Fonds und Abgeltungsteuer Test

Wer Kapitalerträge hat, muss seine Früchte künftig mit dem Bundesfinanzminister teilen. Die Abgeltungsteuer zwackt jeweils ein Viertel ab.

Ein Viertel der Fondsgewinne kassiert bald der Staat. Finanztest zeigt, mit welchen Fonds Anleger auch künftig eine gute Ernte einfahren.

Erst einmal nimmt sich der Staat einen Bissen, ehe der Anleger seine Früchte genießen darf: Die Abgeltungsteuer zwackt von allen Kapitalerträgen rund ein Viertel ab. 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer. Neu ist, dass nicht mehr nur die Zinsen und Dividenden von der Steuer erfasst sind, sondern auch die Kursgewinne – und das haut rein.

Wenn aus einer Einmalanlage von 10 000 Euro nach 20 Jahren 27 600 Euro geworden sind, bleiben dem Anleger weniger als 23 200 Euro. Mehr als 4 400 Euro bekommt der Finanzminister. Kein Wunder, dass Geldanleger die Steuer unbedingt vermeiden wollen. Einige überlegen sogar, ihr Geld nur noch in Zinsanlagen zu stecken und alles, was Kursgewinne bringt, abzustoßen. Klug ist das nicht – gerade Aktienfonds bieten prima Renditechancen. Was viele Steuerhasser verkennen: Wer gut verdient, muss zwar mehr abgeben, hat aber selbst auch mehr in der Tasche.

Nichts abgeben muss, wer Fonds noch in diesem Jahr kauft. Für alle Geldanlagen mit Ausnahme von Zertifikaten heißt es: Wer vor 2009 einsteigt, bekommt Kursgewinne auch künftig steuerfrei. Es gilt daher, Fonds für eine langfristige Anlage zu finden.

Jetzt für immer: keine Steuer!

Geeignet hierfür sind Aktienfonds Welt und Europa, weil sie das Geld der Anleger breit streuen. Erste Wahl sind die Spitzenreiter aus unserem monatlichen Dauertest.

Unserer Fondsbewertung liegt die Annahme zugrunde, dass Fondsmanager, die in der Vergangenheit ein gutes Händchen bewiesen haben, das auch in Zukunft tun. Einigen unserer Leser ist der fünfjährige Betrachtungszeitraum zu kurz. Sie wollen sehen, ob ein aktuell guter Fonds seine Qualität auch über mehrere Jahre bewiesen hat. Deshalb haben wir uns die Fonds über einen längeren Zeitraum angeschaut und die Zehnjahreswertentwicklung bewertet (siehe Tabelle „Aktienfonds Welt“).

In der Tabelle haben wir jeweils die besten Aktienfonds Welt und Europa über zehn Jahre dargestellt. In die Auswahl gekommen sind aber nur Fonds, die aktuell zu den Top 50 unseres Dauertests gehören. Zum Vergleich haben wir außerdem je drei Marktindizes in die Tabellen genommen.

Die Bestenliste

In der Liste der besten Aktienfonds Welt tauchen drei alte Bekannte auf: Sowohl über fünf als auch über zehn Jahre spitze sind der UniGlobal (Rang 2 über zehn Jahre), der DWS Akkumula (Rang 3) und der Lingohr-Systematik-LBB-Invest (Rang 4).

Rang 1 über zehn Jahre belegt der DWS Vermögensbildungsfonds I. In der Langzeitbestenliste taucht er aber nicht auf, weil er aktuell nur auf Platz 104 liegt.

Ebenfalls sehr gut abgeschnitten hat der Carmignac Investissement mit 65 Punkten für die Zehnjahresentwicklung. Der Fonds hat die mit Abstand beste Rendite erwirtschaftet: 14,6 Prozent pro Jahr. Dass er über zehn Jahre trotzdem nur auf Platz 6 rangiert, liegt daran, dass wir nicht nur die absolute Wertentwicklung bewerten, sondern auch das Abschneiden des Fonds relativ zum Fondsgruppendurchschnitt.

Ein Fonds ist umso besser, je öfter er den Fondsgruppendurchschnitt schlägt. Der UniGlobal hat mit 4,8 Prozent pro Jahr insgesamt zwar eine schlechtere Rendite, aber dafür schneidet er regelmäßig besser ab als der Schnitt der Gruppe.

Der Carmignac hingegen schwankt stark und liegt in vielen Monaten unseres Untersuchungszeitraums hinter dem Gruppendurchschnitt. Das gibt weniger Punkte, weil die Wahrscheinlichkeit, mit diesem Fonds schlechter abzuschneiden, größer ist.

Was an der Tabelle außerdem ins Auge fällt, ist der Unterschied zwischen der Fünf- und der Zehnjahreswertentwicklung. Der Pioneer Global Ecology etwa hat über fünf Jahre eine Rendite von im Schnitt 19,8 Prozent pro Jahr erzielt. Über zehn Jahre liegt sie nur bei 6,5 Prozent. Beide Werte spiegeln wider, dass die Rendite mal deutlich über und mal deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von 8 und 9 Prozent pro Jahr liegen kann.

Templeton top – aber lang ists her

Der Templeton Growth, der trotz der derzeit unterdurchschnittlichen Finanztest-Bewertung von nur 36,0 Punkten vielen nach wie vor als einer der besten Fonds gilt, zählt jedoch nicht zu den Fonds mit den besten Zehnjahreswerten. Spitze ist der Templeton Growth nur, wenn man die vergangenen 15 Jahre als Maßstab nimmt.

Das Beispiel zeigt den Nachteil einer zu langen Betrachtungszeit. Wenn die guten Phasen in diesen 15 Jahren zu lange zurückliegen, nützt das dem Anleger, der heute kaufen will, nichts.

Deshalb bleiben wir für die Berechnung der Finanztest-Bewertung beim bewährten Fünfjahreszeitraum. Zusätzlich empfehlen wir den Nutzern unseres Fondstests, die Bewertungen für die kürzeren Zeiträume von vier, drei, zwei und einem Jahr in die Entscheidung einzubeziehen. Sie zeigen, ob sich ein Fonds im Aufwärts- oder Abwärtstrend befindet.

Zuverlässig vorn: Fidelity

Der gemessen an der Zehnjahreswertentwicklung beste Aktienfonds Europa ist der Fidelity European Growth. Er ist ebenfalls Nummer eins über 15 Jahre. Zurzeit liegt er im Dauertest auf Rang 30, mit einer Finanztest-Bewertung von 64 Punkten.

Interessant in der Gruppe ist das Abschneiden der Marktindizes. Während sie in der Gruppe der Aktienfonds Welt keine entscheidende Rolle spielen, können für Europa zumindest zwei Indizes mithalten. In der Zehnjahresbestenliste liegen der MSCI Europe und der DJ Stoxx 600 direkt hinter dem zwölftbesten Fonds, in der Fünfjahresbewertung liegt der MSCI über drei Punkte vor dem DJ Stoxx 600. Beide Indizes bilden mehrere hundert Unternehmen ab, darunter große wie kleine.

Der Marktindex als Konkurrent

Zurzeit stehen Indexfonds hoch im Kurs. Indexfonds beziehen sich auf einen Marktindex und bilden dessen Wertentwicklung ab. Sie schneiden weder besser noch schlechter ab als der Markt.

Weil sie sich so zuverlässig mit dem Index bewegen, sagen die Befürworter, gebe es keinen Grund, sie vorzeitig zu verkaufen. Wer einen solchen Fonds dieses Jahr erwirbt, kann den Steuervorteil auf Jahrzehnte hinaus retten. Aktiv gemanagte Fonds hingegen würden nicht stabil gut bleiben.

Das stimmt zwar, ist aber nur die halbe Wahrheit. Wie unsere Auswertung zeigt, nehmen die Indizes oder Indexfonds genauso am Wettbewerb teil wie die aktiv gemanagten Fonds. Manche schlagen sich gut, manche weniger, wie die Beispiele in unserer Langzeittabelle zeigen.

Für einen guten Indexfonds spricht demnach genauso viel oder wenig wie für einen guten aktiv gemanagten Fonds.

Es spricht aber einiges gegen eine einseitige Ausrichtung auf Indexfonds. Das zeigt folgendes Rechenexempel. Die Spitzenfonds bringen fast immer eine bessere Rendite als der jeweilige Index. Selbst wenn der aktiv gemanagte Fonds seine Qualität nicht hält und der Anleger wechseln und die neue Steuer in Kauf nehmen muss, kann die Rechnung noch aufgehen.

Für Käufe ab 2009 gilt: Die Abgeltungsteuer kostet knapp 2 Prozent Rendite pro Jahr. Wer sich Spitzenfonds wie den Astra der DWS oder den Fidelity European Aggressive ausgesucht hat, die rund 10 beziehungsweise 7 Prozentpunkte vor dem besten Index ihrer Gruppe liegen, muss vor dem Fiskus keine Angst haben.

Sparen mit Ablaufmanagement

Die Abgeltungsteuer vermeiden wollen auch sogenannte Zielfonds. Mit diesen Fonds erwerben Anleger eine auf ein bestimmtes Zieldatum abgestimmte Geldanlage. Die Fonds heißen auch Targetfonds (englisch „target“ heißt „Ziel“) oder Life-Cycle-Fonds, deutsch: Lebenszyklusfonds.

Die Idee: Die Fonds mischen Aktien, Anleihen, Fonds und kurzlaufende Wertpapiere so, dass der Anleger bei Ablauf ein möglichst gutes Anlageergebnis erzielt.

Bei den Targetfonds von Fidelity zum Beispiel liegen zu Beginn der Laufzeit 95 Prozent des Anlegergeldes in Aktien. Gegen Ende der Laufzeit wird umgeschichtet, erst in Anleihen, dann zunehmend in sehr sichere Geldmarktpapiere.

Das hat für den Anleger gleich zwei Vorteile. Erstens kann er sein Geld zum vorgesehenen Termin abheben und muss nicht, wie es bei Aktienfonds durchaus vorkommen kann, weitere zwei, drei Jahre warten, weil die Börsen gerade schlecht gelaufen sind.

Zweitens vermeidet er die Abgeltungsteuer, weil die Umschichtungen im Fonds stattfinden. Denn würde er selbst hergehen und seine Aktienfonds aus dem Altbestand in Rentenfonds tauschen, müsste er für die neu gekauften Rentenfonds bei einem späteren Verkauf Abgeltungsteuer zahlen.

Das sind zwar gute Argumente, doch die Unsicherheit besteht in der Bewertung der Fonds. Die meisten sind noch zu jung, als dass wir über ihre Qualität eine Aussage treffen könnten. Ein Hinweis auf eine gute Strategie ist, wenn anfangs viel Geld in Aktien steckt. Was ebenso ein Anhaltspunkt sein kann, ist das Abschneiden anderer Fonds der Fondsgesellschaft. Sind viele unter den Spitzenreitern in unserer Tabelle, ist das ein gutes Zeichen.

Aber auch wenn die Fonds gut sind, ist der Anlageerfolg deshalb noch nicht gesichert. Es kommt nämlich außerdem auf das Ablaufmanagement an. Es lässt sich nicht vorhersagen, wie der Fonds sich schlägt, wenn er später in Zinspapiere umschichtet.

Letztlich steht hier der Anleger vor der Frage, ob er unter allen Umständen die neue Steuer vermeiden oder lieber flexibel bleiben will.

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