Dachfonds: Dach mit Löchern

Banken werben damit, dass Dachfonds Anleger vor der Abgeltungsteuer schützen. Doch das können sie nicht.

Dachfonds sind zurzeit der absolute Renner. Diese Fonds investieren ihrerseits in Fonds. Die Banken preisen sie als Wundermittel gegen die Abgeltungsteuer.

Die Berater argumentieren so: Wenn private Anleger künftig ihr Depot neu aufstellen, alte Fonds verkaufen und neue kaufen, hält das Finanzamt die Hand auf. Die Anleger müssen nämlich auf Kursgewinne von Fonds, die sie ab 2009 kaufen, beim Verkauf Abgeltungsteuer zahlen.

Die Manager der Dachfonds dürfen dagegen auf Dauer Fonds steuerfrei verkaufen, auch die nach 2009 gekauften. Sie können so ihrem Dachfonds immer wieder steuerfreie Kursgewinne sichern.

Verkauft der Anleger den Dachfonds ­eines Tages, bleibt auch für ihn der Kursgewinn steuerfrei, wenn er den Fonds noch in diesem Jahr gekauft hat.

Doch es ergeht dem Dachfondssparer nicht anders als jedem anderen Fondssparer: Er hält Anteile an einem einzigen Fonds – den er behält, wenn er gut läuft, und den er verkauft, wenn er schlecht wird. Er ist nicht auf Dauer vor der Steuer gefeit.

Aktien und Renten gemischt

Einige Dachfonds kaufen nur Aktienfonds, die meisten mixen allerdings Aktien- und Rentenfonds. Diese zählen wir ebenso wie Fonds, die einzelne Aktien und Anleihen mischen, zur Gruppe der Mischfonds. Sie ist in sechs Risikogruppen unterteilt.

Wie bei den Aktienfonds (Tabelle „Auf diese Fonds ist Verlass“) haben wir auch bei den Dachfonds die Fonds herausgefiltert, die während der vergangenen vier Jahre zumindest „überdurchschnittliche“ oder sogar „stark überdurchschnittliche“ abgeschnitten haben.

In der Tabelle „Dachfonds mit guten Noten“ fehlen die Dachfonds mit „sehr geringem Risiko“ und „hohem Risiko“. In diesen Gruppen gibt es keine dauerhaft guten Dachfonds.

Beschränkte Fondsauswahl

Üblicherweise bleibt der Fonds bei seinem einmal gewählten Mischungsverhältnis. Der Anleger kann nicht selbst festlegen, welches Risiko er wann eingehen will. Er kann die Auswahl der Einzelfonds nicht beeinflussen und sich nicht von einzelnen Fonds trennen. Wählt der Fondsmanager die Fonds für sein Portfolio schlecht aus, schneidet der Dachfonds schlecht ab.

Einige Dachfonds kaufen nur oder fast nur Fonds aus dem eigenen Haus. Das ist insofern gut, weil es wenig kostet. Die ­Gesellschaften verrechnen dann nämlich die Verwaltungsgebühren der Einzelfonds mit den Kosten des Dachfonds. Weil aber keine Fondsgesellschaft nur gute Fonds hat, ist diese Auswahl nur selten die beste.

Eine Ausnahme ist zum Beispiel der Dachfonds DWS PlusInvest (Einkommen). Er investiert ausschließlich in Fonds der DWS und ist trotzdem gut.

Andere Dachfondsmanager machen sich auch außer Haus auf die Suche nach guten Fonds. In diesem Fall ist die Chance größer, dass der Anleger die besten Fonds bekommt. Der Dachfonds LBBW-Balance CR 20 von der Deka kauft auch Fonds von Fidelity, Franklin Templeton und Goldman Sachs.

Meistens sind die Gebühren für Dachfonds, die nicht nur hauseigene Fonds, sondern auch Fremdfonds kaufen, höher.

Die Produktmaschine läuft

Zurzeit legen viele Fondsgesellschaften neue Dachfonds auf. Union Investment zum Beispiel bietet mit dem UniStrategie Flexibel einen Dachfonds, der in Aktien-, Renten-, Geldmarkt- und offene Immobilienfonds investiert und außerdem Rohstoff-, Hedge- und Private-Equity-Fonds beimischen darf.

Die Commerzbank Allstars-Anlage von Cominvest ist ebenfalls ein bunt gemixter Dachfonds. Anleger können sich entscheiden: Die Variante „Einkommen“ ist für die sicherheitsbedürftigen Sparer gedacht, „Chance“ für die risikofreudigen und „Wachstum“ liegt in der Mitte.

In den Prospekten heißt es: „ausgezeichnete Expertise“, „flexibel“, „zukunftsorientiert“ – ­Anleger werden sich den schönen Versprechungen nur schwer entziehen können. Das Problem ist nur, dass jetzt noch niemand weiß, wie gut diese neuen Fonds sein werden. Wir raten Anlegern, die von der Idee der Dachfonds angetan sind, daher zu den älteren Modellen, deren Qualität sich bewährt hat.

Der bessere Fonds ist erste Wahl

Der Glaubenssatz der Abgeltungsteuervermeider lautet: „Kaufe einen Fonds jetzt, und halte ihn so lange wie möglich.“ Das muss aber gar nicht sein. Viel wichtiger ist es, einen guten Fonds zu haben, dann kann dem Anleger auch die Abgeltungsteuer nichts anhaben.

Die Abgeltungsteuer kostet gerade mal knapp 2 Prozent Rendite, vorausgesetzt, die Wertentwicklung beträgt im Schnitt 10 Prozent pro Jahr. Anders gesagt: Fonds, für deren Kursgewinne der Anleger Abgeltungsteuer zahlen muss, müssen im Schnitt nur rund 2 Prozent pro Jahr besser abschneiden als die Fonds aus dem Altbestand, und schon ist die Abgeltungsteuer wettgemacht.

Automatische Fonds

Nicht ganz neu, aber erst jetzt ein Verkaufsschlager sind Zielfonds oder Targetfonds (siehe „Stichwort“). Sie haben eine ­feste Laufzeit und investieren zu Beginn überwiegend in Aktien oder Aktienfonds, später mehr und mehr in Anleihen oder Rentenfonds, sodass zum Fälligkeitstag nichts mehr schiefgehen kann.

Die Umschichtungen laufen aber meist vollautomatisch ab. Es kann also passieren, dass der Tausch ausgerechnet nach einem Kurseinbruch erfolgt. Ein flexibles Ablaufmanagement wäre besser.

Nichtsdestotrotz sind solche Zielfonds keine schlechte Idee. Allerdings kauft der Anleger die Katze im Sack, weil er bei der Auflage des Fonds nicht weiß, wie gut das Management ist und wie der Fonds sich beim Umschichten bewähren wird.

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