empfehlung sind Dachfonds, und zwar deshalb, weil ein Dachfonds die Fonds, die er kauft, steuerfrei wechseln kann – anders als der Anleger (siehe „Dachfonds“).

Und als Alternative für Fondssparpläne preisen die Finanzvermittler Fondspolicen an. Das sind Versicherungen, die mit Fonds gekoppelt sind. Für sie gilt die Abgeltungsteuer nicht (siehe „Fonds und Abgeltungsteuer“).

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