Fonds selbst mischen Test

Anleger können mit wenig Aufwand einen Mix aus Aktien und Zins­papieren selbst bauen – besser als die Profis.

Warum zum Fertigprodukt greifen, wenns selbst gemacht billiger und besser geht? Anleger, die sich nicht auf Fonds­manager verlassen wollen, bauen ihren Misch­fonds einfach selbst. Die wichtigsten Referenzindizes haben ein besseres Chance-Risiko-Verhältnis als jeder Misch­fonds. Finanztest zeigt, wie Anleger in nur fünf Schritten zu einem Depotmix gelangen, der sich an breiten Aktien- und Anleihenindizes orientiert. Grund­lage ist der Welt-Pantoffel aus unseren Pantoffel-Portfolios (Test Geldanlage für Bequeme, Finanztest 4/2013).

Schritt 1: Depot eröffnen

Wer in Fonds anlegen möchte, braucht ein Wert­papierdepot. Anleger können es bei ihrer Filial­bank eröffnen, aber das ist deutlich teurer als ein Depot­konto bei einer Direkt­bank. Neben den jähr­lichen Kosten für die Verwahrung ihrer Fonds sind vor allem die Gebühren für den Kauf von Fonds und Wert­papieren wichtig. In der nächsten Ausgabe von Finanztest zeigen wir, wo es die preis­wertesten Depots gibt.

Ein Depot bei einer Direkt­bank zu eröffnen, ist sehr einfach. Das notwendige Antrags­formular können Anleger aus dem Internet herunter­laden. Mit dem ausgefüllten Formular gehen sie in eine Post­filiale, um unter Vorlage des Personal­ausweises oder Reisepasses das Postident-Verfahren durch­führen zu lassen. Damit weisen sie sich gegen­über der Bank aus. Die Unterlagen für die Konto­eröff­nung kommen dann ein paar Tage später per Post.

Schritt 2: Risiko fest­legen

Jeder selbst­gebastelte Misch­fonds besteht aus einem sicheren und einem riskanten Anteil. Für den sicheren Part empfehlen wir Rentenfonds ohne Währungs­risiko, für den Risiko­anteil welt­weite Aktienfonds.

Anleger müssen zunächst fest­legen, wie hoch ihr Risiko sein soll. Die klassische Variante ist eine Fifty-fifty-Mischung aus Aktien- und Rentenfonds. Für Vorsichtige empfiehlt sich ein Aktien­anteil von etwa 25 Prozent, Mutige können den Risiko­part durch­aus mit rund 75 Prozent ansetzen Pantoffel-Portfolios sind die besseren Mischfonds.

Neben den drei Basis­mischungen sind natürlich auch alle Zwischen­stufen möglich. Wir halten es aber nicht für sinn­voll, Anlagerisiken in Nach­kommastellen zu beziffern. Anleger können sich also an runden Mischungs­verhält­nissen orientieren.

Dass ein Fonds­depot mit steigendem Aktien­anteil riskanter wird, ist weithin bekannt. Aber die wenigsten wissen, dass ein kleiner Aktien­anteil von bis zu 20 Prozent selbst für risikoscheue Anleger empfehlens­wert ist. Da sich Aktien- und Rentenmärkte oft gegen­läufig entwickeln, stabilisiert eine Aktienbei­mischung sogar das Depot.

Schritt 3: Fonds auswählen

Für den selbst­gemachten Vermögensmix kommen nur berechen­bare Zutaten infrage. Börsen­gehandelte Indexfonds, sogenannte Exchange Traded Funds (ETF), sind dafür ideal. Anleger kaufen damit die Wert­entwick­lung von Aktien- oder Rentenindizes und können die Unwäg­barkeiten eines aktiven Fonds­managements ausblenden.

Mit einem ETF auf den Welt­aktien­index MSCI World können sie nichts falsch machen, denn damit investieren sie indirekt in mehr als 1 600 Aktiengesell­schaften rund um den Globus.

Fast alle bedeuteten ETF-Anbieter haben ein Angebot auf den MSCI World. Für welches sich Anleger entscheiden, ist im Grunde genommen egal. Sie sollten sich erkundigen, ob ihre Bank bestimmte ETF besonders günstig anbietet.

Für den sicheren Depot­teil sind Renten­indexfonds, die schwer­punkt­mäßig auf Euro-Staats­anleihen setzen, erste Wahl. Sie können solche Fonds leicht im Produktfinder Fonds heraus­filtern. Auch der Renten-ETF iShares Euro Aggregate Bond kommt in Betracht. Er enthält neben Staats­anleihen auch Unter­nehmens­anleihen.

Schritt 4: Fonds kaufen

ETF werden grund­sätzlich an der Börse gehandelt. Anleger, die ihr Depot bei einer Filial­bank haben, geben ihrem Berater einen Kauf­auftrag, Direkt­bank­kunden tippen ihn am Computer selbst ein.

Die Kauf­kosten betragen bei Filial­banken meist um 1 Prozent der Anlagesumme, bei Direkt­banken sind, je nach Anbieter und Anlagesumme, zwischen 0,1 und 0,5 Prozent üblich.

Problematisch ist die Anlage kleiner Beträge, da es bei fast allen Banken Mindest­kosten für einen Kauf­auftrag gibt. Bei einem 1 000-Euro-Depot betragen die Kauf­kosten für seine Bestand­teile mitunter mehr als 5 Prozent. Dann lohnt sich das Ganze für Anleger kaum noch.

Schritt 5: Mischung über­prüfen

Nachdem das Depot zusammen­gestellt ist, bleibt Anlegern eine regel­mäßige Pflicht­aufgabe. Sie sollten mindestens einmal pro Jahr über­prüfen, ob die ursprüng­liche Risiko­aufteilung noch besteht. Bei kleineren Abweichungen müssen sie nichts tun.

Umge­schichtet wird erst, wenn der aktuelle Depotmix um mehr als 20 Prozent vom ursprüng­lichen Niveau abweicht. Beim ausgewogenen Depot wäre das zum Beispiel der Fall, wenn entweder der Aktien- oder der Renten-ETF einen Depot­anteil von 61 statt 50 Prozent erreicht hat.

Um die Ausgangs­mischung wieder­herzu­stellen, müssten Anleger etwa 18 Prozent des dominierenden Fonds verkaufen. Auf test.de finden Sie einen kostenlosen Rechner, der Anlegern die regel­mäßige Kontrolle erleichtert. Sie können ihre Anla­gebeträge eingeben und erfahren auf den Euro genau, wie hoch der Umschichtungs­betrag ist.

Es ist natürlich möglich, den Depotmix schon bei geringeren Abweichungen als 20 Prozent anzu­passen, aber das halten wir nicht für sinn­voll. Jede Umschichtung verursacht Kosten und schmälert daher die Rendite.

Anpassungen des Depots sind immer dann notwendig, wenn sich Aktien- und Rentenmärkte sehr unterschiedlich entwickelt haben. Eine Aktienrallye ist für Anleger natürlich höchst erfreulich, doch sie bringt einen Depotmix auch schnell aus dem Gleichgewicht und macht ihn riskanter. Anleger sollten die Ursprungs­mischung auch in Zeiten boomender Märkte nicht aus den Augen verlieren.

Varianten sind möglich

Nicht wenige Anleger haben aus Vorsicht ihr gesamtes Vermögen in verzinsten Spar­anlagen geparkt. Sinn­voll war dieses Vorgehen nie, bei einem Zins­niveau nahe null ist es inzwischen absurd.

Unsere Pantoffel-Portfolios enthalten zwar stets Rentenfonds, aber Anleger können mit Zins­anlagen etwas Vergleich­bares aufbauen. Wer sein Geld bisher ausschließ­lich in Tages- oder Fest­geld angelegt hat, müsste also nur einen Teil davon in einen Aktien-ETF umschichten, um ein gemischtes Depot zu bekommen. Für die Aufteilung gelten die gleichen Regeln wie bei den echten Pantoffel-Portfolios.

Bei Börsen­einbruch nach­kaufen

Anleger sollten einen Teil der Zins­anlagen stets kurz­fristig verfügbar halten, damit sie bei einem Börsen­einbruch Aktien-ETF nach­kaufen können, um das Misch­verhältnis wieder­herzu­stellen.

Misch­fonds der Marke Eigenbau müssen nicht unbe­dingt nur einen globalen Aktien-ETF enthalten. Anleger können auch drei oder mehr Fonds kombinieren, um ihre eigenen Vorstel­lungen umzu­setzen. Die Beimischung eines Aktien-ETF für Schwellenländer ist zum Beispiel durch­aus vernünftig. Sie können solche Fonds leicht im Produktfinder Fonds heraus­filtern.

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