Fondsauswahl: Auf Dauer gut anlegen

Aktiv gemanagte Fonds können viel höhere Gewinne bringen als Indexfonds. Daran wird die Abgeltungsteuer nichts ändern – wie unsere Berechnungen zeigen.

Die Frage ist zur Glaubensfrage geworden: Sollen Anleger ihr Geld lieber auf einen Marktindex setzen oder sollen sie es einem Fondsmanager anvertrauen, der versucht, mehr herauszuholen? Jede Seite verficht ihre Argumente mit Absolutheit.

Die Befürworter von Indexfonds sagen: „Kein Manager schafft es langfristig, den Markt zu schlagen.“ Sie raten Anlegern, ihr Geld auf einen Marktindex zu setzen, zum Beispiel den deutschen Aktienindex Dax, die europäischen Indizes Dow Jones Stoxx und Euro Stoxx oder den MSCI Welt.

Klarer Fall: Fonds, deren Entwicklung an die eines Indexes gekoppelt ist, schneiden so ab wie der Index – zumindest ungefähr. Ein wenig bleiben die meisten Indexfonds hinter den Indizes zurück, weil sie anders als diese laufende Kosten haben.

Die Anhänger aktiv gemanagter Fonds sagen: „Aktiv gemanagte Fonds haben höhere Renditechancen.“ Immer wieder schaffen es Manager, viel besser als der Markt abzuschneiden – und zwar trotz der höheren Kosten, die sie verursachen.

Ein Manager kann eigene Ideen verwirklichen. Er kann auf einen Indexwert, dem er wenig zutraut, verzichten und andere Aktien, die nicht im Index sind, kaufen. Einige deutsche Aktienfonds hatten zeitweise zum Beispiel keine Telekom-Aktien in ihren Portfolios, dafür Porsche.

Indexfonds enthalten dagegen alle Werte aus dem Index, gute und schlechte. Sie sind auch der Entwicklung von Währungen wie dem Dollar hilflos ausgesetzt. Ein Manager kann seinen Fonds gegen Währungsverluste absichern.

Abgeltungsteuer ändert nichts

Die Abgeltungsteuer hat den Fans von ­Indexfonds ein neues Argument geliefert. „Indexfonds kann man laufen lassen, dagegen muss man aktiv gemanagte Fonds häufiger wechseln“, sagen sie. Beim Wechsel fällt Abgeltungsteuer an. Unterm Strich bekomme man mit Indexfonds deshalb ­eine höhere Nachsteuerrendite.

Finanztest hat nachgerechnet: Ein Depot aus gemanagten Fonds muss nicht einmal 2 Prozentpunkte mehr Rendite bringen als ein Indexfonds, damit es trotz Abgeltungsteuer besser abschneidet. Wir gehen davon aus, dass sich die Aktienmärkte mit durchschnittlich 10 Prozent pro Jahr entwickeln. Die Rechnung geht auch dann auf, wenn man seine Fonds jedes Jahr wechselt.

Ein Beispiel: Ein Anleger will sein Geld 20 Jahre liegen lassen. Er stellt sein Depot alle zwei Jahre komplett um, das nächste Mal im Jahr 2010, dann 2012 und so fort. Die Kursgewinne der Fonds, die er 2010 verkauft, sind noch steuerfrei, danach fällt jedes Mal Abgeltungsteuer an. Um den Steuerabzug wettzumachen, müssen die aktiv gemanagten Fonds nur 1,5 Prozentpunkte besser sein als die Indexfonds.

Spitzenfonds gegen Indexfonds

Ein Blick in die Finanztest-Tabellen „Indexfonds für die wichtigsten Märkte“ und „Auf diese Fonds ist Verlass“ zeigt: Diese Hürde nehmen die meisten Spitzenfonds ohne Probleme. Der gemanagte Weltfonds M & G Global Basics hat in den vergangenen fünf Jahren ein Plus von 23,5 Prozent pro Jahr geschafft, beim besten Indexfonds für den Weltmarkt, dem Balzac World, waren es 8,9 Prozent pro Jahr.

In der Gruppe der Aktienfonds Welt zeigt sich der Vorsprung der gemanagten Fonds am deutlichsten. Hier sind Indexfonds seit vielen Jahren nur Mittelmaß.

In anderen Fondsgruppen halten die ­Indizes besser mit, zum Beispiel bei den Aktienfonds Euroland. Aber auch hier liegt der beste Fonds, der gemanagte BWI-Dividenden-Strategie-Euro, 3,3 Prozentpunkte vor dem besten Indexfonds.

Die Tabelle „Indexfonds für die wichtigsten Märkte“ zeigt alle Indexfonds aus unserem Fondsdauertest für die drei wichtigsten Aktienmärkte – Welt, Europa, Euroland. Die Fonds müssen für unseren Test mindestens fünf Jahre alt sein.

Starttermin für die Liste der „Dauerhaft Guten“ (siehe Tabelle „Auf diese Fonds ist Verlass“) war der 31. Dezember 2003. Diese Tabelle enthält alle Fonds, die seit mindestens zwei Jahren bei unserem Dauertest dabei sind und seitdem immer die Bewertung „stark überdurchschnittlich“ bekommen haben oder zumindest nie schlechter als „überdurchschnittlich“ abgeschnitten haben. Außerdem zeigt die Tabelle Fonds, die nicht immer, aber seit zwei Jahren durchgehend „stark überdurchschnittlich“ waren.

Nur ein einziger Indexfonds hat es in die Tabelle geschafft: der M & G European Index Tracker A, ein Aktienfonds Europa. Er bildet den europäischen Börsenindex FTSE Europe ex UK ab. In diesem Index sind europäische, aber keine Unternehmen aus Großbritannien gelistet.

Auf den Index kommt es an

Bequeme Anleger kaufen lieber Indexfonds. Sie müssen sich den passenden ­Index aussuchen. Weniger geeignet sind Indizes, die sich nur auf die großen Standardwerte beziehen. Das sind zum Beispiel der DJ Euro Stoxx 50, der DJ Stoxx 50 und der DJ Global Titans Index.

Wir empfehlen Indexfonds, die sich auf marktbreite Indizes beziehen und die große und kleine Werte enthalten. Für Europa kommt zum Beispiel der Fonds Pictet ­Europe Index P Cap infrage, der sich auf den Index MSCI Europa bezieht.

MSCI ist die Abkürzung für die Investmentbank Morgan Stanley Capital International, die den Index mit seinen mehr als 600 Werten berechnet.

Das beste aus zwei Welten

Anleger müssen sich nicht für eine Seite entscheiden, für gemanagte Fonds oder für Indexfonds. Sie können beides haben.

Der Weltaktienmarkt eignet sich kaum für die passive Anlagestrategie mit Indexfonds. Hier sind aktive Fonds viel besser.

Allerdings aufgepasst: Viele dieser Fonds verfolgen eigenwillige Strategien. Es empfiehlt sich, Fonds zu kombinieren.

Da ist zum Beispiel der Lingohr-Systematik-LBB-Invest, dessen Aktienzusammenstellung sich aus Computermodellen ergibt. Er passt gut zum Sauren Global Opportunities. Das ist ein Dachfonds, der Einzelfonds von besonders guten Fondsmanagern bündelt – eine vollkommen andere Herangehensweise.

Was ein echter Fondsfan ist, der stellt sich sein Depot wohl am liebsten aus lauter gemanagten Fonds zusammen und mischt auch ein paar Exoten wie Länderfonds dazu. Wer es gerne halbwegs bequem haben möchte, kann gemanagte Weltaktienfonds stattdessen mit Indexfonds aus Europa oder Euroland mischen.

Auch der deutsche Markt eignet sich für einen Mix aus aktiver und passiver Anlage. Hier gibt es gute gemanagte Fonds und ­gute Indexfonds.

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